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05.04.1985 - 

Beachtliche Marktprozente nur in Teilbereichen realisiert:

Japans Übersee-Attacke gerät ins Stocken

MÜNCHEN (CW) - Seit Jahren hört man düstere Warnungen, daß Japan eines Tages die amerikanische Computerindustrie beherrschen wird, genau wie die Fernöstler dies bei Stahl, Autos und Unterhaltungselektronik getan haben. Japanische Computerhersteller, die sich häufig die Vorteile amerikanischer Technologie zunutze machten, bemühen sich in der Tat, in relativ kurzer Zeit den enormen Technologievorsprung der USA aus den 60er Jahren wettzumachen.

Der japanische Anteil am amerikanischen Computermarkt von 40 Milliarden US-Dollar stieg zwischen 1982 und 1983 von drei auf fünf Prozent; dies besagen jedenfalls die Zahlen des amerikanischen Wirtschaftsministeriums. Andersherum gibt, daß das Geschäftsvolumen von IBM Japan im fernöstlichen Inselstaat immer noch so groß ist wie das sämtlicher japanischer Unternehmen in den USA zusammen.

Die mäßige Zunahme des Marktanteils ergab sich durch eine Steigerung der japanischen Exporte an Computern, Peripheriegeräten und Unterbaugruppen in die USA, die letztes Jahr um 65 Prozent auf 1,8 Milliarden US-Dollar anstiegen; hierdurch hat sich ein bilaterales Handelsdefizit von nahezu einer Milliarde US-Dollar ergeben.

Im allgemeinen erzielten die Japaner keine großen Erfolge bei der Durchdringung der Märkte außerhalb des Pazifikgebiets.

Außerhalb dieser Region konnten sie lediglich einen Anteil von etwa zehn Prozent des Informationsverarbeitungsmarktes gewinnen. Amerikanische Computerfirmen kontrollieren indes nach Angaben der International Data Corporation (IDC) einem Marktforschungsunternehmen aus Framingham, Massachusetts, noch immer etwa 75 Prozent des Computermarktes in den nicht-kommunistischen Ländern.

Obwohl die Präsenz der Japaner in bestimmten Segmenten des amerikanischen Marktes bereits deutlich zu spüren ist, entsprach der insgesamt erzielte Fortschritt mehr dem langsamen und stetigen Fortkommen des Igels als dem schnellen Tempo des Hasen, das einige Experten noch vor wenigen Jahren erwartet hatten. Es gibt jedoch auch Stimmen, die vermuten, daß der Kampf um die Vormachtstellung auf dem Computermarkt gerade erst begonnen hat.

Ein Beobachter der Salomon Brothers, Inc. in New York, meint hierzu in der Computerworld, daß die Japaner zwar heute in den USA vertreten sind, jedoch in einer anderen Weise als bislang angenommen. Sie liefern sehr viel Peripheriegeräte. Und einen Großteil des Innenlebens moderner Computer.

Mit einigen Ausnahmen waren japanische Unternehmen nicht sehr erfolgreich bei der Vermarktung von Computersystemen unter eigenen Markennamen in den USA. Der größte Teil ihres Geschäftserfolgs stammt aus relativ wenig gewinnbringenden OEM- oder Joint-venture-Verträgen mit amerikanischen Unternehmen. Eine solche Partnerschaft besteht beispielsweise zwischen National Advancend Systems, Inc. (NAS) und Hitachi Limited. Gemäß dieser Vereinbarung vertreibt NAS die Großcomputer von Hitachi in den USA.

Trotz Qualität keine Power

Wenn nun die japanische Technologie die amerikanische in vielen Bereichen eingeholt oder gar übertroffen hat, stellt sich die Frage, warum die Japaner nicht mit größerer Kraft den amerikanischen Markt angehen. Nach Aussage von befragten Industrieanalytikern und Vertretern der amerikanischen und japanischen Computerhersteller, reichen die Erklärungen von Schwächen in der japanischen Software, fehlenden Vertriebskanälen in den USA und ungünstigen Markt-Einstiegsbedingungen bis hin zu kulturellen Unterschieden.

Die Liste der amerikanischen Hersteller von IBM-steckerkompatiblen Mainframes, die dem Kampf gegen die technische und marketingmäßige Größe von IBM zum Opfer gefallen sind, ist lang: Magnuson Computer Systems, Inc., Storage Technology Corp., Spartacus Computers, Inc. und Trilogy Systems Corp. Als sich die Reihen zunehmend lichteten, orientierten sich einige amerikanische Hersteller wie beispielsweise Amdahl, NAS und Honeywell nach Fernost, um Hilfe im Kampf gegen IBM zu suchen.

