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21.10.1983 - 

Nippon meldet Rekorde bei Produktion und Absatz von Fertigungsautomaten:

Japans Industrie steht vor Roboter-Schwemme

TOKIO (VWD) - Mit etwas weniger Euphorie als noch vor einigen Jahren wird in unabhängigen Fachkreisen auf die Zukunft der Roboterindustrie in Japan gesehen. Dabei hatten jüngst in Tokio veröffentlichte Daten des japanischen Industrieroboter-Verbandes (JIRA) für 1982 wieder einen neuen Redord für Produktion und Absatz (Industrieroboter und -automaten zusammengefaßt) gebracht. Die Gründe für die gedämpften Erwartungen sind vielfacher Natur. Ein Bericht der Bundesstelle für Außenhandelsinformationen (BfAI, Köln) listet sie auf.

Während immer mehr Händler "artfremder Produkte" in diesen Industriezweig drängen, so wurde erläutert, schienen auch die bisher so "zahmen" Gewerkschaften neuerdings doch mit einem gewissen Argwohn die immer weitere und rasche Verbreitung solcher Geräte zu beobachten. Vor dem Hintergrund einer gewissen Sättigung in manchen Industriesektoren habe die große Anzahl neuer Hersteller, so glauben die Experten ferner, zu einem Preiskrieg geführt der die Preise bis Jahresmitte im Vergleich zum Jahresanfang 1983 deutlich gesenkt habe. Hier wurden vor allem Geräte genannt, für die in jüngster Zeit weniger Order seitens der Kfz-Industrie, aber auch aus anderen Bereichen eingegangen seien, weil sich diese Besteller bereits vor einem Jahr entsprechend "eingedeckt" hätten. Beispielsweise seien Lackierautomaten (Ende Juni 1983) für durchschnittlich etwa zehn Millionen Yen pro Stück zu haben, während sie vor sechs Monaten noch zwischen zwölf Millionen und 13 Millionen Yen gekostet hätten. Kleine Schweißautomaten seien außerdem von durchschnittlich acht Millionen auf rund fünf Millionen Yen pro Stück "abgestürzt".

Zu dieser Entwicklung hat nicht nur eine gewisse "Kaufmüdigkeit" großer Firmen beigetragen. Vor allem spielt dabei mit, daß auch die kleinen und mittleren Unternehmen, die noch vor einem Jahr besonderes Interesse an solchen Geräten gezeigt hatten, aufgrund unsicherer Geschäftsaussichten - der große Aufschwung in der japanischen Wirtschaft, so wird argumentiert, habe ja noch immer nicht stattgefunden - bei Neubestellungen deutlich zurückhaltender geworden seien als früher.

Aber nicht nur das Ende der "1. Roboterisierungsphase" bei den großen japanischen Unternehmen oder die neu beobachtete Zurückhaltung bei kleineren Firmen wirken hinderlich bei der zügigen Fortentwicklung der Branche. Zu viele Neuankömmlinge - so glaubt selbst der Fachmann - "träten einander auf die Hacken". Zu den wichtigsten neuen Herstellern beziehungsweise Entwicklungen gehören die im folgenden aufgeführten: Die Brother Industries Ltd., der japanische Marktführer bei Nähmaschinen, hat Ende September einen Industrieautomaten des CNC-Typs für verschiedene Einsatzzwecke auf den Markt gebracht. Die Firma will monatlich 50 Geräte erzeugen, die für 2,1 Millionen bis 2,4 Millionen Yen angeboten werden sollen.

Tragbare kommen

Von der Shin Meiwa, die ursprünglich Flugzeuge und Spezialtransportausrüstungen (Müllabfuhrwagen etc.) gebaut hat, wurde mitgeteilt daß sie noch 1983 einen "horizontal articulated weidlich robot" - Typ RJH 45 - anbietern werde. Dieser könne besonders gut flache und große Objekte verschweißen.

Einen neuen tragbaren Roboter der nur 30 kg wiegen und für Schweißen, Montieren und Lackieren vielseitig verwendbar sein wird, werden sieben Schiffbauer (u. a. Hitachi, Zosen, Ishikawajima-Harima) in naher Zukunft in Japan anbieten. Dieses Gerät soll nicht nur im Schiffbau, sondern auch in der Stahlerzeugung und beispielsweise im Wohnungsbau einsetzbar sein. Die Hersteller hoffen, die Produktionskosten für den Automaten besonders niedrig halten zu können, da man aufgrund der vielseitigen Verwendbarkeit des neuen Gerätes wahrscheinlich große Serien werde auflegen können.

Trend zum Kompakten

Die Toshiba Corp. ist ebenfalls ein neuer Hersteller. Ab Oktober 1983 hat sie drei verschiedene Montageautomaten angeboten, die - anders als "konventionelle" Modelle - nicht mit einem Gleichstrommotor, sondern einem auf Wechselstrombasis ausgestattet sind und von einem 16-KBit-Mikroprozessor kontrolliert werden.

