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11.10.1991

"Jeder Manager muß seinen Nachfolger selbst suchen!!

Für die CW sprach Walter Föhré mit EDS-Direktor Michael Nebauer**

CW: Herr Nebauer, Sie sind seit 1990 vor allem für die EDS-Aktivitäten bei Kunden verantwortlich, die nicht zum General-Motors-Konzern (GM) gehören. Beschreiben Sie bitte kurz Leitbild und Wertesystem Ihres Unternehmens.

Nebauer: Wir wollen weltweit das führende Dienstleistungsunternehmen im Bereich der Informationsverarbeitung sein. Dabei konzentrieren wir uns auf regional interessante Marktsegmente und versuchen, unseren Kunden zu mehr Markterfolg zu verhelfen. Der daraus resultierende Erfolg macht uns zu einem Arbeitgeber, der hervorragende Karrieremöglichkeiten bietet.

CW: Was will EDS in den kommenden fünf Jahren in Deutschland erreichen?

Nebauer: In den Jahren 1987 bis heute hat EDS Deutschland den Non-GM-Anteil des Geschäftes um jeweils zirka 100 Prozent gesteigert. Dieses starke Wachstum steht im Zusammenhang mit den Bestrebungen, zu einer Balance zwischen GM- und Non-GM-Geschäft zu kommen. Diese Balance ist, weltweit gesehen, heute erreicht.

In den nächsten Jahren wer den wir weiterhin unsere Priorität auf den Ausbau des Non GM-Geschäftes legen und unser Leistungsangebot in dieser Richtung ausbauen.

CW: Beschreiben Sie bitte Ihrer Karriereweg innerhalb EDS.

Nebauer: Zu EDS kam ich 1985 als Supervisor Accounting. 1987 wurde ich dann Finanzdirektor für EDS Deutschland, Österreich und die Schweiz. Ich möchte allerdings hinzufügen, daß ich mich schon damals stark zur DV hin orientiert habe und wesentlich am Abschluß von Neugeschäften beteiligt war. Auswirkungen finanzpolitischer Entscheidungen auf den Geschäftserfolg als ganzes habe ich schon immer in besonderem Maße gesehen.

CW: Als diplomierter Maschinenbau- und Diplom-Wirtschaftsingenieur sind Sie kein Spezialist für Informationsverarbeitung. Ist dies vorteilhaft oder nachteilig?

Nebauer: Zum Maschinenbau-Studium kam ich, weil mein Vater meine Motorradbegeisterung nutzte, um mich entsprechend zu motivieren.

Das Studium war für meinen Geschmack zu langweilig. Deswegen wählte ich einen zweiten wirtschaftsorientierten Studiengang zusätzlich. Ich vermisse ein DV spezifisches Studium nicht, da ich keinen Spezialistenberuf ausübe, sondern in erster Linie

das Geschäft verstehen muß und Kommunikation mit Mitarbeitern und Kunden losgelöst vom Detail betreibe.

Es kommt hinzu, daß meine Gesprächspartner auf der Kundenseite mehr und mehr Finanzvorstände sind, die dem Mythos DV kritisch gegenüberstehen. Sie sehen die Informationsverarbeitung als einen Produktionsfaktor von vielen, der zwar entscheidend sein kann, aber vorwiegend unter Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten betrachtet werden muß.

Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, daß sich die DV so rasant entwickelt, daß das im Studium erworbene Wissen schnell veraltet. DV-Grundverständnis und ständige Lernbereitschaft sind die besten Voraussetzungen, um in der DV voranzukommen.

CW: Setzen Sie bei der Auswahl Ihrer Mitarbeiter auf Hochschulabsolventen, oder bevorzugen Sie erfahrene Praktiker?

Nebauer: Unsere Welt, also auch die DV, wird zunehmend komplexer. Daher ist ein Hochschulabschluß eine gute Voraussetzung für den Einstieg bei EDS.

Besonderes Interesse besteht an Mitarbeitern, die zwei Voraussetzungen mitbringen: DV-Sachverstand und die Beherrschung eines Anwendungsgebietes. Letzterem kommt immer mehr Bedeutung zu. Unsere Kunden sind lösungsbezogen und denken problemorientiert. Natürlich bedarf es zur Umsetzung von Kundenwünschen einer soliden Wissensgrundlage auch auf der Informatik-Seite. Dieses Wissen intern anzutrainieren ist das kleinere Problem. Ich kann nur betonen: Anwendungs-Know-how wird in der DV immer wichtiger.

CW: Welche persönlichen und charakterlichen Eigenschaften sind bei der Auswahl von EDS-Managern ausschlaggebend?

Nebauer: Als erste Voraussetzung möchte ich Integrität nennen: Ein Manager braucht fachliche und persönliche Autorität, die er nur über Kompetenz erwerben kann.

