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24.10.1997 - 

Betriebliche Standardsoftware/Neue Herausforderung für Business-Softwarelösungen

Java & Co: Standardsoftware kooperiert mit Internet und Intranet

Kaum ein Thema wird derzeit so breit diskutiert wie der Einsatz von Internet-Technologien in Unternehmen. Unter dem Stichwort "Electronic Commerce" werden neue Business-Interaktionen mit der Eröffnung lukrativer, dynamischer Vertriebswege für den Produktabsatz geprüft. Mindestens genauso im Fokus stehen die technischen Vorzüge vereinfachter Administration mit der Etablierung neuer, kostengünstiger Hardwareplattformen, etwa bei NCs.

Neben den hochgesteckten Erwartungen rückt zunehmend die Integration in unternehmenskritische ERP-Lösungen ins Blickfeld. Dabei geht es um folgende Fragen:

- Wie lassen sich firmenintern Entscheidungsprozesse und Durchlaufzeiten beschleunigen und Einsparungspotentiale zeitnah erreichen?

- Wie sind Applikationen firmenübergreifend zu nutzen, um Abläufe zu rationalisieren?

Neue Felder in Kerngeschäftsbereichen

Besonders multinationale Unternehmen und Organisationen mit verteilten Standorten arbeiten mittlerweile systematisch an der Integration und Verzahnung von Geschäftsprozessen und zwar über Unternehmensgrenzen hinweg und entlang der gesamten Logistikkette mit Lieferanten, Kunden und Partnerunternehmen. Dabei werden bereits heute über reine Informationsverteilung hinaus auch in den Kerngeschäftsbereichen neue Anwendungsfelder erschlossen.

Der Einstieg in die Internet-Technologie ist sorgfältig zu planen. In einem ersten Schritt gilt es, Geschäftsprozesse und -abläufe zu identifizieren, die von der Internet-Integration profitieren könnten, und eine entsprechende Nutzenabschätzung vorzunehmen. Die neuen Business-Szenarien lassen sich grundlegend in folgende Kategorien unterteilen:

- Statische Konzepte dienen vorwiegend der Informationsverteilung, zum Beispiel für Marketing- oder Produktinformationen sowie Unternehmensdarstellungen. Bereits heute werden sie mit HTML-Dokumenten vielfältig genutzt.

- Dynamische Interaktionskonzepte mit einfachen DB-Abfragen und -Aktualisierungen kommen über Common-Gate-Interface-(CGI-)Implementierungen zum Einsatz.

- Transaktionsorientierte Konzepte nutzen Java-Implementierungen für komplexe Geschäftsanwendungen.

Der Bereich der transaktionsorientierten Konzepte wird sich künftig zum entscheidenden und wirklich erfolgsbestimmenden Kriterium entwickeln. Die Herausforderung für die Unternehmen besteht darin, eine Strategie für die Integration des Internet in zentrale Geschäftsfunktionen zu entwickeln. Neue Anwendungsfelder und -paradigmen umfassen zum Beispiel:

Finanzlösungen:

- elektronische Zahlungssysteme,

- schnelle Auftragsbearbeitung sowie

- schnelle Kundenstatusabfrage.

Vertrieb/Logistik:

- Zugriff auf tagesaktuelle Produktangebote und Preislisten,

- kundenspezifisches Produktangebot sowie

- effiziente Bestellsysteme.

Produktion:

- tagesaktuelle Information überden Lagerbestand

- direkte Einsichtnahme von seiten des Kunden auf den Auftragsstatus

- Verkürzung der Bearbeitungszeiten

- vereinfachte Verwaltung von Fertigungsdokumenten

Administration:

- einfacher Zugriff auf Verwaltungsinformationen und Dokumente

- Ablage von Reise- oder Urlaubsanträgen direkt im System

- Unterstützung von Worksharing-Konzepten mit verbesserter Kommunikation über E-Mail-Funktionen

Im nächsten Schritt müssen DV-Organisationen die technologische Strategie überprüfen, um die erforderliche neue Funktionalität für Geschäftsanwendungslösungen zu implementieren. Neben den anfänglichen statischen HTML-Konzepten hat sich inzwischen Java als neue und tragfähige Technologieplattform etabliert.

Die Vorzüge liegen auf der Hand: Java reduziert die Kosten für die Software-Entwicklung und vor allem die Wartung beträchtlich. Der Cross-Plattform-Support über Java ermöglicht es, die Anwendungen ohne zusätzlichen Installations- und Wartungsaufwand über beliebige Client-Plattformen zu verteilen. Ein Update ist zudem nur auf der Server-Seite notwendig.

