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28.02.1997 - 

Neue Internet-Strategie vorgestellt

Java und Intel sollen SCO zum Erfolg verhelfen

Vier Faktoren begünstigen SCO nach Ansicht von Tony Baines, Director of Strategic Marketing, im Zeitalter des netzwerkzentrierten Computings: Die bewährte Stabilität von Unix-Servern für unternehmenskritische Anwendungen, die steigende Anzahl plattformunabhängiger Java-Programme, Intels Erfolg im Prozessormarkt und die Ausdifferenzierung bei Clients. Der kalifornische Hersteller ließ sich seine Internet-Strategie, die auf diesen vier Säulen ruht, unter der Bezeichnung "Internet Way of Computing" als Trademark eintragen.

SCOs Ehrgeiz bestand in der Vergangenheit vor allem darin, das eigene Unix durch Windows-Mimikry als PC-freundliches System für Datei- und Druckdienste zu vermarkten. Im LAN-Umfeld ging es darum, Systemverwalter von der Unix-Administration des "SCO Open Server" abzuschirmen: Dessen Ruf als kompliziertes System könnte sich verkaufsschädigend auswirken. SCO wartet daher mit einer ganzen Reihe von Windows-basierten Verwaltungs-Tools auf, die im letzten Jahr vorgestellte SMB-Implementierung "Vision FS" macht spezielle Client-Software für den Zugriff auf SCO Open Server und SCO Unixware unnötig.

Im Rahmen des netzwerkzentrierten Computings besinnt sich SCO nun wieder stärker auf die Unix-Tugenden. Der Boom des Internet, dessen Technologien zum größten Teil aus dem Unix-Umfeld stammen, brachte eine deutliche Imageverbesserung für das Betriebssystem. Über 80 Prozent aller Web-Server laufen unter einer Unix-Variante. Entsprechend verweist SCO nun darauf, als Unix-Company immer schon auf der Seite der offenen Internet-Standards gestanden zu sein.

Auch beim Senkrechtstarter in Sachen Internet-Technologie, der Programmiersprache Java, vergißt Baines nicht, an dessen Ursprünge in der Unix-Welt zu erinnern. Java mit seiner Plattformunabhängigkeit wird zum Hoffnungsträger, wenn es um die Rolle von SCO als Anbieter von Applikations-Servern geht. In diesem Bereich schickt sich Microsoft an, die Windows-Entwickler für NT zu mobilisieren. Ist Java in der Lage, auf Kosten des Win-32-API die Gunst der Programmierer zu erringen, dann profitiert auch SCO davon. Die Santa Cruz Operation plant nämlich die Integration von Java-Kompatibilität in alle ihre Produkte. Unter anderem enthält das "Gemini Development Kit" Suns "Java Development Kit" und eine virtuelle Maschine für Java. Gemini ist der Codename des Open-Server- und Unixware-Nachfolgers. Im Gegensatz zu Sun Microsystems, das dem Internet-Modell maßgeblich zum Durchbruch verhalf, setzt SCO bei der Hardware auf Intel.

Darin sieht der Anbieter von Open Server einen Vorteil gegenüber der Workstation-Konkurrenz, weil mit der Intel-Plattform preisgünstige Standardhardware zur Verfügung steht. Die hohen Stückzahlen von Intel-Prozessoren und der daraus resultierende De-facto-Standard verdanken sich freilich der engen Kooperation mit Microsoft. Widersprüchlich an dieser Strategie erscheint, daß SCO einerseits auf den Erfolg von Technologien wie Java hofft, die die Wintel-Allianz schwächen sollen, und sich andererseits Konkurrenzvorteile durch Hardware erwartet, die dem Erfolg von Wintel entspringen.

Für die vierte Komponente des Internet Way of Computing, die Unterstützung heterogener Clients, sieht sich SCO dank Server- und Client-Software gerüstet. Ein DV-Modell, bei dem leistungsfähige Server eine große Zahl überwiegend schlanker Clients bedienen, begünstigt nach Meinung von Baines Unix. Im Vergleich zu Windows NT sei es nämlich robuster und besser skalierbar. Auf der Server-Seite arbeitet SCO zudem unter dem Codenamen "Tarantella" an einer umfangreichen Emulationssoftware, die unterschiedlichste Clients bedienen kann. Diese müssen sich nur darin gleichen, daß sie eine virtuelle Maschine für Java besitzen. Tarantella fungiert als Mittler zwischen diversen Applikations-Servern und Clients, die sich mit Hilfe von Java-Applets auf die Visualisierung von Mainframe-, X-Window-, Motif- oder Windows-Anwendungen beschränken.

Client-seitig kündigte SCO bereits letztes Jahr ein NC-Betriebssystem an, das auf Unix basieren wird. Es soll wie die Server-Software nur für Intel-Rechner angeboten werden. Diese Entscheidung könnte die konsequente Java-Ausrichtung von SCO, unter anderem mit Tarantella, behindern: Auf Intel-Maschinen muß Java-Code von einer virtuellen Maschine interpretiert werden, während die von Sun angekündigten, preisgünstigen Java-Chips Applets ohne bremsende Softwareschicht direkt ausführen können.