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23.03.1979 - 

Betriebsdatenerfassung bei der LuK Lamellen und Kupplungsbau GmbH, BühlBaden:

"Jeder soll seine Meldungen selbst eingeben"

BÜHL - Die Firma LuK Lamellen und Kupplungsbau GmbH in 7580 Bühl/Baden besteht seit 13 Jahren. Sie baut Kupplungen und Kupplungsscheiben für nahezu alle Fahrzeugtypen. Der Produktionsausstoß liegt bei 2,2 Millionen Kupplungen und 2,5 Millionen Kupplungsscheiben pro Jahr. Sie gehört der Schaeffler-Gruppe(INA-Nadellager) in Herzogenaurach an, hat aber selbst inzwischen

an eigene Tochterunternehmen im In- und Ausland.

Das Werk Bühl beschäftigt 800 Mitarbeiter; davon sind 600 Arbeiterinnen und Arbeiter (Lohnempfänger) und 200 Angestellte. Im Lohnbereich kennt man alle Formen der Bezahlung - vom Zeitlohn über den Einzel- und Gruppenakkord bis zur Mehrmaschinenbedienung, dazu noch Ein-, Zwei- und Drei-Schicht-Betrieb. Außerdem hat LuK im Gehaltsbereich und in verschiedenen Lohnbereichen die gleitende Arbeitszeit eingeführt. Entsprechend umfangreich ist daher die Erfassung dieser einzelnen Werte.

Im Jahre 1975 wurde im Hause LuK ein Projektteam gebildet, das zusammen mit der Firma PCS Periphere Computer Systeme GmbH in München ein Sollkonzept, und daraus später ein Pflichtenheft für eine neue Betriebsdatenerfassung erarbeitete. Alle betroffenen Fachabteilungen, einschließlich Fertigung und Betriebsrat, wurden von Anfang an dem

Projekt beteiligt. Der Grundsatz war: Bei der Erfassung soll jeder Arbeitnehmer seine Meldungen selbst abgeben können. Dazu mußten folgende Eingabemöglichkeiten geschaffen werden:

- Kommt/Geht-Zeiten aller Mitarbeiter,

- Auftragsbeginn/-ende und Störungen,

- innerbetriebliche Aufträge,

- Gemeinkostenbeginn,

- Gruppenakkordzuordnung,

- Mehrlohneingabe,

- Maschinen-/Werkzeugreparaturen,

- Maschinenstörungen.

Alle Meldungen, die jeder Mitarbeiter eingeben kann, sollten so einfach wie möglich gehandhabt werden können. Hierfür wurden vorgelochte Karten, teilweise aus Plastik, eingeführt. Außerdem wurde besonderer Wert auf eine kurze, aber eindeutige Bedienerführung am Terminal gelegt, das heißt jede Eingabekarte wird in jedem Eingabe-Funktionsablauf mit dem gleichen Kurzzeichen angefordert (beispielsweise wird die vorgelochte Personalkarte immer als "PK" verlangt). Dieses Prinzip erleichterte die Einführung des Systems im Betrieb. Bild 1 zeigt die Konfiguration des BDE-Systems.

Bei der Einführung der Betriebsdatenerfassung mit Terminals wurde wie folgt vorgegangen:

- Einweisung der Bereichsleiter, Meister und Gruppenführer;

- Einweisung der Testgruppe (zirka 50 ausgewählte Personen aller Bereiche und sämtlicher Lohnverrechnungen);

- Erfassung aller Lohndaten der Testgruppe nach dem alten und neuen System = zwei Monate vor der Einführung;

- Einweisung und Übung aller Arbeitnehmer (in Gruppen von zirka 10 Personen, mit dem entsprechenden Gruppenführer sowie der Unterstützung der EDV oder einer Person der Testgruppe);

- Erfassung der Anwesenheitszeiten;

- Erfassung der Arbeitsgänge.

Aufgrund bereits vorhandener Abläufe sowie durch neue Konzepte kam man auf die in Bild 2 dargestellte Organisationsform.

