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29.05.1987 - 

Soziale Software ist Schlüssel zum 21. Jahrhundert

Japans Metamorphose zur IuK-Zivilisation

MÜNCHEN (lo) - "Technologiestaat Japan" lautet Nippons Motto bei der Fahrt in ein neues Zeitalter. Bildet dabei die Informations- und Kommunikationstechnologie den Motor, bestimmt ihre Leistungsfähigkeit indes "soziale Software", so eine zentrale Aussage auf einem Münchner Symposium der Deutsch-Japanischen Gesellschaft. In seiner Rolle als Innovator hat Japan aber zunächst jenen wirtschaftlichen wie auch gesellschaftlichen Härtetest zu bestehen, in dem sich auch westliche Staaten befinden.

Mit den führenden Nationen Europas und den USA gleichzuziehen und sogar - hinter Amerika und vor Deutschland - international den zweiten Platz zu erringen, gehört für Japan bereits der Vergangenheit an, erklärte Naohiro Amaya, Vizeminister des Ministeriums für nationalen Handel und Wirtschaftsaustausch und Berater des japanischen Ministeriums für Handel und Industrie (MITI). Die Signale stehen nun auf "freie Fahrt" in die Elektronik- und Informations-Zivilisation. Dazu müssen einige Weichen neu gestellt werden, beispielsweise der Ausbau der Grundlagenforschung.

Weichen müssen neu gestellt werden

Technik-Entwicklungen aus dem Ausland übernehmen, lautete bisher nämlich die - kostengünstige - Devise: So kamen Transistor wie auch andere Halbleiterbauelemente aus den USA, machte Guntram Rahn, Japan-Experte am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Patentrecht in München, deutlich. Die Zahl der Patent- und Gebrauchsmusteranmeldungen aus Japan erzielen weiterhin jährlich neue Rekorde: 524 000 im vergangenen Jahr, fast die Hälfte aller Meldungen weltweit. Sie betreffen allerdings nur Verbesserungen bekannter Basistechnologien wie integrierte Schaltkreise, optische Fasern oder künstliche Intelligenz. So nimmt sich das Wachstum der High-Tech-Industrie in Japan ansehnlich aus. Bereits mehr als die Hälfte aller Investitionen in traditionellen Industrien betreffen ihre Produkte.

Erklärtes Ziel multilateraler Kontakte für das Land in Fernost waren und sind Informationsaustausch sowie - in weit größerem Umfang - Informationsbeschaffung, so der Japan-Kenner Rahn. Doch die USA und Europa schotten ihre Grundlagenforschung ab. Zum zivilisatorischen Wandel durch Elektronik und Information müssen sich deshalb neue Werte gesellen, zu denen in erster Linie Kreativitäts- und Qualitätsdenken gehören werden, betont Vizeminister Amaya.

Als rohstoffarmes Land setzt Japan jedoch vor allem auf seine Manpower als wichtigste natürliche Ressource. Auch hier führen herkömmliche Schienenstränge nicht problemlos in den Technologiestaat. Veränderte Werte betreffen mit Blick auf Mitarbeiter, so Kisyoshiro Miyata, Generaldirektor der Tero in Hamburg, die bisher erfolgreichen japanischen Managementprinzipien - etwa die "natürliche Statusgarantie, die lebenslange Beschäftigung und das Senioritätsprinzip".

Beruhte das Verhältnis von Management und Mitarbeitern auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit, ist seit kurzem dafür ein Härtetest angesagt. Rationalisierungen in der Produktion beschneiden in großem Umfang Arbeitsplätze, sagte Naohiro Amaya. Verluste bei der Exportindustrie sowie die Bedrohung von billig produzierenden asiatischen Schwellenländern zwangen zudem nicht nur dazu, die Produktion besonders in der Büro- und Unterhaltungselektronik in das Ausland zu verlagern.

Auch Japan verlagert Produktion ins Ausland

Auch Rationalisierungen, Stillegungen und Entlassungen zeichnen derzeit die exportabhängigen Branchen. Umsetzungen, Frühpensionierungen, Abfindungen sollen die Arbeitsplätze der verbliebenen Arbeitnehmer nun sichern. Eine japanische Studie aus dem Jahr 1986 weist aus, daß über 18 Prozent aller Arbeitnehmer - mit steigender Tendenz - bei größeren Unternehmen überflüssig seien.

Gegen diese Engpässe stellt Japans Unternehmernschaft ihr Innovationsbewußtsein: "Was gut ist für Japan, ist auch gut für unser Unternehmen", zitiert MITI-Berater Amaya. Ebenso wie hierzulande auch werden in Nippon um 70 Prozent an Forschungsleistungen von der Industrie erbracht. Unterschiede zu Deutschland konnte Josef Rembser, Ministerialdirektor im Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) in Bonn, indes sowohl bei der Unternehmensstrategie wie auch beim Verantwortungsbewußtsein halbstaatlicher Institutionen für High-Tech-Entwicklungen beobachten. Denn während der kürzlich privatisierte Rundfunk-, Fernseh- und Telefon-Konzern Nippon Telephon and Telegraph (NTT) umgerechnet über zwei Milliarden Mark an Eigenmitteln für High-Tech-Forschung und -Entwicklung investierte, belasse es die Bundespost bei 20- bis 30mal niedrigeren Anstrengungen.

Das Pendant der Alten Welt zu Japans national geprägter Technologiepolitik ist für den BMFT-Ministerialdirektor der "europäische Mehrwert". Ihn zu verwirklichen, dienen Programme der Europäischen Gemeinschaft (EG) wie etwa "Esprit" oder die Technologie-Initiative "Eureka". Erfolgsmeldungen mischen sich noch mit Mißklängen über nationale Reibungsverluste: "Eine Technologie-Kooperation zwischen EG-Mitgliedsstaaten haben wir erst noch einzuüben", so Josef Rembser.

Technologie-Kooperation muß eingeübt werden

Die Herausforderung, den Königsweg bei Entwicklung und Einsatz von moderner Technik - der MITI-Berater: "Medizin oder Gift" - zu finden, stellt sich für die Vertreter aus den unterschiedlichen Hemisphären gleichermaßen. Ob ein Land beim Rennen um Führungspositionen im neuen zivilisatorischen Zeitalter mithalten kann, hänge, erklärt Naohiro Amaya, von "sozialer Software", der Wandlungsfähigkeit des gesellschaftlichen Systems und des Ethik-Verständnisses, ab. Denn weniger technische Informationen als vielmehr gesellschaftliche Wertvorstellungen seien der Schlüssel zum 21. Jahrhundert. Der Bonner Politiker Rembser relativiert für allzu blauäugige Optimisten: "Wir können schon froh sein, wenn wir die zweit- oder drittbeste Lösung finden."