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23.05.1997 - 

PC-Trends/Total Cost of Ownership (TCO) als ausschlaggebendes Kriterium

Jeder heute installierte PC ist ein virtueller NC

Wieder einmal ist die Zeit reif für Veränderungen. Vorbei die dollarschweren Zeiten für Bill Gates und Intel. Vorbei die Zeit der "dicken" Clients, denn schlank ist "in" und paßt zu unserem Lifestyle und vorbei ist alles, was gestern noch gut war. Ein Paradigmenwechsel muß her, und zwar in Form des "Internet Way of Computing". Weniger euphorisch könnte man es auch die NC-Offensive gegen die Windows-Dominanz nennen.

NCA, auch Network Computing Architecture genannt, ist nicht etwa die späte Rache der entmachteten RZ-Leiter, sondern die Offensive einiger Hersteller, die Benutzer von Computern aus den Fängen von Microsoft und Bill Gates zu befreien oder noch drastischer formuliert, wie etwa Oracles von CEO Larry Ellison: "Das Informationszeitalter kann nicht einem Land, einer Firma oder einer Person gehören."

Basisbestandteile der NCA sind NCs (Netzwerk-Computer), auf denen ein NC-OS (NC-Operating System) läuft, ein GUI (Graphical User Interface), ein Internet Navigator und Viewer sowie ein Editor für Java. Außerdem bedient sich diese Architektur eines Anwendungs-/Datenservers - insgesamt nicht unbedingt etwas Neues. Es ist lediglich die Abkehr vom 2-Tier- zum 3-Tier-Client-Server-Computing-Modell, eben nur gewürzt mit neuen Komponenten.

Doch verhält es sich so nicht ganz. NCs sind prinzipiell "dumme" Terminals und werden demnach erst einmal dumme Terminals ersetzen. Allein vom Typ der 3270-Architektur befinden sich angeblich noch 32 Millionen weltweit im Einsatz. Die Benutzer aber, die von einem Terminal auf einen NC umsteigen, werden zu einem vollwertigen Teilnehmer im Netzwerk, in dem ein Web-Browser eine reichhaltige, einfach zu verstehende und bedienende wie auch einheitliche Software-Umgebung erschließt.

Somit könnten NCs auch für Benutzer "einfacher" PCs in firmeninternen Netzen in Frage kommen - als Intranets, die heute bereits zu rund 70 Prozent existieren. Ein Ansatz für neue Aspekte. Wenn man dann noch Marktbeobachtern und Analysten Glauben schenkt, daß nahezu 80 Prozent der PC-Benutzer maximal zehn Prozent der Leistungsfähigkeit ihres Gerätes nutzen, könnte der NC zu einer wirklich veränderten IT-Infrastruktur beitragen.

Die preiswerten und einfach über den Server zu verwaltenden NCs könnten als das Nirwana der DV-Abteilungen angesehen werden. Was den NC so interessant macht, ist die Tatsache, daß, abgesehen vom Web-Browser, alle erforderlichen Geschäftsanwendungen auf dem Server residieren. Das heißt, man geht zurück auf eine Server-zentrierte Architektur. Softwareverwaltung und -aktualisierung auf dem Server verursachen wesentlich geringere Kosten als die zahlreichen, individuell konfigurierten PCs, auch wenn es hierzu MITs (Mass Installation Tools) gibt.

Mit NCs entstehen grundsätzlich neue Anwendungsarchitekturen, die eine Verarbeitung der Anwendungen wieder auf den im Netzwerk verteilten Servern ermöglichen. Doch allein die Verlagerung der Verarbeitungsleistung bei gleicher Prozessorarchitektur führt noch nicht automatisch zu einer Kostenersparnis, da die Rechnerleistung erbracht werden muß - egal ob auf dem Server oder auf dem PC.