So haben drei große Mainframe-Hersteller Japans - NEC Corp., Fujitsu Ltd. und Hitachi - mit US-Vertriebshändlern Abkommen geschlossen, um ihre Computersysteme zu vertreiben. NEC ist mit Honeywell zusammengegangen, Fujitsu mit Amdahl und Hitachi mit NAS.

Dieses gesteigerte Interesse an Joint-venture-Abkommen ist ein klares Zeichen für die zunehmende Verbesserung der japanischen Technologie, meint John Alic, Mitarbeiter des Office of Technoloy Assessment des amerikanischen Kongresses und Projektleiter der 1983 durchgeführten Studie über den internationalen Wettbewerb in der Elektronikindustrie. Nach seinen Worten zeigt dies eindeutig, daß die Japaner nicht mehr bloß kopieren.

Die amerikanisch-japanischen Partnerschaften haben Vorteile für beide Vertragsparteien. Die amerikanischen Unternehmen erhalten Zugang zur japanischen Hardware, die nach Auffassung der meisten Beobachter mindestens so schnell und zuverlässig wie die von IBM ist. Auf diese Weise können amerikanische Firmen weiter in Konkurrenz zu IBM treten und ihre Großsystemkunden halten, ohne daß ihnen ungeheure Entwicklungskosten entstehen. Die Japaner andererseits sind in der Lage, ihre weltweit installierte Basis zu erweitern und gleichzeitig eine größere Präsenz und Bekanntheit in den USA zu erlangen.

Aus den IDC-Zahlen für 1983 ist ersichtlich, daß in den USA insgesamt 880 Mainframes von Amdahl/Fujitsu und NAS/Hitachi installiert waren. Von den insgesamt in den USA installierten 9500 Mainframes entfallen 5700 auf IBM.

Der in Palo Alto, Kalifornien, ansässige Handelsverband der amerikanischen Elektronikindustrie (AEA) betrachtet die japanischen Fortschritte auf dem Mainframe-Markt jedoch aus anderer Sicht. Ralph Thompsen, stellvertretender Vizepräsident des Verbandes, glaubt, daß die Präsenz der Japaner auf dem Mainframe-Markt in bezug auf den bilateralen Handel recht bedeutend ist. Dieses Thema bereitet der AEA großes Kopfzerbrechen. Im Mainframe-Bereich hat sich nach seiner Meinung inzwischen eine ausgewogene, wenn nicht sogar negative bilaterale Handelsbilanz eingestellt.

Dennoch sind einige Beobachter der Ansicht, daß die japanischen Unternehmen durch die Verkaufs- und Service-Unterstützung ihrer amerikanischen Partner auch weiterhin eine Konkurrenz für IBM darstellen werden. Die Japaner sind die einzigen, die IBM bei den Mainframes Konkurrenz machen können. Und sie werden dies vermutlich auch bei den Supercomputern tun, aber hier befindet sich nur eine relativ unbedeutende Marktnische.

Die japanischen Anstrengungen im Bereich der Supercomputer haben jedoch bei amerikanischen Computerfirmen und der amerikanischen Regierung Besorgnis geweckt, berichtet Computerworld.

Invasion ist ausgeblieben

Dies ist vor allem auf die recht bedeutenden militärischen Anwendungen von Supercomputern zurückzuführen. Auch für wissenschaftliche und technische Anwendungen werden Superrechner in zunehmendem Maße eingesetzt.

Das japanische Supercomputer-Programm hat Berichten zufolge bis 1989 die Entwicklung einer Maschine zum Ziel, die zwischen 100- und 1000mal schneller als der schnellste amerikanische Supercomputer sein soll - im Moment ist dies der XMP der Cray Research. Inc. Im Rahmen eines Abkommens mit Amdahl ist es Fujitsu kürzlich als erstem japanischen Unternehmen gelungen, die Vermarktung seiner Supercomputer in den USA aufzunehmen.

