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14.03.2003 - 

Version 2 mit Varial-Finanzbuchhaltung

Java-ERP Semiramis startet durch

MÜNCHEN (ue) - Der ERP-Markt für kleine und mittlere Unternehmen bietet Analysten zufolge noch reichlich Absatzpotenzial. Auf dieses Segment zielt die Cross Industrie Software AG (CIS) aus Hannover mit dem Produkt "Semiramis". Experten räumen dem in Java geschriebenen und zur CeBIT in einer komplettierten Version 2 vorliegenden ERP-Paket gute Chancen ein.

So vermessen war CIS bei der Namensgebung dann doch nicht: Die Anlehnung an die um etwa 800 vor Christus lebende assyrische Königin gilt nicht der Assoziation mit einem der sieben Weltwunder, den "Hängenden Gärten der Semiramis". Ausschlaggebend war vielmehr die weniger bekannte Überlieferung, dass die Regentin das Handels- und Staatswesen ihres Landes völlig neu strukturiert hat, mit zum Teil bis in heutige Volkswirtschaften hineinreichenden Gesetzeselementen.

Ähnlich revolutionär wollte die 1995 gegründete CIS AG bei der Entwicklung ihres erstmals zur CeBIT 2002 präsentierten ERP-Produkts vorgehen. Ohne Altlasten, aber auf dennoch steinigem Weg konnte der Hersteller die ERP-Erfahrungen seiner Programmierer und seines Gesellschafters, der österreichischen KTW Software & Consulting GmbH, komplett in Java umsetzen. Das Ergebnis ist ein plattformneutrales, auf den J2EE-Spezifikationen aufsetzendes Produkt, das sich über HTML sowie Javascripts ausschließlich im Browser bedienen lässt und damit eine Grundvoraussetzung für E-Collaboration - im Gartner-Jargon ERP II - erfüllt.

Abgesichertes Single-Sign-on

Die Client-Server-Kommunikation erfolgt via HTTP und ist grundsätzlich 128-Bit-verschlüsselt (SSL und TSL). Innerhalb der im Browser dargestellten ERP-Masken müssen Anwender nicht auf gewohnte Bedienhilfen wie Drag and Drop oder Kontextmenüs verzichten. Die Single-Sign-on-Anmeldung hat der Hersteller mit verschiedenen Authentifizierungs- und Berechtigungsmechanismen abgesichert.

Das Backend-Framework der einzelnen ERP-Disziplinen setzt auf einer System-Engine mit integriertem Web-Server auf. An die Semiramis-Engine lassen sich Oracle-Software, IBMs DB2 und Microsofts SQL Server anschließen. Die Datenbank selbst ist in einen Bereich für die Systemkonfiguration (Administration), ein Repository für Entwicklerdaten (branchenspezifische Anpassungen), eine OLTP-Engine (Stammdaten, Bewegungsdaten, Customizing etc.) sowie einen Olap-Server für statistische Informationen unterteilt.

Die Semiramis-Applikationen sind wie ein Web-Server über URLs erreichbar. Die hinterlegten Adressen lassen sich individuell einstellen und vom Aufruf einer unternehmensspezifischen Startseite oder einer speziellen Anwendung bis zur Öffnung eines Artikelstamms, einer Auftragsnummer oder eines Berichts herunterbrechen. Auch die kombinierte Darstellung von Informationen nach bestimmten Selektionskriterien ist auf diese Weise möglich. Die Kopplung der Applikationen mit Fremdanwendungen wird unter anderem über COM, Corba (IIOP) oder Soap hergestellt, die semantische Anbindung in systemübergreifende Geschäftsprozesse kann über XML Schema und EDI erfolgen.

Was die ERP-Applikationen selbst anbetrifft, scheint das zur CeBIT kommende Release 2 keine Wünsche mehr offen zu lassen. Die Software ist mehrmandantenfähig, unterstützt Unicode und hat neben Modulen für Produktion, Lagerlogistik, Beschaffung, Disposition und Vertrieb jetzt auch die von Varial neu vorgestellte Java-Finanzbuchhaltung als OEM-Produkt integriert. Programme für Controlling, Service und Customer-Relationship-Management sind ebenfalls enthalten. Hinzu kommen Querschnittsfunktionen wie Dokumenten-, Workflow- und Software-Configuration-Management. In einer Bewertung des Produkts urteilen Experten der Fachhochschule Darmstadt und der Münchner sd&m AG, dass Semiramis in diesem Jahr alle Kriterien, die man an den betriebswirtschaftlichen Funktionsumfang von ERP-Software stellt, vollständig erfüllen wird. Beste Noten gibt es auch für Architektur, Oberfläche (Ergonomie) sowie Produktivität der Entwicklung und Qualität der Softwarekonstruktion.

CRM-Funktionen inklusive

Ähnlich äußert sich Helmuth Gümbel, IT-Analyst bei Strategy Partners. Semiramis biete neben den klassischen ERP-Funktionen auch Unterstützung für collaborative Verarbeitung und Web-Services-Standards. Viele gängige CRM-Funktionen seien ebenfalls abgedeckt. Laut Gümbel ist Semiramis aufgrund der durchgängigen Thin-Client-Technik besser auf die Nutzung des Internet ausgelegt als die Angebote von SAP, Oracle oder J.D. Edwards.

Bezüglich der verschiedenen Fertigungsprozesse entwickelt CIS für so genannte Level-A-Branchen selbst Lösungen. Darunter fallen diskrete Fertigung, Chargenfertigung, die Produktion elektronischer Geräte, Chemie-, Nahrungsmittel-, Kunststoff- und Metallindustrie. An Modulen für Automotive-Zulieferer sowie für die Variantenfertigung beziehungsweise den Anlagenbau wird derzeit noch gearbeitet. Spezielle Branchenzuschnitte überlässt der Hersteller dagegen seinen Partnern: Erste Lösungen für die Bereiche Textil, Schmuck und Fleischverarbeitung stehen zur Verfügung.

Marktchancen positiv bewertet

Auch die Marktchancen von Semiramis beurteilen die genannten Experten positiv. Das ausschließlich über Partner vertriebene Paket zielt auf kleine und mittlere Unternehmensgrößen ab 15 Benutzern. Da Semiramis auf der in diesem Umfeld verbreiteten IBM I-Series (AS/400) läuft und dort weder die Konkurrenz von SAPs "Business One" noch von Microsofts ERP-Produkten fürchten muss, ergibt sich ein beträchtliches Kundenpotenzial. Bei den übrigen ERP-Angeboten für diese Klientel handelt es sich vielfach noch um Fat-Client-Systeme.

Trotz des von Gümbel bescheinigten Produktmerkmals, die CIS-Lösung über große Server-Batterien skalieren zu können, wird bei 250 Usern vorerst eine Obergrenze gezogen. Ab 100 Benutzern positioniert CIS-Gesellschafter KTW das Java-basierende ERP-Paket "Movex" von Intentia, das sich ebenfalls in seinem Beratungsportfolio befindet.

Abb: Durchgängiges Thin-Client-Konzept

Die Semiramis-Architektur erlaubt eine Bedienung ausschließlich über Browser und erfüllt damit eine Voraussetzung für E-Collaboration. Quelle: CIS