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17.09.1993

Justizbehoerden ermitteln verschaerft Geplatzte Novell-Uebernahme macht Microsoft heute Sorgen

MUENCHEN (CW) - Microsofts Verhaeltnis zu den amerikanischen Justizbehoerden ist angespannt. "Versuchte Monopolbildung" lautet der juengste Vorwurf, dessen sich das weltweit groesste Softwarehaus erwehren muss. Der Company koennte angelastet werden, mehrmals versucht zu haben, sich die Novell Inc. einzuverleiben.

Nach amerikanischem Kartellrecht ist unter bestimmten Bedingungen schon der Versuch strafbar, ein Monopol zu bilden. Ob Microsoft gegen entsprechende Paragraphen verstossen hat, ist noch unklar. Angeblich leitet das US-Justizministerium jedoch Untersuchungen ein. Damit dehnen die Behoerden ihre bereits laufenden Ermittlungen aus, denn Microsoft steht seit Jahren unter dem Verdacht, gegen wettbewerbsrechtliche Bestimmungen zu verstossen. In dieser Angelegenheit ermittelt inzwischen auch die Europaeische Gemeinschaft (EG) gegen den Branchenkroesus.

Interesse an Novell hat Microsoft erstmals 1989 gezeigt, berichten uebereinstimmend der Lon-doner Branchendienst "Computergram" und der Newsletter "Unigram.X". Beide Blaetter berufen sich dabei auf Aussagen von Novell-Vice-President David Bradford. Zwischen Microsoft-Gruender Bill Gates und Novell-Chef Ray Noorda gab es laut Bradford mehrere Meetings, die aber ohne Ergebnis blieben.

Im Juli 1991 suchte Gates erneut das Gespraech mit Noorda - wenige Tage, nachdem Novell angekuendigt hatte, Digital Research, den Anbieter der MS-DOS-Alternative DR-DOS, zu uebernehmen. Der Novell- Praesident soll gegenueber Gates Befuerchtungen geaeussert haben, nach denen mit Einwaenden der US-Regierung zu rechnen sei. Zu diesem Zeitpunkt war die Federal Trade Commission (FTC) bereits auf Microsoft aufmerksam geworden. Gates stand unter dem Verdacht, sich unfairer Geschaeftspraktiken zu bedienen. Der Novell-Praesident sah ebenfalls die Gefahr, dass eine Fusion mit Microsoft Schwierigkeiten mit der IBM, dem damals frischgebackenen Partner, nach sich ziehen koennte. Laut "Unigram.X" liess Gates diese Vorbehalte nicht gelten. Mit der Regierung werde er schon fertig - eine Aussage, die ihm die Behoerden heute uebelnehmen koennten -, und um IBM muesse sich Novell ebenfalls keine Sorgen machen. Trotz dieser Beruhigungsversuche blieb Noorda zunaechst unschluessig und entschied sich dann dafuer, solange nichts zu unternehmen, bis der Digital-Research-Deal unter Dach und Fach sei.

Nachdem diese Uebernahme im November 1991 abgeschlossen war, schickte Microsoft angeblich eine ganze Schar von Anwaelten in die Novell-Zentrale nach Provo, Utah, um die Novell-Geschaeftsfuehrung davon zu ueberzeugen, dass das FTC den Unternehmen im Falle einer Uebernahme keine Steine in den Weg legen werde. Ein schriftliches Angebot erreichte Novell dann einige Monate spaeter, im Februar 1992.

Microsoft bot Novell zwoelf Milliarden Dollar

Die "Financial Times" berichtet von einer Offerte in Hoehe von zwoelf Milliarden Dollar. Nur einen Tag nach diesem Angebot, so die Wirtschaftsgazette, erfuhr Novell aus der Zeitung, dass Microsoft auch ein anderes Softwarehaus, naemlich den Datenbankspezialisten Fox Software, uebernehmen werde. Duepiert darueber, nicht informiert worden zu sein, habe Noorda sofort saemtliche Verhandlungen abgebrochen.

Heute behauptet der Netzwerkspezialist, Microsoft sei lediglich deshalb an Novell interessiert gewesen, weil Gates die Gefahr bannen wollte, mit DR-DOS eine starke Alternative zum eigenen PC- Betriebssystem im Markt dulden zu muessen. Mit der Groesse und Marktmacht von Novell haette DR-DOS zu einer gefaehrlichen Konkurrenz fuer MS-DOS werden koennen.Wegen der Aussicht auf eine Fusion mit Microsoft verzichtete Novell aber ueber den Verhandlungszeitraum hinweg auf allzu aggressive Marketing- Massnahmen gegen Microsoft und auf die Entwicklung eines konkurrenzfaehigen Betriebssystems, basierend auf Digital-Research- Technologie. Erst nachdem die Gespraeche ohne Erfolg beendet worden seien, habe man sich wieder verstaerkt auf jene Marktsegmente gestuetzt, die in direkter Konkurrenz zu Microsoft-Produkten stuenden.

"Die Konkurrenz verbreitet Luegen"

Dass dies so bleiben soll, machte soeben auch Novell-Manager Brad Jelfs in einem Gespraech mit der neuseelaendischen CW- Schwesterpublikation "Computerworld" deutlich. Man werde das Unixware-Geschaeft forcieren, um Microsoft den Markt mit Windows NT nicht kampflos zu ueberlassen. In Verkauf und Marketing werde Novell andere Seiten aufziehen.

Microsoft indes fuehlt sich einmal mehr als Opfer einer Schmutzkampagne. Der Vorwurf: Wettbewerber, insbesondere Novell, wiegelten die Behoerden auf. "Die Konkurrenz verbreitet Luegen ueber uns", aergerte sich Gates in Gegenwart von Industrieanalysten. Stoerte sich der Shooting-Star der DV-Branche frueher kaum an den Vorwuerfen der Wettbewerber, so ist seine Sensibilitaet mit zunehmendem Interesse seitens der US-Justizbehoerden und der EG- Kommission deutlich groesser geworden.

"Novell trachtet danach, bei den Behoerden Misstrauen gegen unsere Geschaeftspraktiken zu wecken", beklagt sich auch Microsofts Chefberater Bill Neukom in der "Financial Times". Der Netzwerk- Spezialist habe der FTC in den dreijaehrigen Ermittlungen gegen Microsoft eine Reihe von Informationen zugespielt und schliesslich entscheidend dazu beigetragen, dass der Fall an das US- Justizministerium uebertragen worden sei. Auch die Ermittlungen der EG-Kommission seien im wesentlichen auf Beschwerden seitens Novell zurueckzufuehren.