Der Mikrocomputer-Markt war ein Bereich, in dem man damit gerechnet hatte, daß die Japaner ihre Erfolgsstrategien wiederholen, mit denen sie den Markt für Unterhaltungselektronik beherrschten. Einige meinten, es sei nur eine Frage der Zeit, ehe die legendären Fähigkeiten japanischer Hersteller zum Bau von kleineren, schnelleren, preiswerteren und zuverlässigeren Produkten die amerikanische Überlegenheit in diesem Bereich wettmachen würden.

Doch die japanische Mikrocomputer-Invasion ist ausgeblieben - zumindest bis jetzt. Laut Future Computing, Inc., einem Marktforschungsunternehmen aus Richardson, Texas, konnten japanische Anbieter nur fünf Prozent des amerikanischen Mikrocomputer-Marktes erringen.

Berücksichtigt man jedoch den japanischen Anteil am amerikanischen Markt für Peripheriegeräte von 36 Prozent, so entfallen auf Japan immerhin 22 Prozent des gesamten amerikanischen Marktes für Mikros und Peripheriegeräte.

Der größte Teil dieses Erfolgs ist auf Heimcomputer und tragbare Computer zurückzuführen, weniger auf professionelle Systeme für den Einsatz im Büro.

Als Gründe für diese weniger gute Leistung japanischer Firmen bei Mikrocomputern werden das Fehlen von Software, unzureichende Vertriebskanäle und ein allgemein schlechtes Verständnis des amerikanischen Markts angeführt.

Kazuya Hanazuka, Sprecher der Hitachi Ltd. in New York, erklärte den Erfolg seines Unternehmens bei Fernsehgeräten, Videorecordern und Stereoanlagen mit folgenden Worten: "In diesen Bereichen brauchen wir keine Software, um Erfolg zu haben."

Einige Beobachter meinen jedoch, daß dieses Softwareproblem der Japaner nur vorübergehender Art sei. Hanazuka erklärte beispielsweise, daß Hitachi in Japan mehr als 20 Softwarehäuser hat, die Programme für Mikros, Roboter und andere Anwendungen entwickeln.

John Stern, Leiter des 1984 eröffneten Büros der AEA in Tokio, erklärte, daß fast jede Woche ein neues japanisches Softwarehaus ankündige, es werde Software in die USA exportieren, und dies sei den meisten amerikanischen Unternehmen praktisch nicht bekannt.

Während japanische Standard-Software nicht so umfassend oder weitreichend wie amerikanische Software ist, stellt sie sich in bestimmten Bereichen als sehr gut und konkurrenzfähig dar.

Einige Beobachter glauben, daß japanische Unternehmen vorsichtiger vorgehen und abwarten, bis sich der aufgewirbelte Staub auf dem Mikrocomputer-Markt gelegt hat.

Laut Marktbeobachter kann man in jedem Lehrbuch nachlesen, daß die Japaner warten, bis der Markt reif ist und sich stabilisiert hat, ehe sie kleinere, bessere, schnellere und billigere Produkte anbieten. Dieser Punkt sei jedoch noch nicht erreicht.

Als weitere Schwäche der japanischen Strategie für den Mikro-Markt wird das Marketing angeführt. Laut Lesli Latham, ehemaliger US-Marketingleiter für Mikrocomputer bei einem japanischen Elektronikunternehmen, gibt es kein Unternehmen in Nippon, das marketing- oder kundenorientiert vorgeht. Die Japaner haben anscheinend noch nicht erkannt, weshalb Firmen wie IBM so erfolgreich sind.

Aus diesem Grund bemühen sich einige japanische Firmen um amerikanische Vertriebs- und Kundendienstpartner. Mitsubishi Electric Co. hat beispielsweise sogenannte Hausmarken-Verträge mit Sperry Corp. und Leading Edge Corp. geschlossen, um IBM-PC-kompatible Business-Computer in den USA zu vertreiben.

Ein Unternehmensvertreter erklärte jedoch, daß die Japaner bei den Mikros nicht versagt hätten, sondern geduldig nach einer sorgfältig geplanten Strategie vorgingen. Ed Schaider, Marketing-Direktor der Professional Microsystems Division von Fujitsu, erläuterte die Strategie seines Unternehmens für den amerikanischen Markt. Nach seinen Worten hat das Unternehmen, das in den USA den Business-Computer Micro 16 anbietet, gewartet, bis der Markt reif war; sodann habe man sich ein Marktsegment herausgegriffen, um dort ein qualitativ hochwertiges Produkt und ein ungewöhnlich hohes Maß an vertikaler Integration zu bieten.

