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27.09.1996 - 

Offene Systeme und Devcon 96:

Java-Highlights können Unix-Messe nicht retten

Vor allem die Aussteller, die die letztjährige "Offene Systeme" zum Maßstab nahmen, welche im Beisein der German Unix User Group (GUUG) stattfand und als größte Unix-Messe galt, wurden deutlich: Marian Schweighart, Sales-Manager Central Europe bei NCD, erklärte: "Ich bezeichne die Veranstaltung als Katastrophe."

Nicht wenige Aussteller waren der Meinung, man habe sie im Vorfeld absichtlich über die Dimensionen der Veranstaltung getäuscht. So seien vom Ausrichter, der Network GmbH, Hagenburg, im November Hallenpläne verschickt worden, die eine volle Belegung von mindestens drei Hallen suggerierten. Hinweise auf den richtigen Sachverhalt erhielten die Firmen erst, nachdem sie ihre Teilnahme zugesagt hatten, durch die lapidare Mitteilung, ihr Stand sei um drei Reihen nach vorne verlegt worden.

Auf der Messe mußten die Firmenvertreter dann feststellen, daß beispielsweise die Halle 1 durch Stellwände um mehr als die Hälfte verkleinert worden war. Achim Herber, Abteilungsleiter Bürosysteme bei der Tekelec Airtronic GmbH: "Statt großer Hallen finden wir hier zwei Doppelreihen vor."

Daß bereits angemeldete Firmen ihre Teilnahme kurzfristig wieder zurückgezogen haben, vermutet Gerhard Joos von der Interquad Computer GmbH. Er bezieht sich dabei auf die letzte vorläufige Ausstellerliste. Unisono bekunden alle Befragten, man habe zwar mit Einbußen gerechnet, jedoch nicht in diesem Ausmaße. Das Fazit für Schweighart: "Der Mythos GUUG ist zerplatzt."

Für einige ist bereits jetzt die Systems in München die brauchbarste Alternative zur Ex-GUUG. Diese Firmen sind das Gezeter zwischen dem Unix-Verein und dem Messeveranstalter Network leid sie glauben nicht an eine Wiederauferstehung der Unix-Messe.

Andere wie Stephan Link, Vorstandsvorsitzender der Computer Links AG, gäben einer wiedervereinigten Konferenzmesse GUUG durchaus eine Chance: "Ich will die GUUG wiederhaben."

Während die Aussteller Klagelieder anstimmten, war Klaus Jansen, Geschäftsführer von Network, ganz und gar nicht bereit, Asche auf sein Haupt zu streuen. Obwohl er jedem einzelnen Besucher hätte die Hand schüttelt können, wie Aussteller spotteten, erging er sich in dunklen Andeutungen über Konsequenzen, die die GUUG zu ziehen habe.

Jansen wurde nicht müde, tapfer zu beteuern, seine Veranstaltung sei ein Erfolg (siehe Kasten "Die Veranstaltung in Zahlen").

Dennoch signalisierte er, wenn auch noch zurückhaltend, Versöhnungsbereitschaft, falls die GUUG reumütig den Gang nach Canossa anträte und in den Schoß der Network, die auch im kommenden Jahr die Option auf die Wiesbadener Messehallen hat, zurückkehre.

In jedem Fall sei jedoch für Mitte September kommenden Jahres eine ähnliche Veranstaltung ebenfalls gemeinsam mit Sigs Conferences geplant, die "Web, Devcon" heißen soll. Bei der Präsentation des künftigen Logos wurde deutlich, daß noch Platz ist für einen dritten Partner, der GUUG heißen könnte. Auf die Idee einer ähnlichen Veranstaltung, die jedoch vom Internet-Boom profitieren soll, reagierten die vom Themenwechsel überraschten Aussteller zurückhaltend. "Das ist lediglich ein heißer Name für dasselbe Kind", faßt Herber zusammen.

