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24.10.1980

Jeder Bürger sollte mit Datenverarbeitung vertraut gemacht werden

Datenverarbeitung im weitesten Sinne wird dank der immer billiger und leistungsfähiger werdenden Hardware und der zunehmenden Benutzerfreundlichkeit etwas Selbstverständliches und für immer mehr Arbeitsplätze zugänglich.

Die heutige Situation ist deshalb gekennzeichnet von folgender außerordentlicher Problembündelung:

Während das Schulsystem noch weitgehend mit veralteten Curricula arbeitet, hat in Büro und Verwaltung das "Computerzeitalter" voll eingesetzt. Hiervon ist die Mehrzahl der dort Tätigen als Benutzer betroffen, was völlig neue Wege und Methoden der Bildung erfordert.

Es ist erstaunlich, wie wenig Wirkung die Empfehlungen des Ad-hoc-Ausschusses des Bundesministeriums für Forschung und Technologie (BMFT) vom Dezember 1975 für den Ausbau der DV-Ausbildung gehabt haben. Die ganze heutige Misere wurde damals, basierend auf den Daten von 1973, vorausgesagt und Wege für ihre Bewältigung aufgezeigt.

Was sollte geschehen, um diesen Problemberg abzubauen?

DV ohne Nimbus

Ich meine, daß dies nur durch eine umfassende Neuorientierung des Bildungssystem möglich ist die die Datenverarbeitung aus dem Geruch des Speziellen, nur wenigen Fachleuten Zugänglichen herausführt. Es genügt nicht, nur den jeweilig betroffenen Benutzer vorzubereiten. Selbst in Brüssel bei der EG ist dies erkannt und erste Initiativen ergriffen worden.

Jeder Bürger sollte mit den Grundzügen der Datenverarbeitung bereits im allgemeinbildenden Schulbereich vertraut gemacht werden. Dies kann nur in Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Schule geschehen:

þDie Wirtschaft muß definieren, was sie von Schulabgängern, insbesondere Abiturienten, erwartet Solche Anforderungsprofile sind erarbeitet worden und kürzlich von einem Arbeitskreis "Gymnasium-Wirtschaft" vorgestellt worden.

Dabei geht es nicht nur um eine Bestimmung des erwarteten "Out puts" der Schulen, sondern auch um Hilfen der Wirtschaft beim "lnput", insbesondere durch Orientierungshilfen für Schüler und Lehrer:

þBerufsvorbereitender Unterricht ist nur möglich, wenn die Lehrer immer wieder Gelegenheit haben, die Berufswirklichkeit zu erleben. Daher bietet die Wirtschaft Betriebspraktika und Patenschaften an. Der Kontakt zwischen Lehrer und Betrieb sollte andauern, da die gewonnenen Einsichten und Erkenntnisse ständig aktualisiert werden müssen.

þDie Möglichkeiten zu Vorträgen und Seminaren von Vertretern der Wirtschaft für Lehrerkollegien und in Lehrerfortbildungsstätten sollten intensiv genutzt werden.

þDer Schulunterricht wird realitätsbezogener durch den Einsatz von Anschauungsmaterial aus der Praxis der Wirtschaft. In der Regel sind die Betriebe bereit, solches Material zur Verfügung zu stellen. Ebenso könnten in den Ausbildungsbetrieben der Wirtschaft erprobte Fallbeispiele, Lehrmodelle und ähnliches sicher auch in den Schulen verwendet werden.

þDer Veranschaulichung für den Schüler können auch Ferienarbeiten und Betriebserkundungen dienen, beispielsweise Führungen in Rechenzentren oder kommunikationstechnisch gut ausgerüsteten Büros.

Im Prinzip gilt dies Vorgehen auch für den Fach- und Hochschulbereich. Nur durch ständige Orientierung der Lehrpläne an der Praxis und durch Nutzung jeden Kontaktes zwischen Lehre und Wirtschaft kann zum Beispiel das Fach Betriebs-lnformatik bedarfsgerecht gestaltet werden. Dabei geht es nicht um das Erwerben von Spezialkenntnissen, sondern um eine solide Grundbildung, auf der die Wirtschaft ihre speziellen Anforderungen aufbauen kann. Ein guter Weg ist es, wenn die Wirtschaft Lehrbeauftragte stellt, die ihr aktuelles Know-how einbringen. Bewährt haben sich auch sogenannte Werkstudentenprogramme, wie sie verschiedene Unternehmen anbieten.

Ein guter Weg ist auch der zu dem neuen Volkshochschul-Zertifikat "lnformatik"; die VHS vermittelt in 120 Stunden ein solides Grundwissen. Grundkenntnisse der Organisation, Datenverarbeitung und Kommunikationstechnik sollten auch bereits in der Berufsausbildung enthalten sein.

Die eigentliche Spezialisierung auf aktuell benötigte Anforderungsprofile geschieht im wesentlichen im Rahmen der Fortbildung. Und hier schafft der technologische Wandel ständig neue Anforderungsprofile.

Wissens-Kreislauf

Ist ein gewisser Reifezustand erreicht, sollte das neue Wissen dann zügig dem übrigen Bildungssystem, also den allgemeinbildenden Schulen, den Berufsschulen und den Fach- und Hochschulen nahegebracht werden.

So ist ein Wissens-Kreislauf erreichbar, der die bekannten institutionell bedingten zeitlichen Schwächen bei der Gestaltung von Lehr- und Ausbildungsplänen und der Entwicklung von Berufsbildern mildem kann, weil es möglich wird, die Bedingungen der sich wandelnden Technologie schnell und wirksam in sie einzuarbeiten.