Niemand kann mit Sicherheit sagen, wann oder ob die Japaner einen entscheidenden Schritt auf dem Mikrocomputer-Markt tun werden oder welchen Marktnischen sie sich zuwenden. Eines scheint jedoch sicher: Die amerikanischen Unternehmen dürfen sich noch nicht entspannt zurücklehnen.

Peter Teige, Analytiker bei Dataquest, gibt zu bedenken, daß es sich bei den Japanern um riesige Unternehmen mit enormen Ressourcen handelt, die eine lange Zukunft vor sich haben. Sie brauchen keinerlei drastische Maßnahmen zu ergreifen, um auf den amerikanischen Markt zu kommen. Die Erfolge bei anderen Produkten deuten darauf hin, daß sie auch im Mikrobereich Erfolg haben könnten.

Wenn es einen Bereich gibt, in dem sich die Warnungen von Charles Sporck, Präsident und Geschäftsführer von National Semiconductor Corp., bewahrheitet könnten, so ist dies der Bereich Halbleiter.

Der japanische Anteil am amerikanischen Halbleitermarkt nimmt ständig zu. Nach Angaben der Semiconductor Industry Association, einer in San José, Kalifornien, ansässigen Handelsorganisation, entfielen 1984 fast 14 Prozent des amerikanischen Markts auf japanische Unternehmen, nachdem es im Vorjahr 13 Prozent und 1982 nur 10 Prozent gewesen waren. Wie Gumport meint, wird der japanische Marktanteil 1984 nach ihm vorliegenden Daten etwa in der Größenordnung von 16 bis 19 Prozent liegen.

Weltweit sollen die Japaner etwa die Hälfte des Markts für 64-K-RAM-Chips und den größten Teil des sich rasch entwickelnden Markts für dynamische 256-K-RAM Chips errungen haben. 1984 dürften etwa 40 Prozent des Weltmarktes auf japanische Unternehmen entfallen, nachdem es zwei Jahre zuvor noch 34 Prozent waren.

Das amerikanische Handelsdefizit mit Japan bei integrierten Schaltkreisen ist von 327 Millionen Dollar im Jahre 1982 auf 481 Millionen Dollar 1983 angestiegen. Die Zahlen des amerikanischen Wirtschaftsministeriums belegen, daß 1983 für 681 Millionen Dollar integrierte Schaltkreise in die USA importiert wurden; 1982 betrug dieser Wert erst 446 Millionen Dollar. Die amerikanischen Exporte nach Japan beliefen sich auf 200 Millionen Dollar im Vergleich zu 119 Millionen Dollar im Vorjahr.

Gerade in der Computerindustrie war der Handelskampf zwischen amerikanischen und japanischen Herstellern sehr heftig. Trotz der für die USA negativen Handelsbilanz und anhaltender Beschwerden amerikanischer Unternehmen, daß Japan keinen Zugang zu seinem Binnenmarkt gewährt, werden die Spannungen insgesamt geringer.

Sheridan Tatsuno, Analytiker bei Dataquest, führt dies auf den wachsenden Internationalismus der Industrie zurück. Amerikanische und japanische Anbieter haben jeweils im Land des anderen, in Europa und an anderen Orten Chip-Fertigungsanlagen errichtet. Auch die Zahl der amerikanisch-japanischen Lizenz- und Lieferverträge nimmt zu. Nach seiner Ansicht ist jetzt ein Punkt erreicht, an dem man ohne Partner nicht mehr überleben kann.

Diese von Tatsuno angesprochene Veränderung zeigt sich an dem 1983 geschlossenen Vertrag zwischen Oki Electric Industry Co. und National Semiconductor Corp.; für dieses Unternehmen wäre ein solches Geschäft vor wenigen Jahren undenkbar gewesen. National Semiconductor hat einen Zuliefervertrag mit Oki unterzeichnet, laut dem die Amerikaner 64-K-RAM-Chips auf der Grundlage von Oki-Entwürfen herstellen.

Dennoch - die Japaner haben zu spät auf die raschen Veränderungen am amerikanischen Mikrocomputer-Markt reagiert,. so heißt es. Betrachtet man einige der heute von vielen japanischen Herstellern angebotenen Systeme mit dem CP/M-Betriebssystem, so könne man sagen, daß sie für ihren Preis zwar ausgezeichnete Qualität darstellen, aber keiner mehr daran interessiert sei.