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05.05.2000 - 

Virtuelle Stellenmärkte kämpfen um Europa-Geschäft

Jobbörsen müssen mehr als nur Anzeigen bieten

Jobbörsen im Internet haben sich für viele Unternehmen als Medium zur Personalsuche etabliert. Die Branche wächst rasant, die größten kommerziellen Jobbörsen bieten zusammen mehr als 200000 freie Stellen an. Bewerberdatenbanken sollen noch mehr Nutzen für die Unternehmen bringen.Von Jürgen Scholl*

"Jobbörsen im Internet sind unverzichtbar." Für Silvia Steffens-Duch, Leiterin Personal-Marketing bei der Deutschen Bank, sind elektronische Stellenmärkte ein erfolgreiches Mittel, neue Mitarbeiter für das Unternehmen zu gewinnen: "20 Prozent unserer IT-Spezialisten sowie Investmentbanker finden wir bereits über das Internet." Claus Brauner kann diesen Trend bestätigen. Für Brauner, bei Infineon verantwortlich für den Bereich Rekrutierung, ist es selbstverständlich, Jobbörsen zu nutzen. Mehr als ein Drittel der Neueinstellungen in seinem Unternehmen erfolgt auf einen Internet-Kontakt hin.

Die jährliche Umfrage der Fachzeitschrift "Personalwirtschaft" zeigt: Internet-Stellenmärkte wachsen nach wie vor rasant. 1999 meldeten die 40 größten Anbieter 60000 freie Stellen, ein Jahr später schon 200000. Bei Einbeziehung des Angebotes der Bundesanstalt für Arbeit finden sich gegenwärtig im Internet rund 600000 Jobangebote. Mit fortschreitender Nutzung des weltweiten Netzes wenden sich virtuelle Jobbörsen nicht mehr nur an IT-Spezialisten, sondern zunehmend an Bewerber quer durch alle Berufsgruppen und Branchen. Allerdings sind in der Mehrzahl Hochschulabsolventen oder vergleichbar qualifizierte Kandidaten gesucht.

"Wir wollen zum weltweit größten Stellenmarkt im Internet werden", verkündete Roland Metzger vor einem Jahr vollmundig. Damals führte Metzger seine Firma Jobs & Adverts noch als Geschäftsführer. Seine Jobbörse dominierte in Deutschland den Markt, und die weltweite Expansion schien konsequent. Mittlerweile ist Jobs & Adverts zur Aktiengesellschaft mutiert, der Wettbewerb härter geworden und die Welt für Vorstandschef Metzger auf Europa geschrumpft. "Unser Ziel ist die Nummer eins in Europa", rückt Christopher Funk, Produkt-Manager bei Jobs & Adverts von der einstigen Zielsetzung seines Chefs ab. Mit dem durch den Börsengang im Frühjahr gewonnenen Kapital sollen die wichtigsten Märkte in Europa erschlossen werden. In Deutschland sieht man sich noch immer als Marktführer. "Wir haben 28 der Dax-30-Unternehmen als Kunden", bekräftigt Funk und verweist auf 20000 Stellenangebote in der Bundesrepublik.

Die Zusammenarbeit mit 26 der Dax-30-Unternehmen benutzt auch Ursula Triller, Geschäftsführerin bei Worldwidejobs.de, als Marketing-Argument, aber die Vergleichbarkeit der Anbieter ist ein großes Problem. Beispielsweise darf sich Worldwidejobs.de nicht mehr "größte Jobbörse Deutschlands" nennen, obwohl über diese Jobbörse auf etwa 140000 Stellenanzeigen zugegriffen werden kann. Der kostenlose Anbieter verlinkt aber im Gegensatz zu den kommerziellen Stellenmärkten ohne Kundenauftrag zu Jobanzeigen, die die Firmen selbst ins Netz gestellt haben.

Die bisherige Marktführerschaft von Jobs & Adverts akzeptiert auch Tonio Riederer von Paar. Der Chef der deutschen Tochter von Stepstone sieht sein eigenes Unternehmen europaweit vorn: Die Gesamtzahl der nationalen und internationalen Stellenangebote liegt mit 63000 Offerten deutlich vor der von Jobs & Adverts (knapp 40000). Angesichts des Börsengangs wollte Stepstone keine Zahlen für Deutschland nennen. 1994 in Norwegen unter dem Namen Jobshop gegründet, gewann Stepstone insbesondere durch Zukäufe schnell an Größe und etablierte sich 1999 in Deutschland durch die Fusion mit Careernet.

Respekt hat Riederer von Paar im europäischen Vergleich eher vor der schwedischen Firma Jobline oder dem amerikanischen Anbieter TMP. Jobline verfolgt eine ähnliche Strategie wie Stepstone, gründete bereits Firmen in Skandinavien, Frankreich, Spanien und Italien und ist seit Frühjahr - in Kooperation mit der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck - auch im deutschen Markt aktiv. Jüngster Coup von Jobline: Die Übernahme der Stellenbörse Karriere Direkt des "Handelsblatts".

International agiert auch Jobuniverse.com, der virtuelle Stellenmarkt der Verlagsgruppe International Data Group (IDG), der ebenso wie DV-Job ausschließlich IT-Profis vorbehalten ist. Derzeit sind über 20000 branchenspezifische Stellenangebote weltweit bei Jobuniverse.com im Zugriff. Die Anzeigen werden sofort nach Eingang auch auf Englisch verschlagwortet, so dass eine deutsche Anzeige, die unter Job-universe.de geschaltet wird, auch bei ausländischen Interessenten Beachtung findet.

