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28.11.1997 - 

Neue Beweisstücke belasten Microsoft

Justizministerium kämpft weiter mit harten Bandagen

Das Department of Justice (DOJ) zitiert aus einer E-Mail, die Microsofts Senior Vice-President Jim Allchin am 20. Dezember 1996 an Paul Maritz, Manager der obersten Führungsriege in Redmond, schickte. Darin äußerte Allchin Bedenken, ob Microsofts Browser-Software "Internet Explorer" sich insbesondere gegen Netscapes Konkurrenzprodukt "Navigator" durchsetzen könne.

Momentan kopiere Microsoft lediglich Netscapes Marktstrategie: "Wir müssen deshalb Windows mehr ins Spiel bringen. Wenn wir fortfahren, den Explorer weiterhin nur als ein Add-on-Produkt für unterschiedliche Plattformen anzubieten, verlieren wir unseren größten Vorteil, den Marktanteil von Windows." Microsoft solle an Integrationslösungen denken, "da haben wir unsere Stärke".

Das DOJ argumentiert, aus diesen Bemerkungen werde klar, daß Microsoft versuche, seine Monopolstellung bei PC-Betriebssystemen dazu zu nutzen, um auch den "Browser-Krieg" zu gewinnen.

In diesem Zusammenhang ist eine Berechnung der Dataquest-Marktforscher interessant: Nach deren Erkenntnis fiel Netscapes Marktanteil für Browser-Software im dritten Quartal 1997 auf den historischen Tiefstand von 57,6 Prozent. Microsoft kann demgegenüber darauf verweisen, daß zwei von fünf Internet-Browsern aus Redmond stammen (39,4 Prozent). Im zweiten Quartal hatte Netscape noch einen Anteil von 61,1 Prozent, vor einem Jahr von 73 Prozent (Microsoft: 20 Prozent).

Microsoft argumentiert demgegenüber, schon seit der Einführung von Windows 95 im Sommer 1995 habe das DOJ gewußt, daß die Gates-Company eine Integrationsstrategie verfolge und beabsichtige, einen Internet-Browser in das Betriebssystem zu integrieren.

Möglicherweise muß Microsoft aber mittlerweile einer gewandelten Haltung der Regierungsstellen Tribut zollen. Als stellvertretend für diesen Stimmungsumbruch mag Robert Dole gelten. Der republikanische Kandidat der Präsidentschaftswahlen von 1996 äußerte in einem Interview mit der "Los Angeles Times", "instinktiv neige ich dazu, vor Regulierungen durch die Regierung zurückzuschrecken". Im aktuellen Streitfall DOJ versus Microsoft jedoch stehe er auf seiten der Wettbewerbshüter: "Wenn eine dominierende Firma zu diktieren versucht, wie, wo und sogar ob überhaupt Konsumenten im Online-Marktsegment noch Wahlmöglichkeiten haben, dann ist es Zeit für die Regierung, hier einzuschreiten und Wettbewerbsgesetzen Geltung zu verschaffen." Dole arbeitet nach seiner politischen Karriere in Washington als Rechtsanwalt. Seine Sozietät vertritt mehrere Softwarefirmen, die allerdings in dem Artikel nicht genannt wurden (siehe untenstehende Kolumne).