Beachtliche Einsparungen lassen sich aber durch die einfachere Verwaltung der Netzcomputer erzielen. Laut Erhebungen von IDC, der Gartner Group und Zona Research belaufen sich die Total Cost of Ownership bei einer in etwa vergleichbaren Installationsgröße und einer Dreijahreserhebung auf etwa 13200 Dollar pro Jahr. Davon entfallen ungefähr 21 Prozent der Aufwendungen auf den Kapitaleinsatz, 27 Prozent auf den technischen Support, neun Prozent auf Administration und 43 Prozent auf sogenannte Endanwender-Operations. Im Vergleich dazu belaufen sich die TCO für ein NC-Environment auf 3300 Dollar jährlich. Dieses Ergebnis hat die Gartner Group in ihrem Monatsbericht vom Oktober 1996 veröffentlicht.

In einem günstigen Umfeld sind bis zu 90 Prozent aller Desktops zu NCs konvertierbar, wobei sich Einsparungen bis zu 75 Prozent in einem sogenannten Enterprise mit "Endanwender-optimierten PCs" erzielten lassen beziehungsweise bis zu 67 Prozent bei Desktops mit einem sogenannten Enterprise-Standard.

Die Einsparungspotentiale ergeben sich zum einen aus den niedrigeren Anschaffungskosten für Hard- und Software. Zum anderen verringert sich die Komplexität: Das Betriebssystem und die ganze Anwendungssoftware residiert auf den zentralen Servern; dort findet auch jegliches Software-Upgrade sowie die Systemadministration statt. Der Vor-Ort-Support und die damit verbundene Infrastruktur reduzieren sich. Ferner braucht der Anwender weniger Selbsthilfe leisten, und Fehler am Desktop können durch einen direkten Systemaustausch sofort behoben werden. Auch die verringerte Anzahl von System-HW/SW-Plattformen und niedrigere Software-Entwicklungskosten entlasten die Budgets. Nicht zuletzt ist die erforderliche Netzwerksicherheit preisgünstiger und weniger komplex.

Die bei Zona Research ermittelten Kostensparpotentiale sind drastisch: In ihrem "Spring 1996"-Report ermittelten die Analysten aus Redwood City Einsparmöglichkeiten bis zu 25 Prozent der Gesamt-PC-Kosten.

Bis zum Jahr 2000 werden laut IDC 233 Millionen "Web Devices" installiert sein, etwa sieben Millionen allein, so Zona Research, im kommerziellen Umfeld. Neben dem eigentlichen NC lassen sich auch tragbare Rechner, digitale Assistenten und Mobiltelefone mit NC-Software ausstatten. Prinzipiell kann jeder installierte PC am Netzwerk zum virtuellen NC umfunktioniert werden.

Sobald auf einem PC ein Java-kompatibler Browser wie der Netscape Navigator oder Microsofts Explorer läuft, erfüllt er die NC-Spezifikation. Natürlich ist der PC auch weiterhin in seiner ursprünglichen Funktion zu nutzen und kann als Plattform für alle bevorzugten Produktivitätswerkzeuge dienen. Die Server- basierten Anwendungen stehen mit Hilfe von Java sowohl für Windows-PCs als auch für NCs zur Verfügung. Darüber hinaus gilt dies natürlich für jedes andere System, auf dem Java-kompatible Browser laufen, beispielsweise Apple Macintosh, Unix-Workstations und OS/2-Plattformen.

Auch darf Suns "100-Prozent-Pure- Java"-Inititative nicht unerwähnt bleiben, ebenso Microsofts Versuch, ein proprietäres Java für Windows zu kreieren.

Im vergangenen Jahr wurden etwa 76 Millionen PCs ausgeliefert. Die Gesamtzahl installierter PCs beläuft sich weltweit auf rund 500 Millionen Geräte. Davon basieren ungefähr 25 Prozent auf der 286/386-Technologie (80 Prozent entfallen auf 386er Rechner). Weltweit sind somit etwa 100 Millionen 386er PCs im Einsatz. Geht man nun davon aus, daß 50 Prozent davon kommerziell genutzt werden und nicht auf Windows 95, "Memphis" oder Windows 97/98 aufrüstbar sind, ergibt sich allein daraus ein gigantisches Einspar- beziehungsweise Investitionspotential.

