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16.01.1987

Junge Programmierer können erfahrene Kollegen nicht ersetzen

"Zwölfender" nennt man in der DV-Branche meist spöttisch Programmierer mit einer langen Firmenzugehörigkeit. Sie müssen sich oft den Vorwurf anhören, sie seien betriebsblind, wenig flexibel und verfügten über ein veraltetes Wissen. Dennoch scheinen DV-Profis mit längerer Berufserfahrung in der Beliebtheitsskala eher die oberen Ränge einzunehmen. Werner Schulz bei Apollinaris beispielsweise findet sie hervorragend geeignet für die Ausbildung des Nachwuchses und die Durchführung komplexer Aufgaben. Die Krupp Stahl AG in Bochum dagegen benötigt Zwölfender mit besten Kenntnissen über bestehende Abläufe und unternehmensinterne Zusammenhänge für die Entwicklung neuer Systeme und die Pflege vorhandener Anwendungen. Allerdings komme es wie bei einem guten Cocktail auch in einer DV-Abteilung auf die richtige Mischung an. Die wohl erstrebenswerteste Teamzusammensetzung sieht Helmut Bender von Bertelsmann in einem gesunden Mix aus erfahrenen Mitarbeitern und jungen Stürmern und Drängern sowie gelegentlichen Quereinsteigern.

Werner Schulz

DV-Leiter, Apollinaris Brunnen AG, Bad Neuenahr-Ahrweiler

Herzlich unwillkommen, Zwölfender. Warum sind sie eigentlich so unbeliebt? Sind sie wirklich alle so überheblich, im Gestrigen verhaftet, ablehnend für Neuerungen, lernunwillig oder sogar lernunfähig? Oder sind es wieder einmal nur einzelne Typen, die einer ganzen Gruppe einen schlechten Ruf einbringen?

Haben sie auch Vorteile? Waren sie schon vor ihrer Zwölfenderzeit in Unternehmen verschiedener Branchen? Können sie vielleicht durch Ruhe und Gelassenheit einen positiven Einfluß auf die Atmosphäre einer Abteilung nehmen und die jungen Gipfelstürmer (auch notwendig) mit Sachkenntnis und Erfahrung beraten? Sie sind beispielsweise hervorragend geeignet zum Ausbilden des Nachwuchs - DV-Kaufleute und andere. Und braucht es nicht gestandene Fachleute mit großer Sachkenntnis und Erfahrung für die Durchführung so komplexer Aufgaben wie Datenbanken, Informationssysteme, Standardsoftware und was da alles noch so kommen mag?

Für einen Chef ist es natürlich sehr schwierig, mit einem reiferen Kollegen erfolgreich zusammenzuarbeiten, aber eine DV-Abteilung kann nur dann gut und erfolgreich sein, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen und - bitte-schön - auch am gleichen Ende.

Wie üblich wird die Wirklichkeit irgendwo in der Mitte zwischen den Polen liegen; trotzdem ist mein Fazit eher ein "Herzlich willkommen, Zwölfender''.

Helmut Bender

DV-Leiter, Reinhard Mohn GmbH, Bertelsmann Datenverarbeitung, Gütersloh

Trotz mittlerweile mehr als 30 Jahren Datenverarbeitung ist die Branche nicht "in die Jahre gekommen" - sie präsentiert sich dynamisch wie eh und je. Die Innovationsgeschwindigkeit nimmt eher noch zu als ab. Das DV-Wissen schlägt sich mit jeder neuen Computergeneration einmal um - und wir haben derer mittlerweile mindestens drei hinter uns gebracht. Mitarbeiter in der Datenverarbeitung müssen sich daher einem permanenten Lernprozeß unterziehen, und die Aufgabenerfüllung verläuft auch weiterhin nicht immer "in geruhsamen Bahnen".

Der Schluß liegt nahe, daß man da mit jungen Mitarbeitern, "versehen mit den neuesten Weihen der Informatik" und auf dem Höhepunkt ihrer physischen Leistungsfähigkeit, eigentlich am besten fahre. Daß dem nicht so ist, zeigt die tägliche Praxis. Es ist eben ein großer Unterschied zwischen Wissen und Erfahrung. Das methodische Angehen einer Aufgabe mit einem durch langjährige Erfahrung erworbenen "intuitiven" Vermeiden von Fallstricken läßt sich beispielsweise nicht durch noch so viel "Theorie" oder "Sturm und Drang" ersetzen. Wir haben darüber hinaus bei der Bertelsmann Datenverarbeitung die Erfahrung gemacht, daß auch ältere Mitarbeiter moderne Konzepte, beispielsweise das Software-Engineering, bereitwillig aufgreifen.

Nicht hoch genug einzuschätzende Faktoren im Mitarbeiterprofil sind aber auch Kenntnisse über das Unternehmen und die Integration in die jeweilige "Unternehmenskultur". Eine langjährige Firmenzugehörigkeit ist daher in aller Regel sehr erstrebenswert, wenn man dabei die beiden Klippen "Wissensveralterung" und "Betriebsblindheit" vermeidet.

