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11.10.1996 - 

Börsen-Analysen via Internet

Java-Applets hoch im Kurs beim Brokerhaus Hornblower

"Ohne Java hätten wir die Anwendung nicht realisieren können", äußert Teledata-Geschäftsführer Ulrich Kühn überzeugt. Java-Trader informiert über Börsenkurse, die derzeit nur einmal täglich, nach Schluß der jeweiligen Börse aktualisiert werden. Zudem stellt die Anwendung die dazugehörigen grafischen Darstellungen der Kursverläufe, sogenannte Charts, zur Verfügung.

Dabei erfolgt die Auswahl der Aktienkurse über ein Suchsystem: Der Benutzer gibt ein Wertpapiersymbol, die Wertpapiernummer oder den Namen beziehungsweise Namensanfang der gewünschten Aktie ein. Ein Auswahlfenster listet bei mehrdeutigem Input die "Treffer" auf, bei Eindeutigkeit des Aktienkürzels wird das Chart direkt eingeblendet. Voreingestellt ist jeweils der Kursverlauf der vergangenen acht Monate. Die Darstellung der Zeitreihen ist variabel: die Anwender können die Daten als Aktienumsatz, MACD, Bollinger Bands sowie nach anderen frei definierbaren gleitenden Durchschnitten (siehe Abbildung) in Augenschein nehmen.

Die historischen Daten lassen sich als Linien-, Balken- oder Candlestick-Diagramme anschauen. In einem gesonderten Fenster sind von fast hundert unter Börsenexperten bekannten Indikatoren die gängigsten in die Anwendung eingebaut, wie Teledata-Chef Kühn erläutert: Stochastik, Volatilität, Momentum, Vertikal-Horizontal- Filter, Positive-Negative-Volume-Index und Price-Volume Trend.

Ergänzt wird die Chartanalyse durch ein automatisches Formationserkennungssystem, so daß der gewiefte private Börsianer taxieren kann, wie sich der Aktienkurs in Zukunft entwickeln wird. Die Analysen lassen sich anhand von Kopf-Schulter-, Formations-, Wimpel-, Flaggen- und Trendkanalmustern vornehmen.

"Das Tolle an der Anwendung ist, daß das Applet lokal auf dem Kundenrechner läuft, die Daten aber von unserem Rechenzentrum zur Verfügung gestellt werden", begeistert sich Kühn. Bisher sei es lediglich möglich gewesen, die Börseninformationen, die die Teledata in Echtzeit erhält, sowie die historischen Daten in eine Mailbox zu stellen. Die Anleger mußten sie dann von dort abrufen. Zudem waren die Aktionäre für die Pflege der Daten selbst verantwortlich. "Diese Arbeit wollen wir unseren Kunden abnehmen", so Kühn.

Dafür wird das etwa 150 KB große Applet, das die gesamte Logik enthält, beim Aufruf des Programms auf den Rechner des Kunden übertragen. Das dauert, je nach Ausstattung des Benutzers, etwa eine Minute. Voraussetzung ist ein Java-fähiger Browser und ein 32-Bit-Betriebssystem. Die Daten für die Zeitreihen ruft der Anwender gesondert vom Teledata-Rechenzentrum in Frankfurt ab, wenn er sie benötigt. Ein solcher Block ist zirka 5 bis 10 KB groß, und die Übertragung dauert wenige Sekunden. Nachdem sowohl Daten als auch das Applet auf dem Rechner sind, kann der Kunde seine Auswertungen individuell gestalten.

Wegen der geforderten Internet-Fähigkeit kam lediglich Java als Programmiersprache in Frage. "Vielleicht hätten sich die Logik und die grafische Gestaltung in C++ schöner machen lassen", sinniert Kühn, "doch dann hätten wir die Anwendung zum Beispiel auf Diskette bannen und auf üblichen Vertriebswegen verteilen müssen. Dem Anwender wäre wie gehabt die Aufgabe zugefallen, die Software zu installieren. Mit der Internet-Beschreibungssprache HTML hätten sich wiederum die fein auflösenden Kursgrafiken nicht erzeugen lassen.

Derzeit steht der Java-Trader noch kostenlos, zum Beispiel über die Web-Adresse http://www.hornblower.de, zur Verfügung. Hornblower will das Programm ab November jedoch nur noch im Abonnement, also einer geschlossenen Benutzergruppe, zur Verfügung stellen. Das Brokerhaus denkt daran, die Anwendung mit den T- Online-Diensten von Hornblower zu koppeln, für die ein Kunde derzeit etwa 130 Mark pro Monat bezahlen muß. Bisher nutzen etwa 1000 Abonnenten den T-Online-Dienst. T-Online-Kunden, die den Java-Trader einsetzen wollen, benötigen dazu allerdings ein spezielles Shareware-Programm, das zum Beispiel über die Teledata- Homepage für 30 Mark zu bekommen ist.

Die Datei muß in den Systempfad von Windows 95 oder Windows NT kopiert werden. Außerdem enthält der Telekom-Decoder nur eine 16- Bit-Variante des Netscape-Browsers, so daß eine zusätzliche, 32- Bit-fähige vonnöten ist.

