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14.08.1981

"Job-Sharing" paßt nicht zum Mythos der DV-Leute

Job-Sharing - eine Variante der Teilzeitbeschäftigung, bei der sich in der Regel zwei Personen einen Arbeitsplatz teilen - ist nicht relevant für Datenverarbeiter. Zu diesem Ergebnis kamen die von der CW befragten Computeure. "Ein qualifizierter DV-Job erfordet einen ganzen Mann", bekräftigt DV/Org. - Chef Jörg Bühler. Unabhängig von den Mehrkosten, die ein Job-Sharing-Arbeitsplatz verursachen würde, sei es vor allem nahezu unmöglich, Teilzeitbeschäftigten eine Führungsfunktion anzuvertrauen. Nach Ansicht von Heinz Meintzschel steht auch das Engagement der DV-Leute sowie deren Identifikation mit einer Aufgabe dem Job-Sharing absolut konträr gegenüber. Ein DV-Mitarbeiter sei mit einem Halbtagsjob kaum optimal ausgelastet und neige dazu, eventuellen "Leerlauf" für eine weitere Tätigkeit zu nutzen.

Alexander Cramer Stellvertretender Geschäftsführer, Unternehmensberatung Simon GmbH, Nümbrecht

Die Erkenntnis, daß unser täglicher Lebenslauf aufgrund der Entwicklung der vergangenen 200 Jahre zu Formen erstarrt ist, die teilweise groteske und makabre Auswirkungen auf einzelne und gemeinschaftliche Lebensbereiche hervorgerufen haben, hat dazu geführt, daß unter dem Aspekt einer Anpassung der bestehenden Arbeitszeitordnung verschiedene Ansätze formuliert worden sind, um die divergierenden Ziele unserer Wachstumsonentierten Industriegesellschaften und die sich zunehmend wandelnden individuellen Lebensqualitätsansprüche wieder anzunähern.

Zeit Beginn der Datenverarbeitung sind in diesem Bereich Arbeitszeitmodelle praktiziert worden, die einen notwendigen Operator- Schichtdienst einschließlich vor- und nachgelagerter Abteilungen ebenso umfassen, wie die außerhalb der Geschäftszeiten üblichen Testarbeiten der Programmierer.

Ist nun der auf den ersten Blick faszinierende Lösungsansatz des "Job-Sharing" oder "Work-Sharing" auf den DV-Bereich übertragbar und damit geeignet, vorhandene Probleme zu beseitigen?

Unter Vernachlässigung sozialpolitischer und arbeitsrechtlicher Aspekte muß der Aufgabenerfüllung in der Datenverarbeitung zunächst zentrale Bedeutung unterstellt werden. EDV-Spezialisten sind im betrieblichen Informationsbereich tätig. Sie sind kooperative Teamarbeit gewöhnt und arbeiten in Projekten grundsätzlich miteinander.

Der Vorteil einer denkbaren, völlig freien Arbeitszeiteinteilung - beispielsweise in einem bestimmten Projekt zwischen den Job-Sharern" - muß der Notwendigkeit einer nicht zeitlich eingrenzbaren Verfügbarkeitsbereitschaft gegenübergestellt werden, die dann erforderlich ist, wenn zeitkritische Arbeiten abgewickelt werden.

Trotz verstärkten Einsatzes Maschinen- and Methoden-unterstützter Hilfsmittel, trotz Förderung von Software-Engineering im analytischen, organisatorischen und realisierenden Bereich sind die Tätigkeiten der "Computerleute" überproportional produktiv und. nur zu einem geringen Teil reproduktiv.

Berücksichtigt man ferner, daß auf absehbare Zeit nicht annähernd ausreichend qualifizierte DV-Fachleute verfügbar sein werden und damit die Notwendigkeit der Kompensation eines Überangebotes nicht eintreten wird, kann die Frage nach einer theoretischen oder praktischen Relevanz des "Job-Sharing" für den DV-Bereich mit einem klaren und ein deutigen "Nein" beantwortet werden.

Im übrigen stellen die vorgeschlagenen Lösungen auf den formalen Tatbestand ab, daß zwei Arbeitnehmer einen Arbeitsplatz (= Stelle) gemeinsam besetzen. Ein entsprechender Mustervertrag ist vom Arbeitsring Chemie entworfen worden. Dabei ist der Versuch unternommen worden, die grundsätzlich unterschiedlichen arbeitsrechtlichen und sozialen Voraussetzungen in den USA mit den in Europa gültigen Bestimmungen und Regelungen in Übereinstimmung zu bringen.

