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12.03.1999 - 

Joint-venture mit Cincom soll Tür zum Weltmarkt aufstoßen

Joint-venture mit Cincom soll Tür zum Weltmarkt aufstoßen Front-Office-Geschäft: Orbis legt sich mit der SAP an

Von Beate Kneuse MÜNCHEN - Gemeinsam mit der US-Softwareschmiede Cincom will das Saarbrücker Software- und Beratungshaus künftig im Weltmarkt für das Customer-Relationship-Management (CRM) mitmischen. Was bei SAP nicht gerade Begeisterung auslösen dürfte. Denn die Saarbrücker sind Logopartner des Walldorfer Softwareriesen, der selbst in diesem lukrativen Markt Fuß fassen will.

Der weltweite Markt für CRM-Systeme boomt. Der Gartner Group zufolge soll er im Jahr 2002 ein Volumen von rund fünf Milliarden Dollar erreichen. Kein Wunder also, daß die großen Enterprise- Resource-Planning-(ERP-) Anbieter vehement in dieses Business drängen. Zumal ihr Stammgeschäft bei Großkunden weitgehend ausgereizt ist, wie Analysten seit Monaten feststellen und was auch die jüngsten, nicht ganz so berauschenden Ergebnisse bei SAP, Peoplesoft und J.D. Edwards belegen. Über Zukäufe einschlägiger Softwarespezialisten für Vertrieb, Marketing und Services oder Kooperationen mit diesen Firmen (SAP übernahm Kiefer & Veittinger, Baan angelte sich Aurum und Matrix, Peoplesoft paktiert mit Siebel) versuchen die Standardsoftware-Giganten seit einiger Zeit, sich im CRM-Markt zu positionieren. Ein Feld, in dem Nischenanbieter wie die Saarbrücker Orbis GmbH allerdings bereits seit Jahren zugange sind.

Die Offensive der Großen scheint Orbis-Geschäftsführer Klaus Kieren wenig zu beeindrucken. Im Gegenteil: "Der Markteintritt von SAP & Co. hat dem Geschäft zu mehr Dynamik verholfen. Selbst sind die Großen bislang noch nicht sonderlich in Erscheinung getreten", erklärt er. Schon 1994 hat Orbis begonnen, erste Außendienst- und Vertriebslösungen zu entwickeln. Auf der CeBIT wollen die Saarbrücker eigenen Angaben zufolge mit "Orbis IC Solutions" bereits die dritte Softwaregeneration vorstellen, die auf zeitgemäßer Komponententechnologie basiert. Und, so gibt sich der Orbis-Chef selbstbewußt, man kenne die ERP-Welt. Seit Mitte der 90er Jahre ist Orbis SAP-Logopartner und implementiert bei mittleren und großen Unternehmen das Walldorfer Paradeprodukt R/3.

Gerade aufgrund dieser Konstellation sieht sich Orbis prädestiniert dafür, künftig kräftig in den Gefilden des ERP- Weltmarktführers zu wildern. Zwar werden die Orbis- Verantwortlichen nicht müde zu betonen, daß ihre Produkte über Schnittstellen zu allen gängigen betriebswirtschaftlichen Standardsystemen verfügen. Die enorme Anzahl an R/3-Installationen weltweit und die eigenen SAP-Kenntnisse dürften indes dazu verlocken, die eigene CRM-Lösung auch bei den R/3-Anwendern zu vermarkten.

Dazu gilt es aber vor allem, die internationale Präsenz auszubauen. Mit dem US-Softwarehaus Cincom Systems (1986 in Cincinnati/Ohio gegründet, rund 1200 Mitarbeiter weltweit) vereinbarte man jetzt ein weltweites Vertriebs- und Marketing- Joint-venture. Das Gemeinschaftsunternehmen namens Orbis Cincom IC Solutions, an dem beide Partner gleichrangig beteiligt sind, wird seinen Sitz in der Nähe von Washington D.C. haben und zielt offenkundig darauf ab, die neue Orbis-CRM-Software vor allem der US-amerikanischen SAP-Klientel schmackhaft zu machen.

Darüber hinaus werden sich die Saarbrücker, die momentan rund 170 Mitarbeiter beschäftigen, in den kommenden Monaten eine neue Firmenstruktur geben. Das SAP-Beratungsgeschäft wird von den CRM- Aktivitäten abgekoppelt (siehe CW 9/99, Seite 61). Beide Bereiche sollen künftig als eigenständige AGs unter einem Holding-Dach operieren, wobei bislang mit Orbis IC Solutions AG nur der Name für das Geschäft mit der Kunden-Management-Software feststeht.

Daß die Umfirmierung auf Druck der SAP erfolgte, die eigene Engagements ihrer Logo-Partner höchst ungern sieht, weist das Orbis-Management von sich. "Wenn dem so wäre, hätten wir nicht Orbis in den Firmennamen gesetzt. Und unser Geschäftszweck ist es schließlich nicht, die SAP glücklich zu machen", argumentiert Geschäftsleitungsmitglied Markus Backes. Vielmehr seien die Gründe darin zu sehen, daß das CRM-Business künftig ein ganz anderes Wachstumstempo an den Tag legen werde als der (R/3-)Consulting- Bereich. Dafür müsse man jetzt die Weichen stellen. In drei Jahren wollen die Saarbrücker rund 150 Millionen Mark mit CRM-Produkten einnehmen. Um diese Wachstumsziele zu erreichen, sei für die Orbis IC Solutions deshalb auch die Rechtsform der AG gewählt worden - mit dem Ziel, mittelfristig an die Börse zu gehen.

Beate Kneuse ist freie Journalistin in München.