Unternehmen müssen jedoch auch hier prüfen, ob eine erforderliche Implementierung neuer Werkzeuge wirtschaftlich vertretbar ist. Die Konzepte der ERP-Anbieter unterscheiden sich beträchtlich. So enthält ein Teil der Angebote nur eine bestimmte Anzahl von Anwendungen für den Web-Einsatz, und damit ist auch die Funktionalität stark eingeschränkt. Andere Ansätze erfordern dagegen neue Entwicklungswerkzeuge beziehungsweise eine Verknüpfung der Produkte und Dienste auch verschiedener Hersteller, um die Web-Anbindung zu ermöglichen. Und so manches erfolgversprechende Java-Projekte scheitert an der mangelnden Integrationsfähigkeit von Standardsoftwarelösungen, wenn sich die Anbindung nur über mehrstufige Implementierungen realisieren läßt, oder es werden komplette Neuentwicklungen erforderlich.

In der Praxis indes wird schnell deutlich, daß isolierte Ansätze oder Tools und Neuentwicklungen für die Unterstützung unternehmenskritischer Geschäftsabläufe wenig geeignet sind. Hier treten auch Wirtschaftlichkeitsaspekte in den Vordergrund. Ein Unternehmen, das zum Beispiel erheblich in den Aufbau einer leistungsfähigen Client-Server-Architektur und in ein umfassendes fachliches Know-how investiert hat, ist natürlich an Ergebnissen interessiert.

Marktexperten gehen davon aus, daß die erfolgreiche Integration von Web-Business-Applikationen von der Flexibilität der eingesetzten Entwicklungs-Tools für die vorhandene Geschäftsumgebung abhängt. Ein entscheidendes Kriterium ist dabei, die Geschäftslogik von der zugrundeliegenden Technologie zu trennen.

Für Unternehmen, die bereits heute über Werkzeuge verfügen, mit denen sich Applikationen für die unterschiedlichen Systeme, Datenbanken oder User-Interfaces erstellen lassen, bietet sich folgende Möglichkeit: Sie können über einfache Java-Erweiterungen der bisherigen Tools die Client-Server-Applikationen als kostengünstige Internet- oder Intranet-Anwendungen ohne Neuprogrammierung bereitstellen. Sowohl Client-Server- als auch Java-Anwendungen lassen sich so über einen einzigen Programmcode zentral halten und weiterentwickeln, ohne daß eine Neuprogrammierung oder ein zusätzlicher Wartungsaufwand bei Änderungen erforderlich ist. Über die Migration vorhandener Client-Server-Applikationen können so in den entsprechenden Anwendungsbereichen schnell Datenabfragen, Informationsabrufe oder transaktionsorientierte Lösungen für das Internet realisiert werden.

Für die künftige DV-Strategie stellen sich damit fast zwangsläufig zwei Fragen: Sind nicht die schlankeren Modelle für die Unternehmens-DV generell zu bevorzugen? Welche Anwendungsbereiche lassen sich auch innerhalb des Unternehmens mit der neuen Technologie lösen? Die Vorzüge des Web-Client-Modells, etwa der Wegfall der Konfiguration oder geringe Hardwarekosten, sind offensichtlich. Dennoch wird es in der Praxis kaum darum gehen, die vorhandene Client-Server-Architektur komplett abzulösen. Die Frage der geeigneten Implementierung ist vielmehr auf der Anwendungsebene selbst zu entscheiden.

Typische Client-Server-Paradigmen nutzen dabei das ERP-System für analytische Anwendungen, zum Beispiel Budget- oder Forecasting-Applikationen.Hier lassen sich die Informationen über entsprechende Anwendungen, beispielsweise Microsoft Excel, weiterverarbeiten. Diese benötigen eine Windows-95 oder Windows-NT-Umgebung mit Desktop-Tools. Beispiele für den Internet-Typ im Unternehmen sind Workflow-Anwendungen und Display-orientierte Anwendungen, um effizient benötigte Informationen bereitzustellen..

Angeklickt

Viele multinationale Unternehmen arbeiten mittlerweise systematisch an Integration und Verzahnung von Geschäftsprozessen auch über Unternehmensgrenzen hinweg. Dabei rücken Inter- und Intranet immer häufiger ins Blickfeld der Integratoren von unternehmenskritischen ERP-Lösungen. In die Internet-Technik werden erhebliche Erwartungen gesetzt: Beschleunigung der Durchlaufzeiten, Aktivierung von Einsparpotentialen und - vor allem - firmenübergreifende Applikationen.

*Dieter Schnittler-Heusser ist Solution Manager bei der J.D.Edwards Deutschland GmbH in Langen.