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19.12.1975 - 

Anwenderbericht: ERNO Raumfahrttechnik GmbH, Bremen

Jumbos mit Remote Batch Terminals nutzen

Die ERNO-Raumfahrttechnik GmbH in Bremen braucht Großrechner, um eine Vielzahl hochintegrierter Programme in kürzesten Zeiträumen durchzufahren. Zudem sind technisch-wissenschaftliche Programme nur eine Seite des EDV-Problems: Projektplanung erfordert auch kaufmännische Datenverarbeitung auf der Grundlage technischer Berechnungen. Tatsächlich arbeiten industrielle Großunternehmen oft mit mindestens einem Rechner, der für technische Berechnungen, und (mindestens) einem, der für kaufmännische Programme besonders geeignet ist (klassische Kombination: Univac oder CDC für technisch-wissenschaftliche Anwendung, IBM für kaufmännische). Naturgemäß ergeben sich Schwierigkeiten, Verarbeitungsergebnisse des einen Systems ohne Umweg über erneute Eingabe in das andere, nicht kompatible System zu bewerkstelligen. Außerdem sind zwei Großrechnersysteme eine sehr teure Angelegenheit. Bei der ERNO kommt hinzu, daß Auftraggeber und Mitauftragnehmer mit eigenem Rechenzentrum in vielen Fällen direkten Zugriff zu unseren Daten und umgekehrt haben sollen.

Remote Batch als "Schnittstelle"

Wir, setzen Data 100 Terminal als Remote Batch Station ein, ergänzt durch ein Datensammelsystem speziell für den Einsatz am Remote Batch Terminal. Es heißt Keybatch und stammt ebenfalls von Data 100. Das Terminal verbindet uns mit einer CDC 6500 und einer IBM 370/158 der Schwesterfirma VFW-Fokker in Bremen sowie mit den öffentlichen Service-Rechenzentren CDC 6600 und UNIVAC 1108 in Frankfurt. Mit anderen Rechnern arbeiten wir bei Bedarf. Damit lösen wir alle oben angedeuteten Probleme:

- Einschließlich Leitungskosten und Rechnerzeit wenden wir einen Bruchteil dessen für unseren Batch Terminal-Betrieb auf, was zwei oder gar drei eiserne Computer kosten würden.

- Wegen der binnen Minuten umrüstbaren Übertragungsprozeduren kann das RBT als eine Art "Schnittstelle", oder "Konverter" dienen: Technisch-wissenschaftliche Daten vom CDC-Rechner werden auf Magnetband genommen und mit der passenden Übertragungsprozedur an die IBM weitergegeben.

- Da Übertragungsprozeduren für praktisch alle eingeführten Rechnersysteme verfügbar sind, besteht keine Schwierigkeit, mit den Rechenzentren unserer Mitauftragnehmer und dem Auftraggeber Daten auszutauschen. Auf diese Weise können wir als "Knotenpunkt" verschiedene Firmen untereinander verbinden.

Flexibel, weil Hersteller-unabhängig

Die Herstellerunabhängigkeit führt zu größtmöglicher Flexibilität und hat insbesondere folgenden großen Vorteil: ERNO kann ohne großen Aufwand schnell auf benötigte und irgendwo auf dem Markt verfügbare Software zugreifen, ohne diese Software kaufen oder mieten zu müssen, wie es beim Betreiben eines eigenen Rechenzentrums der Fall wäre.

Unsere Datenbanksoftware haben wir zum Beispiel in Holland gefunden. Sie heißt System 2000 und wird uns von der Firma Control Data in Den Haag auf einer CDC-Anlage über das bekannte CYBERNET zur Verfügung gestellt. ERNO benutzt hierbei lediglich die zum CDC Data Center in Frankfurt bereits bestehende Standleitung für Batch und Timesharing-Anwendungen. Die Weiterführung nach Holland übernimmt CDC mit CYBERNET.

In Frankfurt steht die Service 1108 von und bei UNIVAC, mit der wir thermodynamische Programme fahren. Zu unserem Hauptauftraggeber ESTEC (European Space Research and Technology Centre) in Nordwijk (Holland) planen wir eine Remote-Batch-Verbindung zu deren ICL 4/,72-Computer. VFW-Fokker/ERNO wurde von der europäischen Weltraum-Organisation ESA die Systemführung für das bedeutendste europäische Raumfahrtprojekt SPACELAB übertragen, was einen ungefähren Eindruck von der Komplexität unserer Aufgaben und ihrer Lösung mittels EDV gibt.

Während hier geschildert wurde, wie ERNO seine EDV-Aufgaben ohne eigenen Rechner löst, steht ein weiteres Problem an, das unter Einsatz von Data 100-Terminals gelöst werden soll: Der Verbund der Rechner der Firmengruppe VFW-Fokker in Bremen und Amsterdam mit ERNO als Schaltzentrale. Ein Konzept, das je eine Siemens- und DEC 10-Anlage in Amsterdam mit der CDC 6500 und IBM 370/158 in Bremen verbindet, besteht bereits. Durch den Rundherum-Betrieb sind begreiflicherweise die EDV-Kapazitäten des Firmenverbandes weit besser ausgelastet, als dies sonst möglich wäre.

Das Keybatch-Datensammelsystem arbeitet mit verschiedenartigen Bedienungshilfen, die sowohl bei der technischen wie bei der kaufmännischen Datenerfassung eine problemlose Arbeit ermöglichen: Der Ingenieur will sich auf sein Problem und nicht auf die Eingabevorschriften konzentrieren. Dem "lehrenden Bildschirm" kommt dabei die entscheidende Rolle zu. Führungsmasken, Status- und Fehlermeldungen leiten den Benutzer aktiv durch das Arbeitsprogramm. Mehr und mehr gehen unsere technischen Spezialisten dazu über, am Bildschirm selbst zu programmieren und Programme zu testen. Viele Verarbeitungsaufgaben kann das System selbst vornehmen, zum Beispiel sortieren und auswählen.

ERNO setzt zwei Steuereinheit des Remote Batch Terminals Typ 78 von Data 100 ein (auch für Offline-Verarbeitung neben der Datenfernübertragung), zwei Zeilendrucke mit 600 und 1200 Zeilen/Min, zwei Kartenleser mit je 600 Karten/ Min. und zwei Bandstationen 9-Spur 800 bpi. Das Keybatch mit 5-Megabytes auf Platte verfügt über neun Bildschirme mit Tastatur, von denen einer remote (Entfernung 2 km) im ausgegliederten Arbeitsbereich Konstruktion eingesetzt ist.

*Dipl.-Ing. Klaus Vogeler ist Leiter der Datenverarbeitung bei der ERNO Raumfahrttechnik in Bremen.