Eine zweite Ausbaustufe des Programms soll es später ermöglichen, die Kurse auch während der Börsenzeit zu aktualisieren. Außerdem soll sich dann die Kursdarstellung mit aktuellen Börsen- und Unternehmensnachrichten aus der Teledata-Nachrichtenredaktion verknüpfen lassen. Die Börsenspezialisten wollen außer den deutschen Werten auch Kurse von rund 10000 amerikanischen Aktien, von Devisen und internationalen Indizes abfragen. Außerdem arbeitet Teledata an einer Depotverwaltung.

Sicherheitsprobleme sieht Kühn hier nicht. Die Übertragung der Daten finde im Binärformat statt, das ohne entsprechende Java- Applets nicht lesbar sei. An eine zusätzliche Verschlüsselung denkt die Teledata nicht. Außerdem will der Anbieter auch "Spieledepots" zum Ausprobieren einrichten ein Unterschied zu den "echten" Aktiendepots sei für Hacker dann nicht zu erkennen.

Ein schönes Stück Arbeit sei die Entwicklung des Java Traders gewesen, resümiert Stephan Wolf, Geschäftsführer der Innovative Software GmbH, Frankfurt. Das Unternehmen setzte die Ideen von Teledata mit seinem hauseigenen Designwerkzeug "OEW für Java" sowie mit Bibliotheken, Compilern und Werkzeugen anderer Hersteller um. Beispielsweise existiert bislang keine Java- Datenbankschnittstelle. Das Softwarehaus programmierte nur die Client-Seite in Java und die Server-Seite in C++.

Ein grundsätzliches Problem bei dieser Art von Anwendung sind laut Wolf die Bandbreiten öffentlicher Netze. Anders als etwa in C++- Anwendungen wird aus den Klassen einer Java-Applikation keine ausführbare Datei erzeugt. Vielmehr macht der Java-Compiler aus den Klassen jeweils einzelne Byte-Code-Files, die zum Versand übers Internet in IP-Pakete verpackt werden müssen. So entsteht ein Overhead aus Transportinformationen. "Das aber machte die Anwendung unerträglich langsam", beschreibt Wolf erste Testresultate.

Abwarten kann sich keiner leisten

Sowohl die Anzahl der Klassen als auch die Gestaltung der Benutzeroberflächen unterlagen damit von vornherein Beschränkungen. Die Frankfurter behelfen sich außerdem damit, die Java-Anwendung in einer Art Archiv zusammenzufassen und zu komprimieren, was laut Wolf "allerdings das objektorientierte Prinzip von Java konterkariert". Auf diese Weise sei es zum Beispiel nicht mehr möglich, Klassen dieser Anwendung mehrfach zu benutzen. Zudem muß die Komprimierung plattformabhängig erfolgen, da etwa der Microsoft-Browser "Internet-Explorer" ein anderes Format (.cap) unterstützt als das Netscape-Produkt "Navigator" (.zip). Das hat unter anderem die Folge, daß bei der Teledata unterschiedliche Versionen des Java-Trader gepflegt werden müssen.

Andere Probleme in der Java-Programmierung liegen in der rasanten Entwicklung der noch jungen Sprache begründet. Neben unzulänglichen Dokumentationen, Bugs in den zumeist rudimentären Bibliotheken und unterschiedlichen Compilern machte dem Softwarehaus auch die schnelle Abfolge von Beta-Releases verschiedener Browser zu schaffen. Weil diese, sobald sie zur Verfügung stehen, von den Anwendern installiert werden, muß so rasch wie möglich jede neue Version unterstützt werden. "Unsere Entwickler kamen kaum nach", schildert Wolf das Problem.

Lediglich 40 Prozent der Zeit, die sein Team bislang für die Java- Anwendung brauchte, habe produktiv genutzt werden können. Den restlichen Aufwand habe das Suchen nach adäquaten Tools und Klassen sowie das Ausprobieren verschlungen. Dennoch steht für Wolf fest: "Java-Probleme zu diskutieren ist eine Sache, aber abzuwarten kann sich keiner leisten."

Teledata-Profil

Die Teledata Börsen-Informations GmbH ist zu 100 Prozent ein Tochterunternehmen von Hornblower Fischer. Seit 1987 produziert die Firma elektronische Börsen-Informationsprogramme für Verlage und Finanzinstitute. Dazu gehören die Schmidt Bank AG, Consors, die Finanzzeitschrift "Das Wertpapier" und verschiedene Börsen- Newsletters.

Die hauseigene Kursdatenbank hat via Satellit Anschluß an die europäischen und amerikanischen Aktien- und Terminbörsen. Die Daten erreichen die Teledata in Echtzeit und werden anschließend in die Online-Programme verschiedener Auftraggeber eingespeist.

Das Unternehmen betreibt zudem eine eigene Nachrichtenredaktion von frühmorgens bis nach Mitternacht werden hier die internationalen Finanzmärkte verfolgt und ausgewertet. Den Schwerpunkt bilden Berichte, die für Anleger interessant sind. Dazu gehören Meldungen zur Wirtschaft, Konjunktur und Politik, Unternehmensnachrichten sowie Analysen und Hintergrundberichte zur Zinsentwicklung, zu Aktien, Devisen und anderen Anlageinstrumenten.