Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

13.11.1974 - 

Herstatt-Pleite:

Jetzt auch noch Computer-Kriminalität

Köln - Die publicity-wirksame Behauptung des Gerling-Konzern, die Herstatt-Pleite sei durch Computer-Kriminalität mitverursacht worden, erweist sich - so CW-Recherchen - als geschickter Versuch, die Schuld am Kölner Bankskandal den Computern zuzuschreiben, die sich nicht wehren können. Prompt übernahm "Die Welt" die Meldung über die Mitschuld des Computers auf Seite eins, und in der "Süddeutschen Zeitung" hieß es sogar: "Computer wurden bei Herstatt mißbraucht." Die EDV-Zunft war wieder einmal in Mißkredit geraten.

Zur Absicherung des Herstatt-Hauptaktionärs Dr. Hans Gerling behauptet der Gerling-Konzern, daß die für ein Termingeschäft erforderlichen Buchungssätze nach Fakturierung durch Drücken einer sogenannten Abbruchtaste nicht von der Computeranlage übernommen wurden. Durch "diesen, erstmals in dieser Form bekanntgewordenen Computermißbrauch" seien Beträge von mehreren Milliarden US-Dollar nicht ordnungsgemäß gebucht worden.

Banker aller Größenklassen dürften mit Schaudern an die im Hause tätigen Computersysteme und EDV-Abteilungen gedacht haben.

Tatsächlich handelt es sich bei dem in der Herstatt-Auslandsabteilung für die Abrechnung der Termingeschäfte eingesetzten System um einen Nixdorf 820-Fakutier-Automaten, dem ein Lochstreifenstanzer zur Datenerfassung für die Zentrale Honeywell-Bull-Anlage angeschlossen ist. Die ominöse Abbruchtaste dient der Fehlerkorrektur bei, falscher manueller Eingabe. Ebenso wie auch bei Ausschaltung des Systems kann sie bewirken, daß - möglicherweise - nach Ausdruck einer Abrechnung deren Daten im Speicher gelöscht und somit nicht ausgestanzt werden können. Das von der Herstatt-Revisionsabteilung abgenommene Programm sieht dann vor, daß die Meldung "Abbruch" protokolliert wird.

Herstatt-Direktor für Organisation und Rechnungswesen, Dr. Gerlhoff, erklärte der COMPUTERWOCHE:

"Ein möglicher Mißbrauch von Datenerfassungsgeräten in den Fachabteilungen ist nicht zu verhindern und hat nichts mit Computermißbrauch zu tun." Und Sachbearbeiter Karl Sina, der die betroffene Nixdorf 820 programmierte, fügte hinzu: "Bei Herstatt gab es keine Computerkriminalität."