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09.01.1976

Job Accounting-Theorie und Wirklichkeit

Dipl.-Kfm. Justus Wierzewski,

Geschäftsführer des Service-Rechenzentrums Infodata GmbH, Reinbek

Alle reden vom Sparen oder von dessen Schädlichkeit - die EDV-Leiter besonders. Wer jeden Tag vor dem Problem steht, qualitative Leistung in rechenbare Werte zu fassen, hat gelernt, eines der Grundübel dieser Branche, mehr oder weniger elegant zu überspielen. Was werden nicht für Summen genannt, wenn es darum geht, die Wirtschaftlichkeit eines neuen Anwendungssystems oder einer Rechenzentrumserweiterung nachzuweisen! Der Fairneß halber sei aber gesagt, nicht Oberflächlichkeit oder Schlimmeres ist die Ursache, sondern - für die Informationsmonopolisten besonders peinlich - mangelnde Information. Was dem DV-Management in Service- und Firmen-Rechenzentren fehlt, ist die eigene Kalkulationsgrundlage. Es ist derzeit einfach nicht möglich, wirklich exakt zu sagen, was ein vorhandenes System für einen oder mehrere Benutzer an Betriebskosten verursacht. Eine Vorhersage über die voraussichtlichen Betriebskosten für ein noch zu entwickelndes System bleibt zwangsläufig reine Spekulation. Folge: demütiges Schweigen der Benutzer bei monatlich umgelegten Kosten, die gerechnet aussehen, aber dem DV-Management als Zufallsprodukt bekannt sind. So peinlich dieses Eingeständnis ist, niemand kommt daran vorbei, daß Computer heute oft verblüffend viele Fragen kurzfristig und exakt beantworten können, nur nicht die, was ihre Mitbenutzung einen Interessenten (Fachbereich des Unternehmens oder externen Mandanten) nun wirklich kostet oder kosten würde.

Die Hersteller machen es sich in dieser Misere einfach. Sie bieten per Betriebssystem verschiedene Verbrauchszeiten als Datei an und halten das Problem damit für erledigt. Einige wenige Software-Häuser haben - und das auch erst neueren Datums - darauf aufbauende Auswertungssysteme im Angebot. Diese bieten meist viel Komfort bei der Erstellung verschiedenartiger Berichte, gehen am eigentlichen Grundproblem aber wohlweislich vorbei.

Ein wirklich aussagefähiges Accounting-System müßte unter anderem folgende Fragen eindeutig beantworten:

1. "Wie hoch ist der Einfluß des Mehrpartitionsbetriebes auf die Laufzeiten eines Programms?" Anders formuliert: "Wie lange wäre ein Programm im Single-Batch-Betrieb gelaufen?"

2. "Wie hoch ist die Mehrbelastung der DV-Anlage durch

Ein-/Ausgabeaktivitäten gegenüber einer zu definierenden Normbelastung des Systems in einer Partition?"

3. "Welchen Anteil hat bei mehreren Benutzern eines Anwendungsprogramms jeder von ihnen, wenn die Kostenanteile im Verhältnis der Volumenanteile bei Eingabe- und/oder Ausgabeanteilen geteilt werden sollen?"

4. "Welcher Anteil der ermittelten monatlichen Gesamtlaufzeiten eines Programms sind Fehlzeiten und aus welchem Grund?" Dabei müßte es möglich sein, bereits durchgeführte Programme nachträglich als fehlerhaft zu kennzeichnen. Durch unvollständig angelieferte Eingabedaten kann bekanntlich eine Wiederholung notwendig sein, um zu korrekten Ergebnissen zu kommen."

5. "Wie groß ist der Verlust an Systemzeit und damit die Benachteiligung aller Benutzer durch die paging-rate im VS insgesamt und je Anwendungsprogramm?"

6. "Wie ist der Budgetstand je Anwender und/oder Anwendungssystem im Soll/Ist-Vergleich?"

7. "Wie ist das Verhältnis von Pflegezeiten zu Betriebszeiten bei einem bestimmten Anwendungssystem einzeln und kumulativ?" Anders formuliert: "Welche Systeme binden überproportional Manpower für Pflege und müssen daher vorrangig überarbeitet werden?"

Der Katalog offener Wünsche an ein System zur Schaffung wichtiger Basiszahlen für ein auskunftspflichtiges Rechenzentrums-Management ließe sich beliebig verlängern (Vergleich CW vom 14. 11. 75). Die blamable Tatsache völlig unzureichender Informationen um das Geschehen im eigenen Bereich ist auch so ausreichend demonstriert. Für EDV-Leiter gilt leider auch, was für die Schuster und ihre Schuhe gilt.

Benutzer so komfortabler Betriebssysteme wie OS sind zwar teilweise etwas besser dran, aber für die Mehrzahl der Benutzer von 370er-Maschinen oder Anlagen anderer Hersteller bleibt nur das Warten auf die Erleuchtung der Marketingspezialisten in Softwarehäusern oder der dornenreiche Weg der Eigenentwicklung. Da auch mit einem Aufwand zwischen 8000 und 32080 DM für derzeit auf dem Markt angebotene Systeme die vorstehend angeschnittenen Probleme nicht abgedeckt werden, wird eine computergeschriebene nachprüfbare Rechnung für den Benutzer wohl noch geraume Zeit nicht selbstverständlich sein. Dies ist um so verständlicher als für ein derartiges Projekt mit Sicherheit staatliche Mittel nach dem DV-Förderungsgesetz in Anspruch genommen werden konnten. Denkbar wäre auch, durch gemeinsame Auftragsvergabe mehrerer Interessenten zu akzeptablen, weil geteilten Kosten dieses peinliche Informationsgap zu schließen.

Eigentlich müßte jedem DV-Verantwortlichen klar sein, daß die Emanzipation der Anwender in den Fachabteilungen unerbittlich fortschreitet. Der Abteilungsleiter, der sich von Monat zu Monat bei konstantem Volumen unterschiedliche Belastungen oder Umlagen gefallen läßt, stirbt in erschreckendem Tempo aus.

Eine Einrichtung wie der ISIS-Software-Report ist sicher interessant und nützlich. Als Kommunikationsbrücke zwischen tatsächlichem Anwenderbedarf und den Projektplanern bei den Software-Produzenten ist sie bestimmt unzureichend. Dieser Katalog protokolliert Entwicklerfleiß der Vergangenheit. Wo eigentlich liegt die Wunschliste für die nähere Zukunft aus?