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Offene Märkte fordern Abschied von alten Denkmustern:


17.02.1989 - 

Just-in-Time-Produktion sichert Marktanteile

*Volker Heiner ist freier Fachjournalist in Krefeld.

In knapp drei Jahren ist es soweit: 1992 sollen sich die Tore des EG-Binnenmarktes öffnen. Spätestens dann zwingt der verschärfte nationale und internationale Wettbewerb zur Ausschöpfung aller vorhandenen Potentiale hinsichtlich Kostensenkung. Produktivität und Lieferzeitverkürzungen. Unternehmenskomponenten. die bislang als Teilbereiche weitgehend autonom betrieben werden (z.B. Produktion, Vertrieb) sind in die gesamte Automatisierungsphilosophie zu integrieren.

Das Stichwort für die Zukunft heißt also Automatisierung. Die zum Teil sehr teuren Produktionsanlagen müssen in Europa vermehrt rund um die Uhr laufen. Überlebenschancen eröffnen sich nur demjenigen, der Produktionskosten und damit Verkaufspreise der wichtigsten Konkurrenzländer unterbietet. Eine Möglichkeit hierzu bietet die Logistik. Laut Expertenmeinungen existieren in diesem Bereich ausreichende Rationalisierungsreserven. Werden die einzelnen Fertigungsbereiche geschickt miteinander verkettet, ist eine wirtschaftliche Produktion zu vertretbaren Kosten im Sinne des Just-in-Time-Gedankens möglich.

Integration senkt die Kosten

Logistik als bereichsübergreifende Querschnittfunktion verlangt ein Denken und Handeln im Gesamtsystem sowie ein kontrolliertes Zusammenspiel von Planung, Organisation und Technik. Für jedes erfolgsorientierte Unternehmen ist es unerläßlich, die Logistik mit der ganzen Schnittstellenproblematik als echte Managementaufgabe anzuerkennen.

Die Einführung moderner Lösungen erfordert aber auch ein Umdenken bei den Entscheidungsträgern im Unternehmen. Leider wird Logistik in manchen Betrieben noch immer mit dem herkömmlichen Lager in Verbindung gebracht. Doch sie ist weit mehr als nur Lagern und Verteilen. Da Kosteneinsparungen nur noch mit bereichsübergreifenden Maßnahmen erzielt werden können, wird die Logistik zum verknüpfenden Element in einem Unternehmen; dieser Ansicht ist jedenfalls Peter Rupper, Leiter Betriebsplanung und Logistik der Stiftung Betriebswirtschaftliches Institut/Eidgenössische Technische Universität Zürich. Sie hat zum Ziel, den gesamten Materialfluß, vom Einkauf über die Konstruktion, Produktion bis zum Verkauf, zu optimieren und die Durchlaufzeiten möglichst gering zu halten.

Flußorientierung verbindet Teilbereiche

Daneben verlangen Kosten- und Liquiditätsüberlegungen eine massive Reduktion der Lagerbestände und der brachliegenden Ware in Fertigungs- und Montagebetrieben. Hier geht es demnach nicht mehr um eine reine Lagerbewirtschaftung. Vielmehr müssen beispielsweise die Zusammenarbeit mit Lieferanten, die Sortimentierungsbescheinigung und Standardisierung der Fabrikate oder neue Fertigungskonzepte und Bewirtschaftungsmethoden vorangetrieben werden. Logistik ist laut Rupper ein Denkansatz und eine Grundhaltung, die zu einem unabdingbaren Wettbewerbsfaktor geworden ist. Der Logistik ist heute also der gleiche Stellenwert einzuräumen wie etwa dem Marketing, dem Verkauf, der Technik oder den Finanzen.

Ein neues Logistikkonzept zwingt das oberste Management von herkömmlichen Denkgewohnheiten und Denkmustern abzuweichen. Da die Logistik mit ihrem Grundgedanken der Flußorientierung die Bereiche Einkauf, Produktion und Absatz verbindet, sind die logistischen Grundsätze und das Logistikkonzept in jedem Fall als ein Teil der Unternehmenspolitik zu verstehen.

