Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

27.09.1996 - 

Interview

Java-Gegner werden sich bekehren lassen

CW: Was hatten Sie bei Sun mit der Entwicklung von Java zu tun?

VAN HOFF: Ich war etwa dreieinhalb Jahre bei Sun, seit Januar 1993, und habe dort den Java-Compiler geschrieben, einen Hot-Java-Beta-Browser sowie eine Reihe von Applets und APIs.

CW: Warum haben Sie Sun verlassen und die Marimba Inc. gegründet?

VAN HOFF: Weil sich gute Chancen boten. Wie Sie wissen, wird Java immer populärer, und man kann sich eine solche Gelegenheit einfach nicht entgehen lassen.

Das Silicon Valley bringt wie eine Maschine Start-up-Companies hervor. Man bekommt alles, was für eine Gründung notwendig ist, umsonst oder für einen Apfel und ein Ei.

CW: Was zum Beispiel?

VAN HOFF: Kredite, Rechtsanwälte und Möbel. Man fährt mit einen Lastwagen bei einem Büroausstatter vor, und schwups hat man für lediglich 1500 Dollar eine komplette Einrichtung beisammen. Rechtsanwälte beraten einen gerne, weil sie darauf vertrauen, daß man eines Tages erfolgreich sein wird. Dann sind sie dick im Geschäft. Mir ist klar, daß so etwas in Europa nie funktionieren könnte. Eine Firma zu gründen ist aber die einzige Möglichkeit, reich zu werden.

CW: Sie wollen also reich werden?

VAN HOFF: Na ja. Verstehen Sie mich richtig. Ich habe bei Sun schon gut verdient, aber wirklich reich macht einen nur die eigene Firma.

Natürlich ist das nicht der einzige Grund für einen solchen Schritt. Der Hauptgrund ist die Motivation: Was man im eigenen Unternehmen tut, ist selbstbestimmt.

CW: Welche Art von Software will Marimba auf den Markt bringen?

VAN HOFF: Wir entwickeln Java-Applikationen und -Technologie - aber mehr möchte ich vorläufig nicht verraten.

CW: Was ist eigentlich das Außergewöhnliche an Java?

VAN HOFF: Java bringt vor allem kleineren Firmen Vorteile, denn Software läßt sich viel schneller entwickeln als zum Beispiel mit C oder C++. Doch Java ist nicht nur eine Programmiersprache - sie hat sehr viel mit der Anarchie des Internet zu tun. Mit Java und Java-Applets wird Programmieren einfach. Im Prinzip kann jeder Programme schreiben - und nicht nur ein elitärer Softwareclub.

Außerdem ist Java nicht von einem Hersteller abhängig, weder von Borland oder Microsoft noch von Sun Microsystems selbst. Ganz abgesehen davon handelt es sich einfach auch um eine gute Technologie.

CW: Kritiker sagen, die Sprache sei nicht sicher genug ...

VAN HOFF: Java ist die sicherste Sprache, die Sie zur Zeit bekommen können. Schauen Sie sich doch an, ob eines der Microsoft-Sprachprodukte überhaupt irgendwelche Sicherheits-Features besitzt.

Immerhin hieß Java mal "Oaks" und war für Consumer Electronics gedacht. In diesem Markt sind Ausfälle teuer, denn funktioniert der Rasierer oder der Videorecorder nicht, bringen ihn die Leute zurück und wollen einen neuen.

CW: Auch die Java-Performance ist Gegenstand der Kritik.

VAN HOFF: Heute sind Java-Applikationen lediglich zwei- bis dreimal so langsam wie C++-Anwendungen. Das ist nichts für eine Sprache mit einer Garbage Collection. Die Leute, die diesen Punkt kritisieren, verstehe ich nicht: Was ist wichtiger? Eine Anwendung zu haben, die schnell ist, oder eine, die nicht ausfällt?

CW: Welche Alternative zu Java sehen Sie?

VAN HOFF: Es gibt nur die Alternativen, diese Sprache heute einzusetzen oder abzuwarten und damit Zeit und Wettbewerbsvorteile zu verschenken.

Wenn jemand nicht Java einsetzen will, dann ist das o.k. - allerdings wird er sicher keine Anwendungen für das Internet planen. Heute aber ist das Internet die Plattform, für die sich Java am besten eignet. Doch schon bald kann prinzipiell jegliche Art von Applikation damit gebaut werden. In Amerika denkt man da hauptsächlich an den Consumer-Markt. Das ist in Europa nicht der Fall.

CW: Wer hatte die Idee, die Programmiersprache nach einer Kaffeesorte zu benennen?

VAN HOFF: Wir vom Entwicklungsteam haben uns zusammengesetzt und Vorschläge gesammelt, etwa Oaks, Silk, DNA. Java war auch auf der Liste, und keiner fand die Bezeichnung störend. Nachdem dann überprüft war, welcher Name noch nicht durch die Branche besetzt war, blieb Java übrig.