Für das DV-Management bedeutet das zweierlei:

* DV-Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen zu binden - durch interessante Aufgabenstellungen, aber auch durch persönliche Entwicklungsmöglichkeiten. Denn die Datenverarbeitung erfordert eine hohe Mitarbeiterqualifikation und "paßt" vielfach nicht in die normalen Organisationsstrukturen. Da die gehaltliche Entwicklung üblicherweise aber gekoppelt ist an eine Entwicklung in der Führungslaufbahn, entsteht so leicht ein "Beförderungsstau" - weil es so viele Manager-Positionen gar nicht geben kann. Ein fachlich exzellenter Mitarbeiter hat aber auch vielfach nicht die Neigung zur Personalverantwortung - einen Ausweg hierfür bietet daher eine parallel zur Führungslaufbahn angelegte gleichwertige Fachlaufbahn, wie sie derzeit bei der Bertelsmann Datenverarbeitung eingeführt wird.

* Erfahrung und das Wissen der Mitarbeiter sind ein wertvolles Kapital, das es zu erhalten gilt. Neben dem permanenten "Training on the Job" durch fordernde Aufgaben wendet daher die Bertelsmann Datenverarbeitung beispielsweise je Mitarbeiter in der Software-Entwicklung im Schnitt zehn Arbeitstage im Jahr für interne oder externe Schulungsmaßnahmen auf, damit diese in ihrem jeweiligen Aufgabengebiet "geistig fit" bleiben.

Datenverarbeitung ist notwendigerweise gekoppelt an Teamarbeit. Ein gesunder Mix von erfahrenen Mitarbeitern und jungen "Stürmern und Drängern" sowie gelegentlichen "Quereinsteigern" ist die letztlich wohl erstrebenswerteste Teamzusammensetzung. Unabhängig davon gilt jedoch auch in der Datenverarbeitung, daß die Leistung eines Mitarbeiters, nicht so sehr eine Frage seines "physischen" Alters, sondern eher die seines "geistigen" Alters ist.

Heinz Brill

DV/Org.-Leiter, Krupp Stahl AG, Bochum

In der Stadt, in der ich wohne, gibt es einen Sportverein, der schon seit Jahren so gut wie kein neues Mitglied aufgenommen hat. Auf jeder Mitgliederversammlung ist zu spüren: Hier sind nur Zwölfender am Werk.

Sie kennen zwar alle Tricks, um an ein paar Förderungsgelder zu kommen und die alten Sportgeräte optimal zu nutzen. Auch erfolgen die Zahlungen der Verbandsbeiträge stets pünktlich, und auf Versammlungen streitet man sich kaum. Doch der sportliche Erfolg bleibt aus. In den Ergebnistabellen rutscht man allmählich tiefer und tiefer.

Ein anderer Verein wurde kürzlich gegründet. Hier tut man sich schwer, die benötigten Finanzen bei den richtigen Steilen zu beantragen. Ein abgestimmtes Programm an Sportgeräten steht nicht zur Verfügung, Zahlungstermine werden verpaßt, und bei den hektischen Mitgliederversammlungen kommen keine einheitlichen Meinungen zustande.

Auch hier stellt sich der sportliche Erfolg nicht ein. Der Aufstieg in die nächsthöhere Klasse wird und wird nicht geschafft.

In den sportlich erfolgreichen Vereinen meiner Stadt findet man viele alte Hasen, die schon seit langer Zeit dazugehören, und viele neue Mitglieder, die für den nötigen frischen Wind sorgen.

Wie bei den Sportvereinen ist es bei den DV-Abteilungen großer Unternehmen. Um erfolgreich auf das Unternehmen zugeschnittene neue Systeme entwickeln und vorhandene Anwendungen pflegen zu können, werden Zwölfender mit besten Kenntnissen über bestehende Abläufe, unternehmensinterne Zusammenhänge, schon verfügbare Programme und Datenbestände benötigt.

Aber auch Programmierer, die in anderen Arbeitsumgebungen Erfahrungen gesammelt haben und über eine hohe Lern- und Risikobereitschaft verfügen, werden gebraucht, damit neue oder unkonventionelle Ideen und Vorgehensweisen eingebracht werden.

Erst mit solchen Programmierern kann es gelingen, eine große DV-Abteilung auf moderne Techniken wie zum Beispiel Sprachen der vierten Generation, Prototypverfahren oder Spezifikationssprachen auszurichten. Und dies ist ja bekanntlich notwendig, um langfristig den hohen Anforderungen der Endbenutzer zu entsprechen.

Einseitig strukturierte DV-Abteilungen mit ausschließlich Zwölfendern oder ohne jeden Zwölfender werden kaum erfolgreich sein können. Wie bei einem guten Cocktail kommt es auch hier auf die richtige Mischung an. Ein optimales Mischungsverhältnis läßt sich aber wohl nicht angeben. Dies ist sicher von Unternehmen zu Unternehmen, von Branche zu Branche unterschiedlich.