Gerade das eigentliche Logistik-Management, also die funktionelle, instrumentelle und institutionelle Integration der Logistik in das Unternehmen, muß nach Ruppers Ansicht noch wesentlich stärker verankert werden. Die bisherige Erfahrung hat gezeigt, daß ein motiviertes und kreatives Team integrierte Logistikkonzepte erfolgreich in das Gesamtunternehmen eingliedern kann. In keinem Fall dürfen Logistikaufgaben bereichsgebunden wahrgenommen werden.

Damit sich die Investitionen in neue Lagerkonzeptionen rechtfertigen, müssen in den Bereichen Beschaffung, Produktion und Distribution sämtliche Möglichkeiten ausgeschöpft werden: Wenn neben einer wesentlichen Verringerung der Durchlaufzeiten nicht auch die Fertigungsstrukturen, die Zusammenarbeit mil. den Lieferanten oder die Distribution überprüft werden, können Investitionen in Millionenhöhe leicht am eigentlichen Zweck vorbeigehen. Die Erarbeitung eines gesamtheitlichen Logistikkonzeptes, das den Materialfluß im Unternehmen in einen Gesamtzusammenhang stellt, ist deshalb unerläßlich.

Im Zuge steigender Marktanforderungen ist die Integration von Unternehmenskomponenten, die bis heute als Teilbereiche weitgehend autonom sind, in die gesamte Automatisierungsphilosophie eines Unternehmens notwendig. Dies gilt unter anderem für

- traditionelle EDV-Applikationen

- Produktionsplanung und Überwachung

- Automatisierung in der Produktion

- automatische Lager- und Transportsysteme.

Grundlegende Voraussetzungen für die Qualität eines automatischen Lagersystems sind reibungslose und genau steuerbare Abläufe, Verfügbarkeit und Standzeiten. Ein modernes automatisches Lagersystem erfüllt diese Anforderungen durch den Einsatz eines hierarchisch gegliederten Systems mit dezentraler Intelligenz. Die einzelnen Hierarchien können folgendermaßen aussehen:

1. Hierarchieebene: Zentrale EDV für dispositive Funktionen wie zum Beispiel Auftrags- und Rechnungserstellung, Steuerung und Überwachung der Produktion. Die Kontrolle über das Gesamtsystem erfolgt im Regelfall über die Zentrale EDV.

2. Hierarchieebene: Lagerverwaltungsrechner für dispositive und auch operationelle Funktionen wie Verwaltungs-, Koordinations- und Optimierungsaufgaben.

3. Hierarchieebene: Mikrorechner für die Durchführung aller zeitkritischen Funktionen wie Steuerung der Regalbediengeräte und der Förder anlagen.

4. Hierarchieebene: Leistungsebene der Motoren für den Antrieb der Förderelemente und der Regalbediengeräte.

Weltweite Expansion auf Jahre hinaus

Unternehmen der Fördertechnik und Lagertechnikbranche können laut einer Umfrage der Schweizerischen Gesellschaft für Logistik mit erheblichen Zuwachsraten in den 90er Jahren rechnen. Firmen, die als Generalunternehmer die vollständige Produktionsverkettung mit Integration aller Maschinen, aller Zwischenspeicher und mit elektronischer Prozessleitsteuerung anbieten, werden dabei die besten Chancen eingeräumt. Den industriellen Auftraggeber interessiert eine möglichst hohe Verfügbarkeit einer Produktionslinie, vor allem im 2- oder 3-Schicht-Betrieb, weil er damit die Produktivität steigern und die Investitionen kurzfristig amortisieren kann. Garant dafür ist die Beherrschung der mechanischen und elektronischen Schnittstellen zwischen den Maschinen und Zwischenspeichersystemen einer Produktionslinie und angrenzenden automatischen Lager- und Transportsystemen.

Die Probleme der internationalen Logistik nehmen in naher Zukunft sicherlich weiter zu. Daneben werden auch die Raum- und Zeitüberbrückungen und damit verbunden die Anforderungen an die Just-in-Time-Lieferungen und die unmittelbare Auslieferung nach der Fertigung wichtiger. Nicht zuletzt wachsen die Anforderungen an integrierte Logistik-Informationssysteme. Sie müssen transparent und überschaubar sein sowie eine uneingeschränkte Regulierbarkeit des Materialflusses zulassen.