Folgende Maschinen sind im Hause LuK direkt für die BDE-Erfassung und die nachfolgenden Auswertungen eingesetzt:

- 1 Forster Schreibautomat mit Lochstreifenleser/-stanzer,

- 1 Ormig 56/20 Umdruckmaschine mit Lochkartenstanzer,

- 16 PCS Terminal PCT-800,

- 1 PCS Konzentrator mit angeschlossenem Drucker und zwei Facit-Lochstreifenstanzer,

1 EDV-System IBM/3 Modell 12 mit entsprechender Peripherie.

Die Software für das PCS-Datensammelsystem wurde von der Firma PCS nach dem Pflichtenheft erstellt. Die Software für die EDV-Verarbeitung wurde von der LuK-EDV-AbteiIung erstellt.

Pro Tag werden an den 16 Terminals zirka 4000 Meldungen eingegeben. Dabei kommen im Lohnbereich 20 bis 25, im Gehaltsbereich bis zu 100 Personen pro Schicht auf ein Terminal. Als Durchschnittswert für eine Arbeitsgangmeldung legt man 20 Sekunden zugrunde. Die Fehlerquote liegt bei etwa 1,3 Prozent, bezogen auf alle Eingaben. Es gibt Personen, die bis zu 20 Meldungen pro Schicht eingeben; der Werksdurchschnitt liegt allerdings bei 4 Meldungen pro Schicht. Die Zeitverschiebungen bei Stoßzeiten (wie Schichtende) werden durch ein spezielles Pausen- und Schichtabgleichsprogramm (pro Person bis zu 15 Minuten) ausgeglichen. Sämtliche Eingaben aus der Fertigung werden zeitrichtig im Leitstand protokolliert, so daß dort immer der aktuelle Status vorliegt.

Die Daten aus dieser BDE-Erfassung werden nach verschiedenen Richtungen ausgewertet:

Personalbezogen

Fehlerprotokoll, Anwesenheitsprüfung, Überstunden und Gleichzeitnachweis, Anwesenheitsjournal, Personalstatistik, automatische Zuschlagsermittlung laut Tarifvertrag, Lohn und Gehaltsberechnung.

Auftragsbezogen

Auftragsfortschrittkontrolle, Zeitgradausreißer, Mehrlöhne, abgerechnete Arbeitsgänge mit Bewertung und Zeitgrad.

Maschinen- und arbeitsplatzbezogen

Maschinenauslastung, -störungen, Störhäufigkeit zwecks vorbeugender Wartung.

Abrechnung und Meldewesen

Nachkalkulation, Betriebsabrechnungsbogen (BAB), Kostenträger- und -stellenrechnung, Betriebsbuchhaltung, statistische Meldungen an Verbände und Behörden.

Nach mehr als zweijähriger Laufzeit des BDE-Systems kann man behaupten, daß sich der Umstellungsaufwand und die Investitionen mehr als gelohnt haben. Nach einer gewissen Anlaufzeit konnten zwei von vier Werkstattschreibern eingespart werden. Außerdem wurde in der EDV-Datenerfassung und am Leitstand jeweils eine Person frei. Weitere Entlastungen gab es in der Arbeitsvorbereitung, im Lohnbüro und bei

den Meistern im Betrieb.

Die Betriebsdatenerfassung hat inzwischen bei allen Mitarbeitern volle Zustimmung gefunden. Die Anfangsprobleme mit Verschmutzung und Störanfälligkeit der Terminals wurden nach Einsatz der Typen PCT-800 in deren Konzeption die praktischen Erfahrungen in der Fertigung sind, zur vollsten Zufriedenheit eingeflossen aufgebaut. Das Konzept der Erfassung am Arbeitsplatz wurde hier verwirklicht und hat sich als

richtig erwiesen.

* Albrecht Müller ist EDV-Leiter in der Firma LuK Lamellen und Kupplungen GmbH, BÜhl/Baden