Mit Sicherheit wird nicht aus jedem PC ein NC - im Gegenteil. Noch läßt es sich nicht vorhersagen, ob NCs in den PC-Markt vordringen, sicher ist jedoch, daß die beiden Systemtypen künftig nebeneinander existieren. Viele Windows-Benutzer benötigen entsprechende Produktivitätswerkzeuge, um effizient arbeiten zu können. Für andere jedoch wird der NC die folgerichtige und kostengünstige Alternative darstellen. Auf alle Fälle wird er Einzug in firmeninterne Netzwerke halten, die angeblich bis zum Jahr 2000 zu über 90 Prozent "web enabled" sind.

Die Geduld der Anwender nicht überstrapazieren

Die Unternehmen können nun wählen, mit welchem System sie die Arbeitsplätze ihrer Mitarbeiter ausstatten: mit Windows-PCs und den bekannten Werkzeugen für den sogenannten "Power-User" oder mit NCs, die mit ihrer grafischen Benutzeroberfläche eine Alternative zum reinen Terminal oder Arbeitsplatz-PC in der Buchhaltung, der Administration, dem Lagerwesen darstellen.

Eines sollte man bei all den Überlegungen nicht überstrapazieren: die Geduld der Anwender. Man verfolge nur die rapide wechselnden Upgrades, die Innovationszyklen, die mittlerweile selbst die Musikbranche in den Schatten stellen - und immer wieder neue Trends. Dabei hat der Anwender nur einen Wunsch: Er möchte eine Informationstechnologie, die seine Geschäftsabläufe unterstützt, ihm mit innovativen Produktideen einen Wettbewerbsvorteil sichert, die ihm einfach nur hilft, seinen Job zu verrichten. Auch wenn wir vom Marketing es immer gerne ein wenig anders hätten.

Hintergrund

Während noch mancher DV-Verantwortliche von der schönen alten Zeit, der Ära der Mainframes, schwärmte, wurde eine erste Revolution durch das Client-Server-Computing eingeläutet. Die Begründung lag auf der Hand: Mainframes waren teuer, kompliziert beziehungsweise komplex und eben deshalb unflexibel. Wollten die Unternehmen Neues erreichen und schnell auf Kundenwünsche reagieren, mußten sich eher die Firmenstrukturen ändern als die IT.

Mit Entwicklung und Einführung der Abteilungsrechner, also des Client-Server-Computing, zu Beginn der 90er Jahre hat sich dieses Bild grundsätzlich geändert. "Time-to-Market" wurde zum Schlüsselbegriff.

Die Branche versprach sich Flexibilität, mehr Offenheit, Information mit Innovation, vor allem aber Kostenersparnis in den Rechenzentren. Letzteres zumindest trat dann auch ein. Von nun an wurden zwar weit höhere Kosten als vorher generiert, nur eben nicht mehr zentral in den heiligen Hallen der IT-Verantwortlichen, sondern vielmehr in den Fachabteilungen. Systemadministration fand nun größtenteils dezentral statt, und die Fachabteilung mauserte sich im Laufe der Zeit zur IT-Abteilung mit "Fachwissen".

ANGEKLICKT

"Zurück zum dummen Terminal" - auf diesen Nenner könnte man den ersten Schritt weg aus der großen, aber teuren Freiheit der scheinbar emanzipierten PC-Nutzer bringen. Doch blieb das Terminal von einst den häufig nur mit Routine-Aufgaben betrauten Usern vorbehalten. Anders der Netzcomputer (NC): Er soll als schlanke Netzkomponente, getreu dem Motto "Das Netz ist der Computer", die Vorteile intelligenter Lösungen mit kostengünstigem Equipment und pflegeleichtem Netzwerk-Management verbinden. So sehen es jedenfalls die Verfechter des NCs.

*Wolfgang Ehrenthaler ist Marketing-Manager Zentraleuropa und Unternehmenssprecher der SCO Deutschland GmbH in Bad Homburg.