Bezeichnenderweise ist wieder einmal ein formaler Rahmen geschaffen worden, der vertragsrechtliche Beziehungen zwischen den Parteien regeln soll. Das viel wesentlichere und praxisrelevantere Thema, für welche betrieblichen Gruppen oder Stellen anhand der Anforderungsmerkmale eine derartige Ausprägung der flexiblen Arbeitszeitgestaltung überhaupt praktikabel und in der Folge durchsetzbar ist, wird nicht einmal randweise erwähnt.

Der sicherlich nützliche in Gang gesetzte Umdenkprozeß über Modelle flexibler Arbeitszeitgestaltung sollte bei allen Betroffenen weitergeführt werden, mit dem Ziel, das Machbare zu erreichen. Man sollte in diesem Zusammenhang die Zeit nicht mehr als eine Dimension ansehen, sondern als ein individuell-ökonomisches Gut mit zunehmendem Stellenwert für den Einzelnen.

Jörg Bühler Leiter DV/Org., Salamander AG, Kornwestheim (IBM 3032, MVS)

Wenn man über eine Teilzeitbeschäftigung im Org./ EDV-Bereich spricht, und darauf läuft Job-Sharing hinaus, muß man die Mitarbeiter in zwei Gruppen aufteilen.

Für bestimmte Tätigkeiten im Rechenzentrum, wie Datenerfassung, Nachbearbeitung oder eventuell einfacheres Operating, gibt es durchaus Chancen Job-Sharing zu betreiben. Wesentlich schwieriger wird dies jedoch bei Arbeitsplätzen, die mit Systementwicklung zu tun haben. Sie sind nur mit großen Einschränkungen von Teilzeitkräften zu besetzen. Hier scheidet als Grund im allgemeinen auch die soziale Komponente aus, da bei der gegenwärtigen Arbeitsmarkt-Situation die Gefahr der Arbeitslosigkeit - zumindest bei qualifizierten Leuten - recht gering ist.

Teilzeitmitarbeiter verursachen Mehrkosten. Dies gilt für Arbeitsplätze und ihre Einrichtungen, die nicht in jedem Fall mit anderen geteilt werden können. Aber auch für interne und exteme Schulungsmaßnahmen, die genauso für Halbtags- als auch für Ganztagskräfte durchgeführt werden müssen.

Es ist nahezu unmöglich, einem Teilzeitbeschäftigten Führungsfunktionen anzuvertrauen, speziell wenn seine Mitarbeiter fulltime anwesend sind.

Ein Vorgesetzter wird durch Job-Sharing-Mitarbeiter wesentlich mehr in Anspruch genommen. Er muß für sie wegen des ständigen Termindrucks die Arbeit in kleinere Scheiben aufteilen. Über ihn lauft außerdem ein Großteil der Kommunikation dieser Mitarbeiter untereinander und mit den Fachabteilungen.

Für Gesprächspartner in den Fachabteilungen und im Kollegenkreis bedeutet es eine wesentliche Einschränkung, wenn ein Mitarbeiter nur zeitweise anwesend ist. Auf die Fulltime-Kollegen eines Teilzeitbeschäftigten kommt eine zusätzliche, Belastung zu, wenn sie im Fall von unerwarteten Problemen oder Rückfragen seine Arbeit mit übernehmen müssen.

Bei der heutigen Komplexität der Anwendungen ist es einfach nötig, daß die DV-Mitarbeiter engagiert am Problem dran bleiben. Das ist bestimmt leichter, wenn sie dies in einem normalen Beschäftigungsverhältnis tun.

Ein Job-Sharing im Bereich der Systementwicklung ist nur in Ausnahmefällen, etwa aus familiären Gründen bei einem guten, langjährigen DV-Mitarbeiter denkbar. Im übrigen erfordert ein qualifizierter DV-Job einen ganzen Mann.

Hans Meintzschel Peugeot-Talbot GmbH (vormals DV-Leiter bei der Chrysler Deutschland GmbH)

Bei Job-Sharing-Überlegungen sollte man vier Bereiche der Datenverarbeitung - Datenerfassung, Operating, Programmierung und Systemanalyse - in den Erwägungsbereich einbeziehen. Ohne Einschränkung bin ich der Meinung, daß in der Datenerfassung und im Operating Job-Sharing durchaus möglich ist. Speziell in der Datenerfassung bietet sich "Arbeitsteilung" geradezu an, zumal hier überwiegend weibliche Kräfte eingesetzt sind, die in der Regel gern halbtags arbeiten.

Im Operating kennen wir seit jeher den Schichtbetrieb, der in gewisser Form bereits dem Job-Sharing ähnelt (eben nur, daß die Operatoren fulltime tätig sind),

Vom sachlichen Standpunkt könnte auch in der Programmierung oder der Systemanalyse Job-Sharing eingeführt werden. Dadurch könnte man das Teamwork fördern und somit eine bessere Dokumentation schaffen. Durch den modularen Programmaufbau ist es ohne weiteres denkbar, daß mehrere DV-Mitarbeiter an einem Projekt tätig sind.

