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20.12.2002 - 

Jahresrückblick/Kommentar

Jeder gegen jeden

Jan-Bernd Meyer Redakteur CW

Wer dieses Jahr das Vergnügen hatte, einen Jahresrückblick zu schreiben, hätte eine Gemütsaufhellung vertragen können. So viel Pleite war nie, so viele Entlassungen auch nicht. Vor allem aber gab es nie (zumindest wissen wir es nicht besser) so viel Betrug und Zynismus in den Management-Etagen.

Alles Gerede über Kundenorientierung, das ganze Gewese um Führungsqualitäten und Verantwortung für Mitarbeiter und Aktionäre - alles das hinterließ den schlechten Beigeschmack der Verlogenheit. Sollte man sich in Zukunft nicht lieber auf die ehrliche Aussage verständigen: In dieser Welt schert sich jeder vor allem um sich und seine Interessen. Und in diesem Zustand versuchen wir uns zu arrangieren. Hat nicht Thomas Hobbes schon 1651 im "Leviathan" geschrieben, der Mensch sei dem Menschen ein Wolf, lebe im Zustand ständigen Kriegs jeder gegen jeden?

Viel hat sich an dieser Einsicht bis auf den heutigen Tag nicht geändert. Das Beispiel der Colt Telecom Plc. aus London belegt den vorherrschenden Zynismus exemplarisch: Trotz eines gesundes Geschäftsmodells, 1,5 Milliarden Euro an flüssigen Mitteln und guten Kunden soll der Glasfaseranbieter in die Pleite gezwungen werden. Und das nur, weil eine Tochter des US-amerikanischen Hedge-Fonds Elliott Associates LP sich Gewinne verspricht, wenn ihre für 120 Millionen Euro weit unter dem Nennwert erworbenen Colt-Anleihen im Falle der Liquidierung des Glasfaseranbieters heute doppelt so viel Bares einbringen würden. Deshalb will Elliott Colt per Gerichtsurteil zwingen, einen Konkursantrag zu stellen. Dass Arbeitsplätze von 5000 Beschäftigten bedroht sind, ist dabei egal.

Hobbes hat übrigens trotz seiner pessimistischen Analyse auch den Zeitgenossen Hugo Grotius bemüht und dessen Begriff der Moralität explizit zur Grundlage für menschliches Zusammenleben erklärt. Wäre doch schön, wenn mancher Industriefürst solch eine Handlungsanweisung auch für sich wiederentdecken würde.