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14.09.1979

Junge Branche mit alten Gewohnheiten:Konservative Gehaltspolitik Für EDV - Frauen gut genug

Unter Arbeitsmangel leidet die Datenverarbeitung nicht. Daß EDV-Kräfte Mangelware sind, ist bekannt. Entsprechend gute Einkommen lassen sich in diesem Bereich erzielen. Unter einer Bedingung: Man muß schon männlichen Geschlechts sein, sonst fallen die Gehälter trotz Boom eher bescheiden aus. Selbst hochqualifizierte Frauen scheitern mit ihren Gehaltswünschen an den Hürden männlichen Selbstverständnisses, sogar in dieser jungen und eher unkonventionellen Branche.

Frauen sind relativ selten in EDV-Positionen anzutreffen. Nur 23 Prozent aller EDV-Kräfte sind weiblichen Geschlechts. Berücksichtigt man die vielen Datentypistinnen nicht (Datentypisten gibt es sowieso kaum), beträgt der Frauenanteil nur noch zehn Prozent. Rechnet man noch einmal die EDV - Funktionen mit mehr kaufmännischem Einschlag wie EDV-Sachbearbeiter, Datenverarbeitungskaufmann,- Vertriebsbeauftragter ab, bleiben fünf Prozent Frauen. Eine Leiterin Programmierung, eine Leiterin Rechenzentrum oder eine Leiterin Datenbank und Datensicherung gibt es nach der Kienbaum-Studie* * nicht. Ein Prozent der Leiter Organisation und Datenverarbeitung; zwei Prozent der Leiter EDV-Organisation sind Frauen.

In anderen Wirtschaftsbereichen steht es mit der Präsenz des weiblichen Geschlechts nicht besser: Sie sind grundsätzlich in der Minderzahl, wenn es um qualifizierte Posten geht. Je höher eine Position in der Hierarchie angesiedelt ist (und damit auch das dazugehörige Einkommen steigt), desto seltener werden Frauen. Von etwa 5000 Führungskräften, deren Gehaltssituation die Gummersbacher Unternehmensberatung jährlich durchleuchtet, waren 1979 nur 2,3 Prozent Frauen. Auf Abteilungsleiterebene waren es noch 2,8 Prozent, auf Hauptabteilungsleiterebene nur 1,8 Prozent. Nicht einmal jeder 100ste Geschäftsführer in Deutschland ist eine Frau. Und das, obgleich fast 40 Prozent aller Erwerbstätigen Frauen sind, 52 Prozent aller Angestellten und immerhin 21 Prozent aller Selbständigen. Die Quote in Führungspositionen ist im übrigen seit 20 Jahren unverändert.

Nicht schlechter

aber ungleich preiswerter

Wenn Frauen dann trotz der geringen statistischen Wahrscheinlichkeit in Führungspositionen oder sonstige männliche Domänen (wie die EDV) vorgedrungen sind, verrichten sie ihre Arbeit zwar nicht schlechter als ihre männlichen Kollegen, aber ungleich preiswerter. So verdienen Frauen in der Datenverarbeitung im Durchschnitt aller Positionen 30 000 Mark jährlich. Männer kommen auf 50 000 Mark.

Wenn man weiß, daß Männer die qualifizierteren Jobs besetzen, Frauen hingegen verstärkt in Positionen wie die der Datentypistin, der Sachbearbeitern etc. tätig sind, ist das geringe Gehalt nicht verwunderlich. Nachdenklich stimmt aber, daß Frauen auch in durchaus vergleichbaren Positionen weniger verdienen. Als Leiterin der Organisation und Datenverarbeitung beträgt der Abschlag 26 000 Mark jährlich, als Organisatorin 15 000 Mark, als Systemprogrammiererin fast 9000 Mark. Als Operatorin muß sie 5000 Mark und als Datenverarbeitungskaufmann (-frau) 3000 Mark Abschlag im Jahr hinnehmen. Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen. In Führungspositionen der ersten Ebene unterhalb der Geschäftsführung erhalten Männer zirka 85 000 Mark jährlich an Gehalt, Frauen. 70 000 Mark. Eine Ebene darunter als Abteilungsleiterin sieht es nicht besser aus: Frauen erhalten gute 50 000 Mark, Männer kassieren für gleiche Arbeit runde 65 000 Mark. Der Einkommensvergleich zwischen Mann und Frau in Geschäftsleitungspositionen entfällt mangels Masse.

Schlechtere Ausbildung

auch ein Handikap

Ein großes Handikap für die Frauen stellt ihre schlechtere formale Ausbildung dar. 60 Prozent der weiblichen Führungskräfte haben Volksschulabschluß oder Mittlere Reife. Nur neun Prozent sind Hochschüler und gerade zwei Prozent haben promoviert. Bei den Männern haben immerhin fast ein Viertel der Führungskräfte Hochschulabschluß, sieben Prozent den Doktortitel.

Und ein Mehr an Wissen zahlt sich aus, denn einer der wesentlichsten Karriereschrittmacher bleibt die Ausbildung. Mit steigender Hierarchie steigt auch der Anteil der besser Ausgebildeten. In der zweiten Führungsebene unterhalb der Geschäftsleitung haben die Führungskräfte mit Mittlerer Reife und mit Technischem Hochschulabschluß noch mit fast 50 Prozent die Oberhand. Hochschüler finden sich nur zu 16 Prozent. .Aber schon in der nächst höheren Ebene sind letztere mit 30 Prozent in der Mehrzahl. Auf Geschäftsführerebene verstärkt sich der Trend noch weiter. Diese Zahlen verdeutlichen, wie gering die Aufstiegschancen der Frau allein aufgrund ihrer schlechteren Ausbildung sein dürften.

Eigentlich müßte unter diesen Gesichtspunkten der geringe Frauenanteil in der Datenverarbeitung verwundern. In diesem jungen Bereich kann man sich auch ohne qualifizierten Ausbildungsabschluß durch gezielte Schulung recht gut emporarbeiten. Die männlichen Kollegen haben das vorexerziert. Für Frauen endet die EDV-Karriere in den meisten Fällen bereits da, wo sie für sie beginnt, in der Datenerfassung als Typistin. Die verbreitete, aber unzutreffende Gleichsetzung von Datenverarbeitung und Mathematik hält offenbar die meisten Mädchen von vornherein von anspruchsvolleren EDV-Aufgaben ab.

Größtes Karrierehindernis auf dem Wege in Führungspositionen dürften allerdings die Vorurteile, denen Frauen bislang ausgesetzt sind, sein, mit denen sie vermutlich noch eine ganze Zeit werden leben müssen. Mangelndes Durchsetzungsvermögen, sowie ungenügende Führungsqualitäten sind noch die harmlosesten Unterstellungen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung befragte einmal Vorgesetzte nach möglichen Argumenten, die gegen Frauen in Führungspositionen sprechen könnten. Konkret formulieren konnten nur wenige ihre Vorbehalte. Die meisten glaubten, Frauen würden weder von Kollegen noch von Untergebenen und schon gar nicht von Geschäftspartnern anerkannt.

*Christian Näser ist Mitarbeiter der Kienbaum Unternehmensberatung, Gummersbach.

**Es gibt RZ-Leiterinnen in der Bundesrepublik.