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20.04.1979 - 

Anwenderbericht Alfa-Laval-Industrietechnik GmbH, Hamburg:

Job Accounting bringt Kostenwahrheit ans Licht

ROTTACH-EGERN (CW) - Das Cost-Center "EDV-Abteilung" der hamburgischen Firmen des Alfa-Laval-Konzerns erstellt seine Leistungen zu marktüblichen Konditionen. Dieser "Verkauf im eigenen Hause" verbindet die Vorteile kostengünstiger Datenverarbeitung mit Geheimhaltungsbelangen. Zur Rechtfertigung der von den belieferten Abteilungen und Kostenstellen zu zahlenden Beträge reichten (in Anbetracht des bei Alfa-Laval überdurchschnittlich ausgebauten Kostenwesens) konventionelle Berechnungsmethoden nicht aus; so wählte Alfa-Laval einen eigenen Weg. Darüber berichtete Denis Papin, Hauptabteilungsleiter für Organisation und Datenverarbeitung bei der Alfa-Laval-Industrietechnik GmbH, auf einem von Sperry Univac veranstalteten Organisationsseminar in Rottach-Egern (CW-Nr. 15 vom 12 April 1979. Seite 1).

Mit dem Aufbau eines firmeneigenen Rechenzentrums - System Sperry Univac 90/30 (384 K) als Host-Rechner für MDT- und Textverarbeitungssysteme - kam auf Papin und seine Leute die Aufgabe zu, für ihre neue Abteilung taugliche Abrechnungsgrundlagen zu schaffen, wie die im Alfa-Laval-Konzern vertretene Profit-Centre-Philosophie sie erforderte.

Die Institutionalisierung der EDV-Abteilung als "Closed Shop" verlief für Alfa-Laval ohne sonderliche Schwierigkeiten, da man sich zuvor jahrelang eines Service-Rechenzentrums bedient hatte und die Betriebsabläufe entsprechend abgespielt waren.

Nach drei Mann-Monaten war ein Accounting-System fertig, das die Hardware- und Personalkosten zur Abrechnung von Batch-Verarbeitungen ermittelt. Die Abrechnung von Dialog-Anwendungen erfolgt über ein zentrales Eröffnungs- und Abschlußprogramm, dessen Abrechnungssätze mit den Informationen aus der Syslog-Datei verknüpft werden. Diese Datei ist ein Accounting-Feature des Betriebssystems OS/3.

Kennziffern für Anwendungen

Bestimmten Aufgabengebieten entsprechende Programmsysteme erhalten eine Abrechnungsnummer. Unter dieser Nummer werden die mehrfach innerhalb eines Zeitraums durchgeführten Programmläufe kumuliert. Für jedes der Programmsysteme hält die Syslog-Datei Prozessor-Zeit (CPU-Time), Programmlaufzeit (Run-Time), benutzte Hauptspeicherkapazität, Anzahl der gelesenen und geschriebenen Datensätze sowie den Drucker-Einsatz nach Zeilen fest.

Pauschal- und Einzelabrechnung

Die kumulierten Werte legt das Rechenzentrum nach einem prozentualen Umlageschlüssel auf Konzernfirmen und Kostenstellen um. Kosten für Datenerfassung und Programmänderungen oder -erweiterungen werden nicht prozentual, sondern nach tatsächlichem Aufwand abgerechnet.

Vor der Bewertung mit Verrechnungssätzen (den "Preisen") gibt man die Anzahl der erfaßten Datensätze und die Programmierzeiten dem System ein. (Das DE-System liefert die Anzahl der Datensätze automatisch.) Die tabellarisch aufgelistete Verrechnungspreise stellen entweder Preise pro Zeiteinheit dar - CPU-Time, Run-Time, Programmieren - oder pro Zugriff auf Platte und Band, schließlich noch pro Datensatz und gedruckter Zeile.

Prozesser-Stunde für 300 Mark

Unter einer Abrechnungsnummer aufgelaufene Kosten für Datennachbearbeitung werden nach Prozentsätzen umgelegt. Der Verrechnungspreis für die Datenbearbeitungsleistung ergibt sich aus der Summierung der bewerteten Teilleistungen des Rechenzentrums.

Im Alfa-Laval-RZ derzeit geltende "Marktpreise" sind beispielsweise 300 Mark für eine CPU-Stunde, 50 Mark für eine Programmstunde und 0,3 Pfennig für ein Plattenzugriff. Die Programmierstunde kostet 50 Mark.

Hauptabteilungsleiter Papin ist von der Güte des Kostenkennzahlen-Systems bei Alfa-Lavel überzeugt: denn außer einer Kontrollfunktion bringt es auch, wie er sagt, eine frühzeitige Schwachstellenanalyse mit sich. Das Argument, der scharfe Kostenwind führe in den Fachabteilungen leicht zur Kreativitätsuntersuchung, will Papin nicht gelten lassen: Vielmehr gewehrleiste dieses Verfahren, daß nur einigermaßen durchdachte Ideen vorgetragen würden.

Sein Cost-Center "EDV-Abteilung" kommt - so Papin - bei der betriebsinternen Abrechnung stets recht nahe an den Ideal-Saldo plus-minus-Null heran. Erleichtert wird die Bilanzierung dadurch, daß sämtliche Entwicklungskosten im Datenverarbeitungsbereich am Rechenzentrum vorbei über ein Sonderbudget laufen, das etwa ein halbes Prozent vom Gesamtumsatz ausmacht . Die RZ-Kosten betragen bei Alfa-Laval rund ein Prozent der Gesamtkosten, sollen langfristig aber noch reduziert werden.

Ob von Sperry Univac dermaleinst ein ähnlich diffiziles EDV-Kosten-Abrechnungssystem als Standardobjekt auf den Markt kommt, blieb in Rottbach-Egern offen. "Wir werden uns natürlich bemühen", war dazu nur zu erfahren.