Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

22.08.1975 - 

Datev-Terminals machen Appetit

Jede Steuerkanzlei ein MDT-Rechenzentrum?

NÜRNBERG - Die Datev eG, Nürnberg, berufsständische DV-Zweck-Genossenschaft der Steuerberater mit 58 Millionen Mark umsatzstärkstes und größtes deutsches Service-Rechenzentrum, wünschte den friedlichen Dialog. Doch mit der 1974 erklärten Parole: "Intelligente Terminals ins Steuerberaterbüro - DFÜ zur Datev", um die in vielen Jahren eingefahrenen Methoden der "Datenfernverarbeitung per Postpaket" zu modernisieren, kam der Ärger. Einige Genossen haben offenbar die Parole mißverstanden. Mit dem intelligenten Terminal aus MDT-Familien im Hause wuchs der Wunsch, nicht nur Datenerfassung, sondern auch Datenverarbeitung zu treiben. Schlimmer noch: Es gibt auch Genossen, die den Draht nach Nürnberg, ehe er geschaltet wird, gleich vollends durchschneiden wollen.

Genügt der Datev-Service?

Steuerberater Ludwig Limmer, München: "Der Datev-Service genügt nicht. Ich habe mir eine Kienzle 6100 zugelegt, um auch in der Datenverarbeitung selbständig und flexibler zu sein."

Zunächst will Limmer allerdings - schon aus Sicherheitsgründen in der Übergangszeit - der Datev treu bleiben. Die Grundsatzentscheidung ist jedoch getroffen.

"Das ist doch ganz simpel", sagt Steuerberater Limmer, "ich zahle an die Datev

jährlich bis zu 55 000,- Mark Gebühren. Meine eigene Anlage kostet etwa ebensoviel, aber ich laste sie nur zu einem Drittel aus. Da wächst mir noch viel Geschäft ins Haus. Vor allem, ich bin nicht nur eine Nummer bei Datev".

Ludwig Limmer hat, bei über 10 000 Datev-Genossen, die Mitgliedsnummer 7920.

1000 sind online-willig

Doch er ist eine Ausnahme. Der Regelfall sind jene bisher etwa 1000 Genossen, die zur Zeit die per Auftrag erklärte Absicht haben, ein Terminal zu installieren und mit der Datev in Dialog zu treten. Etwa in 250 Fällen ist die Neuorganisation bereits realisiert.

Doch auch hier die Tendenz, im eigenen Hause mehr zu tun, als der Datev lieb sein kann:

Ein Beispiel: Im Herbst letzten Jahres installierte die Dr. Stellwaag + Partner GmbH, Steuerberater in Ludwigsburg, eine TA 1000/D (das D steht für Datev) von Triumph-Adler. Die auf Magnetbandkassette erfaßten Daten aus den Mandanten-Buchhaltungen werden nachts über Wählleitung nach Nürnberg übertragen, die Auswertungen kommen auf dem gleichen Wege zurück. Außerdem ist im echten Dialogverkehr der Zugriff auf die Datev-Steuerrechts-Datenbank möglich.

Kostenvorteile der Arbeitsteilung

Aber Prokurist Dieter Barz will mehr: "Wir werden aber Honorarabrechnungen, Bilanzen und andere kanzleispezifischen Aufgaben direkt im Hause ausführen - auf der TA 1000."

Diese Arbeitsteilung bringt Kostenvorteile. Im Beispiel Ludwigsburg ergab die gefundene Lösung 55 Prozent Einsparung gegenüber einer kompletten internen Verarbeitung.

Doch mit den sogenannten Datev-Terminals könnte man auch mehr machen - und einige Steuerberater werden das tun. 1974 hatte die Datev drei Modelle, Olivetti A5, Logabax 4200 und TA 1000, als dialoggeeignet abgesegnet und den Genossen anempfohlen.

Zumindest bei Logabax und Triumph-Adler handelt es sich um ausbaufähige MDT-Systeme auch für Direktverarbeitung. Die Grundkonfigurationen, die alle im Preis um zirka 28 000 Mark herum liegen, sind ja nur die "Einstiegsluken".

Terminalsysteme anderer MTD-Hersteller, vorwiegend Kienzle, Nixdorf, Philips und Wang sind ebenfalls bereits zu Dutzenden in Steuerberaterbüros zu finden. Allerdings noch offline - der DFÜ-Gesprächspartner Datev verweigert vorerst noch den Dialog mit diesen Außenseitern.

Kein Spielzeug für Genossen

Die Datev möchte ihre Genossen mit Verselbständigungs-Tendenzen im Zaume halten. Sie warnt vor "teurem Prestige-Spielzeug" wie Datev-Pressesprecher C. A. Freiherr von Thüna das formuliert. Andererseits sieht man das Problem, daß die große Datev noch mehr Service bieten muß, um individuellen Wünschen der kleinen Genossen entgegenkommen zu können. Ein Hirtenbrief an die Genossen ist in Vorbereitung. Tenor: Arbeitsteilung ist besser als Ehescheidung. Terminals und "kanzleispezifische" Direktverarbeitung beim Steuerberater ja, aber keine für beide Teile riskante Autonomie.

Triumph-Adler zum Beispiel unterstützt diese Politik, Olivetti bietet auch über das Terminal A5 hinausgehende Lösungen an, und Logabax legt sich nicht fest. Allen anderen MDT-Herstellern zählt ein abspenstig gemachter Datev-Genosse als Prestige-Erfolg.

Mehr EDV nutzbar machen

Datev-Chef Heinz Sebiger sieht die Entwicklung kritisch, aber optimistisch. "Das Prinzip der Arbeitsteilung zwischen uns und den Steuerberatern hat sich bewährt und bleibt. Wir fördern alles, was unseren Genossen noch mehr EDV nutzbar macht."

Einen Exodus der Genossen sieht er nicht auf sich zukommen, wohl aber die Aufgabe, noch intensiver Mitglieder-Beratung zu treiben: "Unsere Testreports beraten objektiv, welche Methoden in Frage kommen, wann der Einsatz richtig ist, welche Kosten entstehen welche Ergebnisse zu erwarten sind. Das regt dann zum Nachdenken an."