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10.05.1985 - 

Anwendungsprogramm von Nixdorf noch nicht optimal:

"Jupiter" und "Renodat" für Rechtsanwälte im Vergleich

Der Bericht "Mit der 8870 sind Anwälte schlecht bedient" (CW Nr. 11 vom 15. März 1985) hat einigen Wirbel ausgelöst. So wurde von Nixdorf-Anwendern insbesondere ins Feld geführt, die Kritik an der Jupiter-Software sei nicht objektiv. DV-Spezialist Björn Bennert hat "Jupiter" für einen Rechtsanwalt* getestet und in seiner Untersuchung dem Paket "Renodat" gegenübergestellt, das auf dem System /36 von IBM läuft. Hier nun sein Vergleich.

Die Rechner IBM /36 und Nixdorf 8870 kann man nicht "vergleichen", weil sie technisch zwei verschiedenen Computergenerationen angehören.

Daher werden hier nur die Kriterien zur Beurteilung herangezogen, die bei beiden Rechnern Einfluß auf den Preis beziehungsweise auf den Nutzen der Investition haben:

- Hauptspeicherorganisation,

- Plattenspeicherorganisation,

- Betriebssystem und

- technischer Service.

Hauptspeicherorganisation

Die Hauptspeichernutzung hat erheblichen Einfluß auf die Anwortzeiten an den Bildschirmen und damit auf die Leistung der Bedienungskräfte.

Beim IBM-System /36 wird ein Programm oder ein Programmteil nur einmal in den Hauptspeicher geladen, auch wenn es von mehreren Anwendern gleichzeitig benutzt wird.

Bei der Nixdorf 8870 werden gleiche Programmroutinen mehrfach in den Hauptspeicher kopiert, wenn sie von verschiedenen Bildschirmen aufgerufen werden.

Bei gleicher Hauptspeichergröße können daher am IBM-System /36 mehr Bildschirme gleichzeitig aktiv sein - wobei die Antwortzeiten unverändert bleiben. Oder anders herum: Die Antwortzeiten sind beim IBM-System /36 kürzer, wenn an beiden Rechnern die gleiche Zahl von Bildschirmen angeschlossen werden.

Plattenspeicherorganisation

Die Plattenspeicher-Nutzung ist das Kriterium für die Größe der benötigten Plattenspeicher-Kapazität schlechthin. Bei möglichst "lückenloser" Lagerung der Daten können natürlich mehr Informationen gespeichert werden.

Auf der Magnetplatte der Nixdorf 8870 müssen die Bereiche für die verschiedenen Dateien von vornherein in ihrer maximalen Ausdehnung reserviert werden. Überschreiten die Daten das gesetzte Limit, kann nur der Nixdorf-Spezialist die Grenzen der Datei erweitern. Das verführt dazu, möglichst "große" Dateien anzulegen. Dabei bleibt viel Speicherkapazität ungenutzt.

Beim IBM-System /36 sind die Dateigrenzen fließend. Sie enden dort, wo die Daten aufhören. Die Platte speichert keine "heiße Luft"

Betriebssystem

Die Qualität eines Betriebssystems zeigt sich darin, daß es dem DV-Laien die Hardware auf möglichst einfache Weise nutzbar macht und er so den EDV-Spezialisten möglichst selten zu Rate ziehen muß.

Für den Kundigen ist es wichtig zu wissen, ob alle Hardware-Ressourcen so intensiv wie möglich genützt werden (siehe Hauptspeicher- und Plattennutzung).

Das IBM-System /36 erlaubt die Bildschirmarbeit auf zwei Ebenen. Das heißt, der Bediener kann bei Bedarf ein Anwendungsgebiet, etwa die Textverarbeitung, verlassen, um Mandanten-Daten anzulegen und dann per Knopfdruck zur Textverarbeitung zurückkehren. Bei der Nixdorf 8870 ist das nur auf einem Umweg über mehrere Bildschirmmenüs möglich; die begonnene Arbeit muß formal beendet, die andere neu eröffnet werden. Das ist lästig und zeitraubend.

Oft ist es nötig, gerade begonnene Druckarbeiten abzubrechen, etwa um nachträgliche Korrekturen oder Änderungen vorzunehmen. Auf der Nixdorf 8870 ist das nicht möglich. Einmal begonnene Ausdrücke müssen zu Ende gebracht werden. Das ist zeitraubend und sinnlos.

