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10.05.2002 - 

Kolumne

"Jeder weiß, was Microsoft will"

Christoph Witte, Chefredakteur CW

Manchmal ist es nicht leicht, nachzuvollziehen, was Unternehmensstrategen denken. Und selbst wenn es gelingt, die zugrunde liegenden Ideen von Plänen zu erkennen, lässt sich nur selten beurteilen, ob sie den Unternehmen und ihren Anwendern weiterhelfen. Schwer nachvollziehbar bleibt beispielsweise die acht Monate lang umstrittene Übernahme von Compaq durch HP. Jetzt ist zwar gerichtlich geklärt, dass bei der Abstimmung der HP-Aktionäre alles mit rechten Dingen zugegangen ist, aber völlig offen ist weiterhin, wo die viel beschworenen Einsparpotenziale und Synergien liegen. Bleibt zu hoffen, dass in den nächsten Tagen und Wochen hier Klarheit geschaffen wird.

Gedanken darüber, was das Ganze soll, muss sich dagegen bei den Übernahmeverhandlungen zwischen Microsoft und dem ERP-Anbieter Navision niemand machen. Das Motiv ist klar: Microsoft will sich mit der auf mittelständische Unternehmen fokussierten Navision ein Stück des ERP-Kuchens holen. Dass es damit SAP, Oracle, Peoplesoft und andere Spieler in diesem Markt gegen sich aufbringt, lässt die Unternehmensstrategen völlig kalt. Sie sehen nur die Stärken des eigenen Unternehmens und die Schwäche insbesondere der mittelständischen Softwarehäuser in diesem Anwendersegment. Die meisten Firmen dieser Größenordnung (50 bis 1000 Mitarbeiter) setzen massiv die Produkte aus Redmond ein. Das beginnt mit den Betriebssystemen, geht über die Office- und reicht bis hin zu den Internet- und Entwicklungsprodukten. Wieso - so das Kalkül des Anbieters - sollten diese Unternehmen nicht weitere Produkte nutzen, die ihnen von Microsoft angeboten werden? Selbst wenn sie mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis der bisherigen Podukte nicht hundertprozentig zufrieden sind, wissen sie doch, dass die Integration anderer Softwarewelten noch mehr Aufwand erfordert, als die Probleme zu meistern, die die Software des Branchenprimus tagtäglich aufwirft.

Sollten die Verhandlungen erfolgreich sein, kauft Microsoft nicht nur ein Unternehmen mit einer starken Kundenbasis in Europa, sondern auch eines mit über 2000 Vertriebspartnern weltweit und über 200 davon allein in Deutschland. Mit Navision könnten die Redmonder viel schneller, als sie das mit dem im vergangenen Jahr erworbenen US-Anbieter Great Plains geschafft hätten, mittelständische Anwender in Europa angehen.

In diesem Marktsegment schlummert sämtlichen Marktforschern zufolge nicht nur großes Potenzial. Weil sich die etablierten ERP-Anbieter mit ihren hochkomplexen Produkten hier extrem schwer tun, ist dieser Markt zudem sehr zersplittert. Auch das ist ein Faktor, der einer Kombination aus Microsoft und Navision in die Hände spielen würde. Für die hiesigen mittelständischen Softwarehäuser könnte das neue Duo zur Existenzbedrohung werden.