Die Entwicklerkonferenz Devcon, die in diesem Jahr zum dritten Mal von Sigs ausgerichtet wurde, bedarf einer eigener Würdigung unabhängig von der Messe. Sie stand nahezu gänzlich im Zeichen der Objektorientierung. Java zog zwar auch hier das größte Interesse auf sich, doch verglichen mit dem Überschwang amerikanischer Programmierer auf der vergleichbaren kalifornischen Veranstaltung Objectworld, war die Begeisterung eher verhalten.

Für Jürgen Regel, Berater für Methoden, Architekturen und Qualitätssicherung bei der TUI, kristallisierte sich die Annäherung der Objekttechniker an den "Boden der Tatsachen" als Trend dieser Veranstaltung heraus. Seiner Einschätzung nach ist das jedoch nur positiv denn nun ließen sich die Vorteile der Objektorientierung erst richtig beurteilen. Die Wiederverwertung von Objekten gehöre bislang jedoch eindeutig nicht dazu. In den Foren und Vorträgen stellte sich heraus, daß keiner der Anwesenden jemals eine Klasse verwendet hat, die nicht in seinem Team entwickelt worden war. Eine zukunftsträchtige Alternative zum objektorientierten Denken und zu objektorientierten Methoden sieht Regel trotzdem nicht.

Wie andere Besucher der Tagung fragt sich auch der TUI-Berater, mit welchen Mitteln und Sprachen sich das objektorientierte Denken am besten umsetzen läßt. Dieses Problem zog die Besucher in die Java-Veranstaltungen. Dort hieß es, die neue Sprache werden nicht C und C++ verdrängen können, weil diese Sprachen der Vorteil der Maschinennähe hätten. Anders sieht es jedoch bei Smalltalk aus, dessen Syntax zum Teil als zu eigenwillig empfunden wird. C müsse man sowieso können und Java habe eine C-Syntax, lautete das Argument (siehe auch Kasten "Java-Fans unter sich").

Geradezu ein "Schock" war es für Jürgen Regel, wie sehr sich diejenigen, die ehemals die Unix-Fahne hoch gehalten hatten, bereits mit dem Eintritt Microsofts in die angestammte Unix-Domäne abgefunden haben. Symptomatisch war zum Beispiel die Podiumsdiskussion "Gibt es ein Leben zwischen Microsoft und SAP?", an der Microsoft übrigens nicht einmal teilnahm. Die Diskutanten, Karl-Heinz Imoor von der RDG-Rieker Dienstleistungs GmbH, Peter Lipps von Next, Ingo Hoffmann, Leiter der Microsoft-SAP-Competence-Center, Helmut Eickelmann von der Software AG (SAG) sowie Moderator Rüdiger Hansen, ebenfalls SAG, präsentierten sich mehr als handzahm. Kritiker dieser Veranstaltung, die klare Aussagen vermißten, bemängelten: Die IT-Branche ziehe sich als einzige selbst ein Monopol heran, um zugleich das Diktat zu verfluchen.

Die Veranstaltung in Zahlen

Messeveranstalter Klaus Jansen, Geschäftsführer der Network GmbH: "Wir möchten keine Zahlen über die Messe bekanntgeben, um die Verhandlungen mit der GUUG dadurch nicht zu gefährden. Daß wir mehr Besucher hatten als die Leipziger Veranstaltung, konnte jeder sehen." Die Zahlen der "Software Devcon" gab Konferenzveranstalter Jürgen Tillack, General Manager der Sigs Conferences GmbH, bekannt. An vier Konferenztagen hörten etwa 233 zahlende Teilnehmer rund 70 Vorträgen zu. Davon waren etwa 40 Prozent an mehr als einem Tag anwesend. Das größte Interesse fand das Thema Java. (Mindestens 17 Veranstaltungen wurden kurzfristig abgesagt, weil die angekündigten Personen nicht erschienen. Wie Francis Paulisch, fachliche Leiterin der Konferenz, versicherte, sei es jedoch möglich gewesen, die überwiegende Anzahl der deutschen Beiträge durch neue Themen oder mit anderen Moderatoren und Vortragenden zu ersetzen. Anm. d. Redaktion)