Batch-Anwendungen, wie die genannten Druckarbeiten, konkurrieren bei der Nixdorf 8870 mit den Bildschirmprogrammen, während sie beim IBM-System /36 im Hintergrund ablaufen und die Zentraleinheit des Rechners - und damit die Antwortleistung der Bildschirme - weit weniger belasten. Das ist zeitsparend und daher ökonomisch.

Technischer Service

Da sowohl IBM als auch Nixdorf mit Niederlassungen nahezu überall vertreten sind, ist der technische Service in jedem Fall gewährleistet. Die geringe Störanfälligkeit des IBM-Systems /36 - Ausfallzeiten weit unter einem Prozent der Laufzeiten - wird von Nixdorf durch die telefonische Fehlerdiagnose kompensiert.

Stammdatenverwaltung

"Renodat" erlaubt die Speicherung aller Personaldaten. Welche Informationen im einzelnen festgehalten werden, steht völlig im Ermessen des Benutzers; das gleiche gilt für Angaben zur Sache. Zum Beispiel Zeitpunkt und Ort eines Deliktes. Alle Angaben werden numeriert und können über diesen Parameter in jeden beliebigen Text eingeschleust werden.

"Jupiter" erlaubt maximal 23 der Art nach fest definierte Angaben zur Person. Das reicht für die Adressenerfassung und Kontoangabe.

Aktenanlage / Stammblatt

Über die Personal-Stammdaten hinaus werden bei der Aktenanlage die beteiligten Personen gespeichert, der bearbeitende Rechtsanwalt, der Streitwert, das zuständige Gericht etc.; Konten werden angelegt, der Sachbereich zugeordnet die Aktennummer vergeben, Interessenkollisionen geprüpft usw. Bei "Renodat" genügt die Angabe des Namen- Kürzels, um alle Personaldaten in (...) Akte überzuführen. Daher erscheinen beim Ausdrucken des Aktenstammblattes sämtliche Informationen in voller. Länge auf dem Papier. Einmal am Anfang der Handakte abgeheftet findet der Bearbeiter immer eine vollständige Datensammlung zum jeweiligen Vorgang.

Das Stammblatt bei "Jupiter" enthält nur die in der Aktenanlage selbst gespeicherten Informationen, nicht die Angaben der Adreßdatei.

Textverarbeitung

Die Textverarbeitungssoftware "Isitext" von "Renodat" leistet das gleiche wie die originären IBM-Textautomaten. Sie ist in der Bedienungsweise weitgehend identisch. Darüber hinaus erhält der Anwender eine umfangreiche Datei mit "druckreif" ausformulierten Textbausteinen, die über 50 Prozent des anwaltlichen Schriftverkehrs abdecken. Darin sind auch die Passagen der bekannten Autoren - wie Vespermann für Ehe- und Familienrecht - enthalten. Allein in den Bausteinen steckt der Entwicklungsaufwand von mehreren Mann-Jahren. Sie können vom Anwender individuell weiterentwickelt und ergänzt werden. Im Lauf der Zeit dürften damit 60 bis 70 Prozent des Textbedarfs im Anwaltsbereich abzudecken sein.

Beim eigentlichen Schreiben am Bildschirm - ja schon beim Diktat - genügt die Nummernangabe des Textbausteines, um seine Übertragung in den Individualtext auszulösen. Die Textbausteine selbst werden am Bildschirm oder im Handbuch mit Hilfe von Schlagworten gefunden.

"Jupiter" von Nixdorf kann weder juristische Textbausteine liefern, noch ist es in der Lage, gespeicherte Adreß- und Aktenangaben beliebig ausführlich in den Individualtext zu integrieren. So können beispielsweise nur die ersten fünf Adressen einer Akte über Kürzel in einem Schriftsatz abgerufen werden. Weitere Personendaten müssen immer wieder in voller Länge neu geschrieben werden.

Kennworte (Pass-Wörter)

Kennworte erlauben den Zugriff zu Programmen oder Daten. Bei "Jupiter" gestattet die Kenntnis des Programm-Kennwortes den Umgang mit allen Daten, auf die das Programm zurückgreifen kann.

Bei "Renodat" regeln Kennworte den getrennten Zugriff auf Programme und Daten nach folgendem Schema:

- Berechtigung, ein oder mehrere Programme zu benutzen,

- Berechtigung, Dateien abzurufen,

- Berechtigung, Dateien zu ändern,

- Berechtigung, Dateien zu löschen.

