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08.08.1975 - 

EFTS statt Geld und Schecks

Jeder Supermarkt ein Bankschalter ?

CLEVELAND - Wer in einem Hinky-Dinky-Supermarkt in Lincoln, Nebraska, einkauft, braucht weder Bargeld noch Scheck: seine Plastik-Kundenkarte mit Magnetstreifen wird in ein IBM-2730-Terminal gesteckt - und der Rechnungsbetrag wird direkt vom Bankkonto abgebucht.

Nach dem bargeldlosen Zahlungsverkehr kommt jetzt der papierlose Zahlungsverkehr, EFTS genannt. "Electronic Funds Transfer Systems" sind automatische Abrechnungsverfahren mit direkter Gutschrift/Belastung auf die Bankkonten der Beteiligten. Nachdem das Verfahren im Frühjahr in einem Musterprozeß vor dem höchsten Gericht von Nebraska für legal erklärt wurde, haben inzwischen zwei Dutzend Hinky-Dinky-Läden Terminals installiert, die online mit den Rechenzentren der beiden Banken First Federal Savings & Loan Association und Omaha National Bank verbunden sind.

First Federal, Initiator des Systems, hat sogar schon eine Tochtergesellschaft TMS Corporation of America gegründet, um das Paket "Money-Service" an andere Institute zu verkaufen. Zu den ersten Lizenznehmern gehört die Broadview Savings and Loan Association of Cleveland.

Broadview-Kunden können ab September in 50 Pick-N-Pay-Supermärkten mit der Kundenkarte nicht nur einkaufen sondern auch Geld abheben, Einzahlungen auf ihr Konto machen und Schecks einlösen. Der Kunde zeigt dazu als Ausweis eine Plastikkarte, ähnlich den bekannten Scheck- und Kreditkarten, nennt zusätzlich ein Code-Wort und füllt einen Kassenbeleg aus. Ein Pick-N-Pay-Angestellter steckt die Kundenkarte in ein IBM-3604-Bank-Terminal, tippt den Betrag ein und prüft, ob der Rechner die Verfügungs-Berechtigung bestätigt. Dem Kunden wird jeweils eine Quittung ausgedruckt und monatlich eine Übersicht zugeschickt.

Die Bank spart die Einrichtung zusätzlicher Zweigstellen und betrachtet den Money-Service als Alternative zum Aufstellen der je rund 100 000 DM teuren Auszahlungsautomaten. Der Supermarkt hat keinen Kummer mit ungedeckten Schecks mehr - und der Kunde kann beim Einkaufen seine Bankgeschäfte erledigen, ohne zur Bank gehen zu müssen.

Terminal statt Sparbuch

Broadview ist mit dem System, das eine der drei Partitions auf seiner IBM 370/ 135 (244 K) belegt, so zufrieden, daß außerdem 125 Terminals in eigenen Filialen installiert wurden. Hier dient der Money-Service als Alternative zum Sparbuch. Die Bank sieht dieses Verfahren als sicherer an und argumentiert außerdem, zwei Eheleute mit gemeinsamem Konto können auch nur ein Sparbuch haben - aber ohne Schwierigkeiten jeder eine Plastikkarte bekommen, so daß sie jederzeit unabhängig voneinander einzahlen und abheben können.

Dem Aufbau von POS/EFTS, Abrechnungssystemen mit Terminals am "Point of Sales", war jetzt in Atlanta sogar ein eigener Kongreß der Data Processing Management Association DPMA gewidmet. Dabei nannte der Projektleiter eines Forschungsprogrammes für Zahlungssysteme, Dr. Allen Lippis als EFTS-Vorteile: besseren Service, niedrigere Bearbeitungskosten, geringere Verluste durch ungedeckte Schecks und weniger Kredit-Mißbrauch.

Kein Papierkrieg mehr

Das bisherige Kreditkarten-Verfahren erforderte, daß der Kunde die Karte vorzeigt und die Rechnung unterschreibt: der Betrieb mußte die Rechnung dann an die Kreditkarten-Organisation schicken, die ihrerseits monatlich einmal dem Karten-lnhaber eine Abrechnung zusandte. Erst dann erfolgte die Bezahlung.

Das neue Verfahren führt nach Einlesen der Kundenkarte und Eintasten des Betrages ins Terminal zur sofortigen Abbuchung vom Kundenkonto und natürlich auch zur Gutschrift für den Lieferanten. Der ganze Papierkrieg wird vermieden; der finanzielle Effekt entspricht einer Barzahlung.

Sharing ist entscheident

Entscheidend für den EFTS-Direktor von American Express Co. ist "sharing": in einem Einzelhandelsgeschäft oder Hotel sollte nur ein Terminal stehen, dessen Kosten sich mehrere Kreditkarten-Organisationen und Banken teilen.

Druck zur Einführung des EFTS übt nicht nur der Wettbewerb zwischen Geldinstituten aus: in den USA sind nach Ansicht von Vice-President James Jarrell (Trust Co. of Georgia) Konsumenten, Geschäfte und der Staat gleichermaßen interessiert. (cw)