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30.07.1999 - 

Der ERP-Markt konsolidiert sich

JBA findet bei Geac einen sicheren Hafen

MÜNCHEN (bs) - Für 136 Millionen Dollar möchte der kanadische Softwarekonzern Geac Computer Corp. Ltd. den Anbieter von Enterprise-Resource-Planning-(ERP-)Software JBA Plc. kaufen. Durch den Zusammenschluß würde einer der größten Anbieter von Standardsoftware weltweit entstehen.

Das Sterben der unabhängigen ERP-Softwarehäuser ist in vollem Gange: Vor wenigen Wochen hat sich beispielsweise Marcam Inc., ein Anbieter von Software für die Prozeßindustrie, für knapp 60 Millionen Dollar in die Firmengruppe der Invensys Plc. eingliedern lassen. Auch das hierzulande alteingesessene Softwarehaus Integral Datentechnik GmbH wird geschluckt. Der Lieferant des veralteten PPS-Systems "Indios" soll zu 100 Prozent von der Berliner Psipenta GmbH übernommen werden (siehe Seite 6). Die Gründe für die Merger sind identisch: Beide Anbieter brauchten einen potenten Partner, um die Produktentwicklung voranzutreiben oder neue Web-fähige Lösungen zu bauen.

Mit JBA gibt jetzt ein weiterer ERP-Hersteller seine Unabhängigkeit auf. In Fachkreisen kursierten schon seit Monaten Übernahmegerüchte (siehe CW 9/99, "Steht JBA zum Verkauf?").

Die Zustimmung der Aktionäre steht noch aus

Die Vorstände von Geac und JBA seien sich bereits handelseinig, teilte Walter Königseder, seit Anfang Juli neuer Geschäftsführer von JBA Deutschland, Schweiz und Österreich, der CW mit. Das Jawort von rund 90 Prozent der Aktionäre stehe allerdings noch aus. Er nimmt aber an, daß sie dem Deal zustimmen. Geac bietet den JBA-Anteilseignern 2,50 Pfund pro Aktie an, die derzeit bei etwa 2,48 Pfund tendiert.

Durch den Merger entsteht ein Multi mit rund 7000 Mitarbeitern und einem Gesamtumsatz von fast 900 Millionen Dollar. Damit gehört das "neue" Softwarehaus, in dem JBA als eigenständige ERP-Division bestehen soll, zu den fünf größten Anbietern von Enterprise-Lösungen weltweit. Überraschend ist allerdings der geringe Kaufpreis von 136 Millionen Dollar angesichts des Umsatzes von 330 Millionen von JBA im Jahr 1998: "Der innere Wert unserer Firma mag zwar höher sein, aber der Aktienkurs gibt zur Zeit nicht mehr her", konstatiert Hanns-Christian Palka, zuständig für Marketing und Kommunikation bei JBA.

"Beide Unternehmen müssen kräftig in die Hände spucken, um auch die Nummer fünf zu bleiben", sagt Helmuth Gümbel, Analyst von Strategy Partners aus München. Die Produkte und Märkte beider Firmen ergänzten sich zwar gut, doch seien speziell Geacs Lösungen veraltet. Und auch JBA könne mit der aktuellen ERP-Software "System 21" keine großen Erfolge vorweisen. Gümbel: "Nach dem Merger müssen anstelle der Buchhalter die Visionäre ans Ruder." Konkret: Beide Unternehmen sollten sich auf die Entwicklung zukunftsträchtiger Internet-basierter Produkte konzentrieren.

Geac mit Hauptsitz in Markham, Ontario, wurde 1971 gegründet und ist für die Strategie bekannt, mittels Akquisitionen zu wachsen: Den bislang größten Coup landete der Konzern Ende 1996, als er den Finanzsoftwarespezialisten Dun & Bradstreet Software (D&B) für 150 Millionen Dollar schluckte.

Einkaufstouren sind Geacs Spezialität

Als Gemischtwarenhändler bietet Geac Anwendungen für größere und mittlere Dienstleistungsbetriebe. Dazu gehören Bibliotheken, Hotels, das Baugewerbe, Restaurantketten, Verlage sowie Gebäude- und Grundstücksverwaltungen. 65 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet der Multi in den USA. Zu den stärksten Märkten in Europa, wo insgesamt rund 120 Millionen Mark eingenommen werden, gehören Großbritannien, Frankreich und die Beneluxstaaten. In Deutschland verfügt Geac bislang über keine Niederlassung.

Das soll sich durch die JBA-Übernahme ändern. Die Briten, die rund 70 Prozent ihres Umsatzes in Europa erzielen, sind gerade hierzulande stark vertreten: "Geac hat durch die Übernahmen von JBA Chancen, auch in Deutschland Fuß zu fassen", erklärt Jean-Christian Jung, Analyst von Pierre Audoin Conseil in München. Die Briten verfügen nach dem Kauf von Ratioplan im September 1995 über mehrere Dutzend Consultants hierzulande. Auch im Produktangebot gebe es wenig Überschneidungen. Während Geac im wesentlichen Finanz- und Personalsoftware zur Verfügung stellt, liefert JBA Lösungen für Logistik- und Produktionsunternehmen und hat sich auf die Textil-, Nahrungsmittel- und Kfz-Zulieferindustrie ausgerichtet.

"Ob es Entlassungen und Umstrukturierungen geben wird, kann erst in sechs bis acht Wochen beantwortet werden", erklärte JBA-Mann Königseder. So lange soll es bis zur Vertragsunterzeichnung noch dauern.