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07.09.1984 - 

Informatiker sind begehrte Leute, doch Qualifikationen sind das A und O:

Jobhopper über dreißig in der DV ohne Chance

MÜNCHEN (ru) - Zu den kaum von der Arbeitslosigkeit gebeutelten Berufen gehören nach wie vor die der Datenverarbeitungsbranche. Gleichwohl besteht kein Grund zur Sorglosigkeit. Gefragt sind nur die sogenannten "guten Leute", Kandidaten mit fundierten Kenntnissen, wozu vor allem ein gerütteltes Maß an praktischer Erfahrung zählt. Wer sich nicht zu dieser Kategorie rechnen kann, hat das Nachsehen, ist schwer vermittelbar, wie es im Amtsdeutsch heiß. Dies gilt für Studierte und Nichtakademiker, Informatiker und Programmierer gleichermaßen.

Deutlich verbessert hat sich in den vergangenen zwölf Monaten die Arbeitsmarktsituation für Informatiker. "Wenn heute eine Firma einen Informatikabsolventen sucht, kann ich kaum damit dienen", berichtet die Vermittlungsstelle für DV-Fach- und Führungskräfte des Arbeitsamtes München. Die Nachfrage allerdings konzentriert sich nur auf diejenigen, die den hochgeschraubten Erwartungen der Unternehmen entsprechen: Unter 30 Jahre, keine schlechten Zeugnisnoten und gutes Auftreten sind die Voraussetzungen. Dazu kommt als wichtigste Komponente praktisches Wissen. Für den Berufsanfänger steht der Start in den vielzitierten "Ernst des Lebens" nur dann offen, wenn er bereits während der Ausbildung praxisbezogen gearbeitet hat.

Auch das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung der Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit bestätigt das gewachsene Vertrauen der Wirtschaft in den Beruf des Informatikers. Dr. Frank Dostal, wissenschaftlicher Mitarbeiter dieser Einrichtung: "Zunächst haben die Unternehmen gezögert, Informatikabsolventen einzustellen, da die Ausbildung ihnen oft zu theoretisch erschien." Doch dieses Denken sei mittlerweile anderen Erkenntnissen gewichen.

DV-Firmen umwerben "ihren" Nachwuchs an den Universitäten heute mehr denn je. Die Industrie bietet in zunehmendem Umfang Praktika für höhere Semester an, die bei den Studenten guten Zuspruch finden. Vielfach rekrutieren sich die neuen Mitarbeiter einer Firma eben aus den Werkstudenten.

Ein Trend lasse sich, so Dostal, in jüngster Zeit immer deutlicher ablesen: Viele Informatiker gehen nach dem Studium nicht gleich zum Anwender, sondern zu einem Hersteller, einem Berater oder einem Leasing-Unternehmen. Alter und Berufserfahrung, sprich Qualifikation, sind derzeit die wichtigsten Kriterien, die in der DV-Branche über die Alternative Job oder Arbeitslosigkeit entscheiden. Mit 35 Jahren kann man hier schon zum alter Eisen gehören.

Denn wer heute in diesem Alter eine Umschulung zum DV-Kaufmann macht, hat den Wind auf dem Arbeitsmarkt nicht gerade im Rücken. Darin stimmen die Vermittlungsstellen für DV-Kräfte der Arbeitsämter in München und Hamburg überein. Biologen, Mathematiker, Pädagogen und andere Hochqualifizierte ohne Anstellung, die in ihrer Not plötzlich ein Herz für die informationsverarbeitenden Berufe entdecken und sich beispielsweise zum EDV-Fachmann fortbilden lassen, kommen nicht selten Vom Regen in die Traufe. Konstatiert Eicke Lenz, zuständig für die Vermittlung von DV-Fachleuten beim Münchner Arbeitsamt: "Diese Leute sind zwar keine 4000 Mark, dafür möglicherweise 2500 Mark wert. Aber die Firmen machen einfach nicht mit. Sie sind nicht bereit, minder Qualifizierte einzustellen und dann einzuarbeiten." Die Möglichkeit einer Anstellung für diese DV-Neulinge hängt nicht zuletzt entscheidend von dem Renommee der Ausbildungsstätte ab, fügt die zuständige Vermittlungsstelle des Hamburger Arbeitsamtes hinzu.

Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt haben auch DV-Fachleute, die einseitig auf das System eines Herstellers ausgerichtet sind und die neuen Bertriebssysteme nicht beherrschen. Dostal: "Es gibt heute noch eine Menge DV-Leute, deren Wissen über das Lochkartenzeitalter nicht hinausgekommen ist. So gibt es diverse Firmen, die mit Geräten arbeiten, die vom heutigen Stand der Technik völlig veraltet sind." Erscheinen diese "OIdies" der Datenverarbeitung auf dem Arbeitsmarkt, wird es schwierig.

Härter werden die Zeiten jetzt auch für DV-Fach- und Führungskräfte um die 40 Jahre. Sie sind in die Datenverarbeitung hineingekommen, als es noch kein Studium in dieser Fachrichtung gab und haben eine Ausbildung anderer Art. Arbeitslose dieses Qualifikationsniveaus stoßen bei Arbeitgebern nicht selten auf Vorbehalte. Oftmals wollen Unternehmen, so Dostal, jetzt lieber einen Informatiker haben. Für Berufserfahrene sei daher immer ein Problem der Nachweis ihrer Qualifikation.

Höchstgrenze 40 Jahre und Qualifikationen, die immer auf dem neuesten Stand der Entwicklungen sind, entscheiden auch über den Arbeitsmarkt von Programmierern. In diesem Bereich gilt ebenso wie bei den Informatikern, daß der Bedarf an qualifizierten Leuten nicht gedeckt werden kann. Wer mit seinem Wissen nicht up-to-date ist und nicht über eine zweijährige praktische Erfahrung verfügt, ist out.

Vor dem Hintergrund der erwähnten Voraussetzungen haben Organisationsprogrammierer laut Arbeitsamt Hamburg keine schlechten Karten. Wesentlich seltener allerdings werden Anwendungsprogrammierer nachgefragt. Geradezu schlecht gestaltet sich die Situation für Operator, die mehr und mehr durch die Dezentralisierung verdrängt werden.

An einer Karriere vorbeigegangen ist auch, wer den Beruf des DV-Kaufmanns gewählt hat. Im September 1983 waren 598 DV-Kaufleute als arbeitslos registriert. Dieser Zahl standen nur 14 offene Stellen gegenüber. Die Nachfrage ist gleich null. Möglichkeiten bestehen höchstens bei großen Unternehmen im Vertrieb.