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15.08.1997 - 

Intranet als Anwendungsplattform

Java faßt Fuß in der Unternehmens-DV

Wesentlich gefördert wird der Einsatz von Java durch die schnelle Verbreitung von Intranets. Sie bieten Benutzern die Möglichkeit, über einen Web-Browser transparent auf unterschiedliche, im Unternehmen verteilte Ressourcen zuzugreifen. Nach der anfänglichen Beschränkung auf das Publizieren von Dokumenten wollen Anwender nun auf der Basis von Internet-Techniken verstärkt Programme entwickeln. Dabei gelten für solche netzzentrierten Anwendungen zumindest drei Anforderungen: Sie sollen nach Möglichkeit auf allen verfügbaren Desktop-Systemen ablaufen, sie müssen auf bestehende Altanwendungen zugreifen können und sie dürfen - speziell bei Unternehmen mit mehreren Niederlassungen - keine übermäßigen Ansprüche an die Bandbreite stellen. Herkömmliche Entwicklungs-Tools genügen diesen Kriterien nicht mehr. Unter den derzeit verfügbaren Internet-Technologien verspricht Java, in all den genannten Punkten die geeignetste Lösung zu bieten.

Entscheidend in diesem Zusammenhang ist Javas Implemementierung als interpretierte Sprache: Für praktisch alle Plattformen liegen Ablaufumgebungen in Form einer virtuellen Maschine (VM) vor, der darauf ablaufende Byte-Code weist im Vergleich zu nativen Programmdateien einen äußerst geringen Umfang auf. Aufgrund der weitreichenden Unterstützung von Java in der Industrie eignet es sich außerdem zur Erweiterung vorhandener Legacy-Anwendungen: Das Angebot an Tools reicht dabei von solchen, die Java-Front-ends für 3270-Applikationen erstellen, über eine Fülle von JDBC-Datenbanktreibern bis hin zu Gateways für TP-Monitore wie CICS.

Obwohl in praktisch allen Unternehmen vernetzte DV-Umgebungen exisitieren, bleiben Daten und Anwendungen wegen auftretender Inkompatibilitäten für einzelne Benutzergruppen häufig außer Reichweite. Java könnte aufgrund seiner Eigenschaften solche DV-Inseln integrieren und Anwendungen, die gar nicht im Hinblick auf Network-Computing erstellt wurden, für das Intranet zugänglich machen.

Die kürzlich veröffentlichte Studie "Java and the Enterprise" zeigt, daß DV-Entscheider diesem Gebrauch große Bedeutung zumessen. Die amerikanische Zona Research http://www.zonaresearch.com untersuchte dabei 279 Unternehmen, die über mehr als 250 Computerarbeitsplätze verfügen und bereits Java nutzen. Gleich nach dem immer noch dominierenden Einsatzzweck "Applets für Web-Seiten erstellen" nennen die Befragten als Ziel ihrer Java-Entwicklung "bestehende Anwendungen im Browser ablaufen lassen", "Cross-Plattform-Programmierung", "Zugriff auf Abrechnungssysteme und andere Legacy-Daten" sowie "Integration vorhandener Applikationen".

Daß derartige Vorhaben häufig über das Experimentierstadium hinaus sind, zeigen Aussagen über getätigte und beabsichtige Investitionen sowie die geplante Einstellung von Java-Programmierern. Demnach soll das Budget für Java-Projekte innerhalb der nächsten zwei Jahre von derzeit 13 Prozent auf durchschnittlich 21 Prozent der gesamten Ausgaben für die Anwendungsentwicklung steigen. 60 Prozent der untersuchten Unternehmen wollen innerhalb dieses Zeitraums einen bis zehn Vollzeitprogrammierer für Java einstellen, nur 20 Prozent sagten, sie würden keinen beschäftigen.

Über die Ernsthaftigkeit des Java-Engagements gibt noch eine weitere Zahl Auskunft. Während Intranets zumeist durch Initiativen einzelner Abteilungen oder Mitarbeiter entstanden, sind Java-Projekte vergleichsweise häufig Chefsache. 32 Prozent der Befragten gaben an, daß die Entscheidung dafür von oben kam.

Plattformunabhängigkeit, geringe Programmgröße und Erweiterung bestehender Anwendungen sind die Eigenschaften, die Suns Technologie als Integrationsmedium empfehlen. Java ist jedoch nicht nur ein Mittel, um Altanwendungen zu konservieren, sondern bringt obendrein eine neue Software-Architektur ins Spiel. Kernpunkt dabei ist die zentrale Speicherung und Administration von Anwendungen, die dynamisch in den Web-Browser des Anwenders geladen werden. Die vereinfachte Verwaltung der generell mehrstufigen Web-Anwendungen verspricht Kosteneinsparungen, durch die Verlagerung der Anwendungslogik ins Netz können zudem schlanke Client-Rechner eingesetzt werden.

Es überrascht daher wenig, daß Anwender nicht nur die Integrationsfähigkeiten von Java schätzen, sondern damit auch die Vorteile der Web-Architektur nutzen wollen. Die Ablauffähigkeit von Java-Applets in Web-Browsern wurde daher als wichtigster Grund für die Nutzung der Programmiersprache genannt, die daraus resultierenden Vorteile des zentralen Updates von Code und Kosteneinsparungen stehen konsequenterweise ebenfalls weit oben in der Skala (siehe Kasten). Auffällig ist jedoch, daß die Möglichkeit, Network Computer einzusetzen, kaum ausschlaggebend für die Wahl von Java ist - und dies, obwohl 46 Prozent der Befragten es für wahrscheinlich halten, daß sie solche schlanken Endgeräte nutzen werden.

Es liegt auf der Hand, daß frühe Anwender die von ihnen gewählte Technologie hoch einschätzen und Vertrauen in ihre Zukunft haben. Gleichwohl nennen die in der Zona-Studie Befragten einige Probleme, die den Erfolg von Java gefährden könnten. Angesichts der großen Bedeutung der Plattformunabhängigkeit nehmen Anwender diesbezügliche Einschränkungen besonders ernst. Anlaß dafür bietet nicht nur die inkosistente Ablaufumgebung von Java 1.0, sondern auch das Vorgehen der beiden führenden Browser-Hersteller. Vor allem Microsoft bemüht sich, Java als einheitliche Plattform zu kippen. Weitere Bedenken betreffen die Ablaufgeschwindigkeit und die Skalierbarkeit. Diese Skepsis erhält Nahrung durch eine ähnliche Umfrage von Forrester Research. Dort hält über die Hälfte aller Firmen Java derzeit noch für instabil, bei rund einem Viertel hat sich die Programmiersprache nicht bewährt, und 15 Prozent äußern Sicherheitsbedenken.