Ein Gerät für die Reinigung von Stahlplatten hat der Stahlkocher Kobe Steel Co. auf den Markt gebracht. In Kürze sollen nach Firmenangaben eine Reihe weiterer Informationen für die spezifische Verwendung bei der Stahlgewinnung entwickelt und angeboten werden.

Aber nicht nur die japanische Privatwirtschaft springt derzeit mit beiden Beinen in diesen Sektor. Nachdem schon vor einem Jahr das Ministerium für Internationalen Handel und Industrie (MITI) diese Branche als eine der Zukunftsindustrien bezeichnet hatte, hat sich kürzlich auch das Transportministerium (MoT) indirekt dieser Meinung angeschlossen, da es für die Entwicklung eines "kompakten, aber leichten Roboters" für den Einsatz etwa in Hafenanlagen ab 1984/85 (1.4. bis 31.3.) einen Teil der Entwicklungskosten übernehmen will. Im 1. Entwicklungsjahr will das MoT für diesen Zweck bis zu 100 Millionen Yen bereitstellen. Später sollen diese Geräte für etwa 20 Millionen Yen/Stück im Inselreich auf den Markt gebracht werden.

Produktion ankurbeln

Offiziell will der Fachverband von den erwähnten Befürchtungen unabhängiger Fachleute zwar noch nichts wissen, immerhin aber - so weist es eine Verbandsvorhersage für 1983 ; aus - erwartet man, daß der Produktionswert aller bis Jahresende im Inselreich erzeugten Geräte den des Vorjahres "nur" noch um etwa zehn Prozent übertreffen wird. Stückzahlenmäßig will die Branche aber 1983 doch noch um etwa 30 Prozent mehr als im Vorjahr herstellen.

Langfristig gesehen - so berechnet die OECD in Paris - soll die Produktion weltweit bis 1990 im Jahresdurchschnitt etwa um 30 bis 35 Prozent auf dann etwa 230 000 bis 330 000 Industrieautomaten gesteigert werden. Davon soll Japan die meisten bauen, während in der Erzeugerliste die USA und Bundesrepublik Deutschland die folgenden Plätteneinnehmen sollen.

Manchen Fachleuten in Tokio erscheint diese Prognose allerdings etwas zu optimistisch, da damit gerechnet werden müsse, daß seitens der Arbeitnehmer in Zukunft verstärkt Widerstand gegen den Einsatz solcher Geräte geleistet werde. Beispielsweise habe eine Untersuchung der All Japan Federation of Electric Machine Workers' Union gezeigt, daß durch den weiter verbreiteten Robotereinsatz bei gleichzeitiger Verwendung von ME-Technik (Micro-Electronics) in diesem Sektor allein bereits mindestens 50 000 Arbeitsplätze verlorengegangen seien. Ferner hätten 43 Prozent der Befragten, die mit Roboter zu tun haben, angegeben, daß sie "physisch müder als früher", 13 Prozent "geringer ermüdet" als früher seien. Außerdem waren 65 Prozent "psychisch müder als früher" und nur vier Prozent "psychisch weniger angespannt".

Der Einsatz von Robotern in der deutschen Industrie ist notwendig wenn die Bundesrepublik weiter an der Spitze des technischen Fortschritts stehen will. Diese Überzeugung äußerte Wirtschaftsminister Anton Jaumann bei der Entwicklung einer neuen Produktionshalle für Roboter der Augsburger Firma Kuka. Ein Blick in die Vergangenheit, in der die japanische Konkurrenz in Bereichen wie bei Uhren, Kameras und Motorrädern der deutschen Industrie den Rang abgelaufen habe, zeige deutlich, "wie sehr die Sicherheit der Arbeitsplätze von der Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie abhängt".

Jaumann gab sich gegenüber dem seitens der Industrie in Augsburg vorgetragenen Wunsch aufgeschlossen, nach Stuttgart und Berlin auch in München ein Roboterzentrum zur Förderung von Spitzentechnologien einzurichten. Kuka zählt weltweit mit VW zum Kreis der fünf großen Roboterhersteller unter 220 Produzenten. Roboter befinden sich gegenwärtig im Arbeitseinsatz: in Japan 13 000, in den USA 6000 und 3500 in der Bundesrepublik. Kuka-Sprecher Burkhard Wollschläger übt heftige Kritik an Presseerklärungen der Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit. Er bezeichnet die genannte Zahl, wonach durch Roboter in den nächsten Jahren 400 000 Arbeitsplätze vernichtet würden, "als völlig aus der Luft gegriffen". Derart abgedroschene Phasen trügen dazu bei "unnötige Unruhe unter der arbeitenden Bevölkerung zu verbreiten".