Michael Weideneder, Geschäftsführer bei Stellenanzeigen. de, reagiert darauf gelassen. Er möchte sich an der "krampfhaften Diskussion" um eine internationale Präsenz gar nicht erst beteiligen: "Karriere und Beruf spielen sich für deutsche Arbeitnehmer auch weiter zu 70 Prozent in der Bundesrepublik ab. Genau hier sehen wir unsere Stärken."

Größter Online-Jobvermittler ist die Bundesanstalt für Arbeit: 360000 Offerten haben die Nürnberger in ihrem überregionalen Stelleninformationssystem SIS. Ein Angebot, bei dem die privaten Konkurrenten nicht mithalten können. Allerdings bietet SIS nur einen begrenzten, stichwortartigen Einblick in die Stellenanzeigen. Unter den gewerblichen Jobbörsen bleibt Jobs & Adverts das Maß für die Mitbewerber. Knapp 20000 Offerten sprechen für sich. Nummer zwei und hartnäckigster Kontrahent für Roland Metzger ist die Münchner Firma Stellenanzeigen.de mit 14000 Jobangeboten - ein Zuwachs innerhalb eines Jahres von mehr als 100 Prozent. Dahinter folgen mit großem Abstand drei Firmen, die mit einem Angebot von 5000 bis 6000 Stellen etwa gleichauf liegen: DV-Job, Jobticket und Jobware. Diese fünf Anbieter zählten auch im Vorjahresranking der Zeitschrift "Personalwirtschaft" zu den zehn erfolgreichsten Firmen.

Künftig wird eine Jobbörse nicht nur an den im Netz verfügbaren Stellenangeboten gemessen. Ein zusätzliches Kriterium ist die Qualität der Bewerberdatenbank. Darin finden sich Kandidaten, mit denen die Unternehmen von sich aus Kontakt aufnehmen. Der Anbieter der Jobbörse erfüllt dadurch teilweise die Funktion einer Agentur für Personal-Marketing, die über das Internet Bewerber rekrutiert. Neben Datenbanken für Bewerber entstehen auch Unternehmensdatenbanken, in denen Firmen nicht nur Stellenanzeigen schalten, sondern auch Imagewerbung betreiben und Auskunft über Unternehmenskultur, Karrierechancen und Vergütungsmöglichkeiten geben. "In Zukunft wird der Bewerber entscheiden, ob er mit einem Unternehmen Kontakt aufnimmt", sagt Funk.

Außerdem werden Jobbörsen daran gemessen, wie viele Bewerber den virtuellen Stellenmarkt anklicken. Hier gibt es zwei Maßstäbe: Man kann die Visits, die Besuche auf der Site, zählen. Außerdem lässt sich die Zahl der aufgerufenen Seiten (Page Impressions) ermitteln. "Diese Vergleiche hinken", warnt Riederer von Paar, denn die Zahlen böten keinen verlässlichen Maßstab. Zu leicht könne man die Zugriffszahlen manipulieren, weiß auch Funk. Erst eine Überprüfung durch die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (IVW) kann Gewissheit schaffen. Doch weniger als ein Viertel der Anbieter hat sich bislang von der IVW zertifizieren lassen. Funk hält die Registrierung für sinnlos, da sich auch dieses Verfahren leicht überlisten lasse. Deshalb habe sich Jobs & Adverts für ein Auditierungsverfahren durch das amerikanische ABC Interactive entschieden, zu deren Kunden AOL und Netscape zählen.

Veraltete Anzeigen schaden dem Image"Es ist nicht wichtig, wer die Nummer eins bei den Zugriffszahlen ist. Der Service muss stimmen", meint Deutsche-Bank-Personalerin Steffens-Duch. Darunter versteht sie mehr als eine regelmäßige Statistik. Auf ihr Drängen hin entwickelte Jobs & Adverts beispielsweise eine Reminder-E-Mail, die den Kunden bei jedem Stellenangebot an abgelaufene Fristen erinnert und dadurch vermeidet, dass veraltete Offerten weiter im Netz stehen. Steffens-Duch hat erlebt, dass Datensätze nicht oder nur unzureichend gepflegt wurden, und der Service viele Kundenwünsche nicht beachtete. "Solche Mängel fallen dann schnell auf uns als Unternehmen zurück und beeinträchtigen das Image."

Die überwiegende Zahl der Jobbörsen bietet vergleichbare Services. Mailing-Listen für Bewerber sowie Unternehmen, Schnellsuche und Online-Bewerbungsmöglichkeiten, Tipps für Karriere und Praktikantenbörsen zählen in der Regel zu den Standard-Dienstleistungen. Künftig sollen noch weitere Elemente der Personalwerbung virtuell werden. Jobs & Adverts beispielsweise bietet bereits Assessment-Center online an, um bei einer großen Anzahl von Bewerbungen eine Vorauswahl treffen zu können. Inzwischen gibt es in Deutschland - ähnlich wie in den USA - auch Auktionen im Internet, auf denen sich Kandidaten meistbietend versteigern lassen. Bei der Jobbörse Worldwidejobs.de stellt der Arbeitsuchende in einem Online-Formular seine Fähigkeiten und Gehaltsvorstellungen dar. Wenn sich ein Unternehmen für ihn interessiert, gibt es ein Gebot über das künftige Einkommen ab.

*Jürgen Scholl ist Journalist in Frankfurt am Main.