Als zweite Eigenschaft kommt ein hohes Maß an Flexibilität hinzu; es kommt vor, daß wir alle 30 Minuten die Zimmer wechseln und gewissermaßen Multiprocessing betreiben, um wichtige Ziele gleichzeitig zu verfolgen und voranzubringen. Hierbei ist hoher Energieeinsatz, volle Konzentration und blitzschnelle Umstellung auf unterschiedliche Themen und Menschen nötig.

Such die Fähigkeit, Katalysator und Moderator zu sein, ist für den Manager unerläßlich. Außerdem muß er kreative Ideen und Lösungskonzepte, das heißt ungewöhnliche Ideen, haben und in der Lage sein, seine Crew zu motivieren, zu begeistern.

CW: Motivieren Sie Mitarbeiter auch über leistungsabhängige Gehaltskomponenten?

Nebauer: Wir haben für alle Mitarbeiter variable Gehaltskomponenten eingeführt. Leistung soll sich lohnen. Im Mittelpunkt steht dabei ein internes Bonusprogramm, das besondere Spitzenleistungen anerkennt.

Dies geschieht in Form von materiellen Anerkennungen, die von den Personalvorgesetzten in Form eines Bonus oder eines persönlichen Geschenks überreicht werden.

CW: Was unternimmt EDS, um Talente zu entwickeln?

Nebauer: Wir unterscheiden drei Förderprogramme. Da ist zunächst Leadership 2000, ein Programm, das junge und begabte Nachwuchskräfte für etwa neun Monate vom Tagesgeschäft freistellt und über Trainingskurse, die Mitwirkung an ausgewählten Projekten und

strategischen Aufgabenstellungen an Management-Aufgaben heranführt. Einmal im Jahr schlägt das Top-Management Kandidaten für Leadership 2000 vor.

Außerdem ist jeder Manager verpflichtet, so schnell wie möglich seinen Nachfolger aufzubauen. Wir wollen damit erreichen, daß Flexibilität im Management und Förderung des Nachwuchses Hand in Hand gehen.

Als drittes gibt es die Assistentenzeit, in der junge Talente für eine Zeitspanne von sechs bis zwölf Monaten einem Mitglied der Geschäftsleitung zur Seite gestellt werden.

Sie lernen dabei die vielfältigen Aufgaben im Management kennen und erweitern ihren Horizontum wesentliche Aspekte. Auch die Mitwirkung in wichtigen Meetings gehört zu diesem Programm.

CW: Wie würden Sie den Führungsstil bei EDS kennzeichnen?

Nebauer: Ich würde ihn als partnerschaftlich bezeichnen. Dies bedeutet daß auf der eine Seite die Leistungsanforderung auf der anderen Seite die Bereitschaft zur gegenseitigen Hilfe im Sinne eines Miteinander, eines Coaching, vorhanden ist. Wir gehen hier offen und sehr direkt miteinander um.

Natürlich gibt es eine Hierarchie als Organisationsmuster. Aber immer dann, wenn Expertenwissen gebraucht wird vergessen wir die Hierarchie und suchen Kontakt mit Mitarbeitern die uns in der konkreten Situation am besten helfen können.

CW: Wie hoch ist das Durchschnittsalter der ersten und zweiten Führungsebene?

Nebauer: In der ersten Führungsebene 44, in der zweiten 42 Jahre.

CW: In welchen Funktionsbereichen sehen Sie heute und in Zukunft den größten Personalbedarf?

Nebauer: Wir suchen Mitarbeiter mit einem anwendungsbezogenen Studium dies kann technisch wie wirtschaftswissenschaftlich orientiert sein. Daneben ist eine Informatikausprägung während des Studiums oder durch anderweitige Betätigung in der Informationsverarbeitung wünschenswert. Anwendungsorientierte Wirtschaftsinformatiker haben sich bei uns sehr gut bewährt.

Übrigens machen wir keinen generellen Unterschied zwischen Fachhochschul- und Universitätsabgängern; nach spätestens zwei Jahren haben sich eventuell bestehende QuaIifikationsunterschiede nivelIiert.

CW: Wie bewerten Sie internationale Erfahrungen? Kommt der Europa-Manager?

Nebauer: Ich denke daß der Welt-Manager oder multikulturelle Manager verstärkt gefragt sein wird. Wir sind längst über das Stadium des Country-zu-Country-Business hinausgewachsen und auch Europa kann nach meiner Einschätzung nicht isoliert betrachtet werden. Auslandserfahrungen sind von zentraler Bedeutung. Durch unsere weltumspannenden Aktivitäten haben wir bei EDS besonders gute Möglichkeiten Erfahrungen und Vorsprung zu sammeln.

*Walter Föhr ist geschäftsführender Gesellschafter der Bark & Partner GmbH Personalberatung, Wiesbaden.

**Michael Nebauer ist diplomierte Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur und als Direktor Non-GM-Accounts bei EDS, Deutschland, für 90 Millionen Mark Jahresumsatz verantwortlich, die im wesentlichen mit Kunden wie Hoechst, Porsche, KHD, Morgan Stanley,

BASF und Schering erwirtschaftet werden. Sein Bereich umfaßt 300 Mitarbeiter.