Damit kann die Nutzung sensibler Programme und Daten auf den unterschiedlichen Tätigkeitsbereich der Anwender abgestimmt werden.

Dokumenten-Datenbank

"Renodat" ermöglicht das Speichern und Wiederauffinden unterschiedlicher Dokumente und Informationen nach Schlagworten; das gilt für die Hausbibliothek ebenso wie für Gerichtsurteile, sei es bestimmter Gerichte, Kammern oder selbst einzelner Richter.

Bei Bedarf können solche Daten unter "Renodat"-Anwendern auf Disketten oder Magnetbändern ausgetauscht werden. Die Bedeutung dieses Programmteiles kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Er macht Zusammenhänge transparent, die leicht übersehen werden oder die im Bedarfsfall mühsam recherchiert werden müßten. Jupiter verfügt über keine retrievalfähigen Informationen dieser Art.

Terminkalender

"Renodat" bietet beliebig vielen Benutzern die Möglichkeit, ihre Termine am Bildschirm einzugeben und sie jederzeit wieder anzuzeigen, zu ändern beziehungsweise auszudrucken. Gerade in einer großen Kanzlei erleichtert das Terminabsprachen, ermöglicht Terminvereinbarungen für Dritte und gibt bei Bedarf Auskunft über den jeweiligen Aufenthaltsort von Abwesenden Socii. "Jupiter" bietet diese Möglichkeit nicht.

Fristenverfolgung

"Jupiter" wie "Renodat" ermöglichen im Rahmen der Aktenverwaltung die Steuerung von Wiedervorlagefristen. Die fälligen Termine werden errechnet und am Fälligkeitstag automatisch ausgedruckt.

Gebührenabrechnungen

Gebührenabrechnungen nach BRAGO, KOSTO, GKG etc. werden sowohl von "Jupiter" als auch von "Renodat" automatisch erstellt; auf Wunsch wird zusätzlich ein Überweisungsformular der Hausbank mit ausgedruckt.

Buchhaltung

Die "Renodat"-Buchhaltung ist in das Anwaltsprogramm voll integriert. Es handelt sich um eine vollwertige Mehrfimenbuchhaltung, mit der außer Kanzleien gleichzeitig auch kaufmännische Firmen geführt werden können. Daher eignet sie sich auch als Mandanten-Buchhaltung für Steuerberater etc.

Bei Jupiter erstreckt sich der Buchhaltungsteil nur auf den anwaltlichen Bereich. Eine Schnittstelle zur Nixdorfbuchhaltung "Comet" existiert nicht.

Mahnwesen

"Renodat" wie "Jupiter" bieten voll-automatisierte Mahn- und Zwangsvollstreckung mit Mahnschreiben, Mahnbescheid, Vollstreckungsbescheid, Zwangsvollstreckung, Forderungsaufstellung und entprechender Fristenverfolgung.

Verkehrsschadensabwicklung

"Renodat" beinhaltet eine weitgehend automatisierte Bearbeitung von Verkehrsunfällen mit Unfalldatenerfassung, Schadensberechnung und entsprechenden Unfallformschreiben, "Jupiter" enthält nichts Vergleichbares.

Kosten

Kosten der Software "Jupiter"

ca. 18 000 Mark

Schulungskosten Nixdorf

ca. 12 000 Mark

Gesamt ca. 30 000 Mark

Kosten der Software "Renodat"

ca. 34 000 Mark

Schulungskosten: 350 Mark pro Mitarbeiter bei Mitarbeitern

3 500 Mark

Gesamt ca. 37 500 Mark

Die Schulungskosten sind bei "Renodat" noch verhandelbar.

Die Software

Es würde den Rahmen dieser Ausarbeitung sprengen, alle Anwendungsbereiche von "Jupiter" und "Renodat" im einzelnen auszuleuchten. Deshalb wurden die Betrachtungen auf konkrete Auswirkungen der Arbeitsweisen der beiden Programme für den Benutzer beschränkt.

- Stammdatenverwaltung

- Aktenanlage/Stammblatt

- Textverarbeitung

- Kennworte (Pass-Wörter)

- Dokumenten- Datenbank

- Terminkalender

- Fristenverfolgung

- Gebührenabrechnungen

- Buchhaltung

- Mahnwesen

- Verkehrsschadensabwicklung

- K-Kosten