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08.01.1982 - 

Arbeitsmoral in der Bundesrepublik trotz hoher Arbeitslosenzahlen antizyklisch:

Job-Sharing gegen Informatikerschwemme

ESSEN (je) - Job-Sharing im Feldversuch und im Zusammenhang damit eine umfassende Studie kündigt die Essener OSP Unternehmensberatung AG an. Vorstandsmitglied Klaus Sabirowsky wertet diese Maßnahme als Beitrag zur Entspannung der kritischen Arbeitsmarktlage, als Zugeständnis an die gesunkene Leistungsbereitschaft vieler Arbeitnehmer und als Hilfsmittel zur Stärkung der Wirtschaftskraft der Unternehmen.

Wirtschaft und Behörden, aber auch Universitäten und Hochschulen, kritisiert Sabirowsky, haben vor Jahren die Werbetrommel für den Auf- und Ausbau des Hochschul- und besonders des Informatikstudiums kräftig gerührt. Die Jugend fühlte sich angesprochen, sah neue und interessante Aufgabenbewältigungen, berufliche Zukunftschancen und stieg ein.

Ausbildungsmängel

Nun aber scheine die Planung mit dem Ist-Zustand nicht mehr Schritt halten zu können. Schon heute bestehe eine Bedarfslücke an Lehrkräften und Unterrichtsräumen. Bund und Länder sollten recht bald mit Problemlösungen aufwarten, empfiehlt Sabirowsky; eine Politik nach dem Motto "Wer hat den Schwarzen Peter?" scheine hier nicht angebracht. Ein "Vor-sich-Hinschieben" dieser Probleme würde nur zusätzliche Verunsicherung und Enttäuschung bei den Betroffenen auslösen.

Wie aber, fragt der Essener, sieht nun der Arbeitsmarkt in der Informatiker-Branche aus? Welche Berufschancen kann der motivierte, zukünftige EDV-Mitarbeiter nach Ablauf seiner Ausbildung und mit einem anerkannten Diplom in der Tasche erwarten?

Glaube man der Industrie, den Computerherstellern und den Softwareexperten, so lägen in dieser Branche Zuwachsraten von 15 bis 30 Prozent in der Luft. Und blickt man auf EDV-Benutzer, Wirtschaft, Industrie, Handel, Gewerbe und Behörden, konstatiert der OSP-Mann, so überwiegen heute noch die Anzeigenseiten, auf denen qualifizierte Mitarbeiter gesucht werden. Dabei dürfe aber nicht übersehen werden, daß mehr und mehr EDV-Abteilungen einem stärker werdenden Kostendruck und Etatdenken - vor allem im Hinblick auf Stellenbesetzungen - ausgesetzt seien.

Wenn die Berufsaussichten zukünftiger EDVer nun durch knappere Etats, Personaleinschränkungen und die allgemeine Wirtschaftslage beeinträchtigt werden, stehen wir, erneut vor einem Planungsdefizit, meint Sabirowsky und fragt: Wohin mit den vielen Hochschulabsolventen, hier speziell denen der Informatik ? Seine Antwort - nicht ohne ironischen Unterton: Gott sei Dank entwickelt sich bei den bereits ins Berufsleben integrierten Mitarbeitern ein Gesinnungswechsel im Leistungsdenken. Gleitende Arbeitszeit, Bildungsurlaub, längere Urlaubszeiten und auch die sich am Horizont abzeichnende 36-Stunden-Woche seien Indikatoren eines neuen Leistungsbewußtseins oder anders ausgedrückt, der zu erwartenden Arbeitsbereitschaft.

Planungsdefizit

Die Arbeitsmoral in der Bundesrepublik, mutmaßt Sabirowsky, scheint sich trotz hoher Arbeitslosenzahlen antizyklisch zu verhalten. Die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens müsse sich immer mehr der Arbeitsplatzsicherung beugen. Die Humanisierung des Arbeitsplatzes, setzt der Essener seine Bestandsaufnahme fort, wurde zu einem neuen, attraktiven Schlagwort, das - wie man beispielsweise auch auf der letzten Hannover-Messe habe hören können - zahllose Denkanstöße für Arbeitsplatzgestalter und Ergo-Experten auslöste.

Fragt Sabirowsky: Wie sollen und können Unternehmen diesen Forderungen entsprechen? Wie können Arbeitsplätze gesichert, heranwachsenden Informatikern und anderen Hochschulabsolventen Betätigungschancen geboten werden, ohne dabei auf Produktivität, Wirtschaftlichkeit, Wettbewerbsfähigkeit, soziale Leistungsbereitschaft und Mittel für Forschung und Entwicklung zu verzichten?

Die Arbeitsplatzteilung - so seine Antwort - könnte ein Weg zur Lösung der angesprochenen Probleme sein. Job-Sharing als Arbeitsplatzteilung, erläutert Sabirowsky, kam schon vor einigen Jahren aus den USA herüber und ist eigentlich nichts Neues, wenn man bedenkt, daß seit vielen Jahrzehnten die Tätigkeit von zwei Personen an einem Arbeitsplatz üblich ist, so etwa im Schichtbetrieb, im Taxigewerbe, bei Rundfunk und Fernsehen sowie in der Luftfahrt. Die Teilung eines Arbeitsplatzes gilt gleichwertig für Männer und Frauen in industriellen wie auch dienstleistungsorientierten Berufen.

Zwei Mitarbeiter, die ein gleiches Leistungsniveau besitzen, teilen sich die vom Unternehmen für diesen Arbeitsplatz vorgesehenen Aufgaben und die zu erbringenden Leistungen. Das für diesen Arbeitsplatz vorgesehene Gehalt unterliegt ebenfalls dieser Teilung und geht zu gleichen Teilen an die beiden Mitarbeiter.

Für mittlere und kleinere Unternehmen vor allem in der Dienstleistungsbranche sieht Sabirowsky mit der Lösung "zwei Mitarbeiter gleich ein Arbeitsplatz" wesentliche Vorteile; Vorteile, die sich nach seiner Auffassung nicht nur für das Unternehmen, sondern mehr noch für die Mitarbeiter auswirken.

Die Wahl der jeweiligen Arbeitszeit, die Urlaubsregelung, die Freizeitgestaltung und die berufliche Fortbildung, zählt er auf, können den Mitarbeitern zugute kommen. Ausfälle wegen Krankheit können besser überwunden werden. Wachsendes Know-how-Potential bei den Mitarbeitern und eine positivere Einstellung zum Unternehmen sowie geringere Fluktuation am Arbeitsplatz seien weitere Aktivposten.

Noch befindet OSP sich im Planungsstadium, berichtet Sabirowsky, aber die Essener, die rund 70 Mitarbeiter beschäftigen, wollen die Job-sharing-Idee mit Realität ausfüllen.

"Wir werden zunächst im eigenen Hause eine umfassende Studie zum Thema, Geteilter Arbeitsplatz' durchführen", kündigt der OSP-Boß an und ergänzt: "Es wäre zu begrüßen, wenn Bund, Länder, Gewerkschaften und Wirtschaft Problemlösungen gemeinsam aufgreifen und realisieren würden. Mehr gesicherte Arbeitsplätze zu schaffen ist die Aufgabe, der wir uns alle stellen müssen."