Ein Problem sehe ich indessen in der rein menschlichen Seite des Job-Sharing. Das Engagement der Programmierer und ihre Identifikation mit ihren Aufgaben dürfte ihnen hier selbst im Wege stehen. Wenn es um die Fertigstellung eines Programmes oder eines Projektes geht, sidd die meisten geneigt, quasi Tag und Nacht zu arbeiten. Ein so engagierter Mitarbeiter ist sicherlich mit einem Teilzeit-Job nicht optimal ausgefüllt. Er würde eventuell auf die absurde Idee kommen, Job-Sharing vielmehr zu nutzen, um eine weitere Tätigkeit auszuüben. Bei dem derzeit raren Angebot auf dem DV-Arbeitsmarkt für Programmierer sehe ich hierin die absolut größte Gefahr.

Andererseits sehe ich Job-Sharing speziell für DV-Leute als eine echte Kostenfrage. Ein Programmierer etwa, der im Monat fünfzig oder sechzig Überstunden macht, ist für das Unternehmen wesentlich billiger, als wenn für einen weiteren Mitarbeiter ein zweiter Arbeitsplatz geschaffen würde. In der derzeitigen Arbeitsmarkt-Situation wird sich kaum ein Arbeitgeber bereit erklären, Positionen im DV-Bereich doppelt zu besetzen.

Job-Sharing bezeichne ich generell als ein derzeit von vielen Seiten hochgespieltes Mode-Schlagwort. Die Realität dürfte vielmehr in mittlerer Zukunft so aussehen, daß die Arbeitszeit auf ein vernünftiges Maß - zum Beispiel 35-Stunden-Woche - reduziert wird.

Dr. Wilhelm Held Leiter des Hochschulrechenzentrums Münster, Münster (IBM 3032, MVS)

Seit jeher gibt es im Rechenzentrum teilzeitbeschäftige Mitarbeiter. Das liegt zum Beispiel daran, daß bestimmte Haushaltsmittel nur für Assistenten, die nebenher an ihrer Dissertation arbeiten oder für studentische Hilfskräfte, die neben ihrem Studium einer praktischen Tätigkeit nachgehen wollen, verwendet werden dürfen. Es liegt aber auch daran, daß einzelne Mitarbeiter (häufig Frauen) ausdrücklich eine Teilzeitbeschäftigung wünschen, daß bestimmte Arbeiten im Rechenzentrum nur zeitweise anfallen oder daß ein angespannter Arbeitsmarkt zur Einstellung von Teilzeitbeschäftigten zwingt.

Grundsätzlich ist Teilzeitarbeit in Hochschulrechenzentren in folgenden Bereichen möglich. Schreibdienst und Datenerfassung, Benutzerberatung und Benutzerausbildung, Programmierung sowie Forschungs- und Entwicklungsarbeiten (wenn nur wenige Mitarbeiter zusammenarbeiten müssen). In der Regel müssen den Mitarbeitern allerdings Misch-Tätigkeiten zugewiesen werden, eine Einstellung nur zur Benutzerausbildung dürfte jedoch nicht in Frage kommen.

Nicht problemlos ist die Teilzeitbeschäftigung in den Bereichen Geschäftszimmer, Maschinenbedienung, Pflege der Systemsoftware, Programmierung sowie Forschungs- und Entwicklungsarbeiten (wenn mehrere Mitarbeiter eng zusammenarbeiten müssen), weil in diesen Bereichen eine größere Kontinuität erforderlich ist und die Mitarbeiter häufiger ansprechbar sein müssen. Da bei Teilzeitbeschäftigten mit einem erhöhten Aufwand für Personalverwaltung, Sozialleistung, Arbeitsplatzkosten, Gemeinkosten sowie Aus- und Weiterbildungskosten zu rechnen ist, dürften einer weiteren Ausweitung dieser Beschäftigungsart in Hochschulrechenzentren Grenzen gesetzt sein, zumal keineswegs sicher ist, daß diesen erhöhten Kosten auch eine erhöhte Produktivität gegenübersteht.

Das Job-Sharing wird diese Grenzen nur wenig verschieben können. Mit dem Job-Sharing ist eine neue Spielart der Teilzeitbeschäftigung gemeint, bei der sich zwei oder mehr Mitarbeiter einen Arbeitsplatz so teilen, daß sie nicht zur gleichen Zeit arbeiten. Mit dem Job-Sharing werden, von den genannten Zusatzkosten lediglich die Arbeitsplatzkosten eingespart. Die zwischen den "Job-Sharern" erforderlichen Zeitabstimmungen dürften dagegen zu neuen Schwierigkeiten führen.