Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

11.06.1982 - 

Zweiter Teil: Datenverarbeitung sollte nicht von vornherein ausgeschlossen sein

K-Anlage: Man kann nicht wissen, was man nicht weiß

Nur eine vorläufige Umschreibung der K-Anlage liefert der folgende Beitrag. In der ersten Folge (CW Nr. 23, Seite 4) hat der Autor sich über den Inhalt der benutzungsrechtlichen Regelungen Gedanken gemacht: hier betrachtet er die technischen, betrieblichen und wirtschaftlichen Bedingungen, unter denen sich eine K-Anlage realisieren läßt. Eine konkrete Forderung an die K-Anlage, hinter die sich auch die Bundespost stellt, sei die, daß sie wirtschaftlicher sein muß als die herkömmliche Nebenstellenanlage. Das Instrumentarium dafür wäre vorhanden: Post und Produzenten stehen Gewehr bei Fuß, fehlen noch die willigen Anwender (vergleiche CW Nr. 23, Seite 7, "Undefiniertes K").

Zunächst müssen bestimmte technische Bedingungen erfüllt sein, damit Endgeräte mit den Einrichtungen der öffentlichen Netze zusammenarbeiten können. So müssen zum Beispiel Pegel und Frequenzen aufeinander abgestimmt sein, um einen Signalaustausch zu ermöglichen. Darüber hinaus müssen die Bedeutungen der einzelnen Signale festgelegt und verabredet werden. Daß solche Bedingungen erfüllt sein müssen, wird von niemand bestritten; und da hier die Physik eine entscheidende Rolle spielt, kann man über diese Bedingungen auch nicht allzu lange diskutieren; denn die Physik hat die unangenehme - oder auch angenehme

- Eigenschaft, sich nicht nach irgendwelchen Beschlüssen zu richten.

Die Fachleute müssen sich hier abstimmen; das ist (relativ) einfach, wenn auch die Festlegung von Schnittstellen, bei denen umfangreiche Prozeduren definiert werden müssen, eine Menge Arbeit erfordert. Die gestellten Forderungen für die Schnittstelle wirken natürlich in die Anlage hinein. Im ersten Ansatz kann man davon ausgehen, daß die schon vorhandenen technischen Bedingungen aus den einzelnen Netzen übernommen werden können. In den anderen Bereichen stehen rein technische Forderungen im Hintergrund, dort tauchen funktionale Forderungen auf, die sich natürlich in der Technik niederschlagen.

Zu den betrieblichen Bedingungen zählt der ganze Bereich der Dimensionierungsfragen, die zum Beispiel Wartezeiten und Verluste bei der Verkehrsabwicklung bestimmen. Ein ganz einfaches Beispiel: Eine Nebenstellenanlage sei technisch bestens in Ordnung; die Schnittstellen stimmen, die Signalisierungsprozeduren werden eingehalten. Aber obwohl 100 Nebenstellen mit beträchtlichem Amtsverkehr vorhanden sind sei nur ein Hauptanschluß geschaltet. Es liegt auf der Hand, daß die Betriebsabwicklung trotz Einhaltung der rein technischen Bedingungen nicht ordentlich funktionieren kann. Unter Umständen können sich als Rückwirkung sogar technische Störungen einstellen.

Daß ein Zusammenhang mit der Wirtschaftlichkeit besteht, die im nächsten Abschnitt behandelt wird liegt ebenso auf der Hand. Ich hatte ja schon auf die Verflechtungen hingewiesen.

Verflechtung

Es ist schwierig, hier für künftige Anlagen umfassende, konkrete Aussagen zu machen. Der Satz, daß man nicht wissen könne, was man nicht weiß, klingt sehr banal, aber er ist zweifellos richtig. Erst wenn konkrete Anwendungen auftauchen und zu regeln sind, kann man erkennen welche betrieblichen Fragen und Rückwirkungen zu beachten sind.

Auch hier soll ein Beispiel die Situation illustrieren. Bei der Behandlung der Rahmenregelung für Teletexverkehr über Fernsprechnebenstellenanlagen wurde man sich plötzlich bewußt, daß bei der Mehrzahl aller heute eingesetzten Nebenstellenanlagen die Durchschaltezeit eine Größenordnung höher ist als im Datexnetz, das zur Übertragung von Teletexnachrichten dient. Es kann der DBP aber nicht gleichgültig sein wenn Verbindungen in ihrem Netz in weniger als einer Sekunde aufgebaut, aber beim Ziel erst nach zehn Sekunden- abgenommen werden. Dies gilt um so mehr, wenn die eigentliche Übertragungszeit in derselben Größenordnung liegt und die Aufbauzeit und die Wartezeit nicht bezahlt werden (obwohl ja die Leistung erbracht ist). Bei diesem Beispiel würde sich der Aufwand für dieselbe Leistung verdoppeln.

Auch hier ist der Zusammenhang mit wirtschaftlichen Gesichtspunkten offensichtlich. Man kann sicherlich den Grundsatz aufstellen, daß die Durchschaltezeit am bereits erreichten Ziel in einem angemessenen Verhältnis zu der vorher liegenden Durchschaltezeit im vermittelten Netz der DBP liegen muß. (Über die Frage, was im Einzelfall angemessen ist, kann man sicher diskutieren.)

Eine solche konkrete Aussage (angemessenes Verhältnis der Durchschaltezeiten) wäre aber vor dem aktuellen Auftauchen des Problems keinem eingefallen. Da bisher die technischen Systeme in beiden Bereichen hier keine wesentlichen Unterschiede aufwiesen, tauchte kein Problem auf, und es war auch nichts zu regeln.

Das Beispiel soll die Schwierigkeiten deutlich machen. Nach meiner Meinung wird eine Aussage über der Verhältnis der Verbindungsaufbauzeiten bei den K-Anlagen überflüssig sein, weil (vermutlich) niemand eine K-Anlage in langsamer elektromechanischer Technik entwickeln wird. Die Post wird allerdings keine solche Forderung stellen. Wenn ein Produzent die geforderten Leistungen mit einer elektromechanischen Konzeption erbringen kann, wird die DBP das akzeptieren. Überhaupt enthalten die Regelungen in diesem Bereich überwiegend funktionale und weniger technische Forderungen.

Hier ist Wirtschaftlichkeit in mehrfacher Bedeutung angesprochen. Ich will hier durchaus die wirtschaftlichen Interessen der Post an erster Stelle nennen, aber im selben Atemzug betonen, daß die Post kein profitorientiertes Unternehmen ist, sondern der Gesamtheit von Bürgern und Wirtschaft zu dienen hat. Dabei ist sie an ihren gesetzlichen Auftrag gebunden: Sie muß ihre Ausgaben aus ihren Einnahmen bestreiten und erhält keine Zuschüsse; sie ist verpflichtet, jedermann Fernmeldedienstleistungen zur Verfügung zu stellen und Wirtschaft und Bürger optimal (für die Gesamtheit, nicht für einen einzelnen oder eine Gruppe!) zu versorgen, sie muß ihre Einrichtungen in ordnungsgemäßem Zustand erhalten und auch weiterentwickeln.

Sie muß deshalb darauf achten, daß sie ihre Aufgaben so rationell wie möglich erfüllen kann und daß der Ast, auf dem sie sitzt, nicht an- oder gar abgesägt wird. Konkret heißt das, sie kann nicht dulden, daß einzelne Kunden die Rosinen aus dem Teig picken und die anderen den verbleibenden Teig trocken essen müssen. Mit Rosinen sind hier nicht die Früchte technischen Fortschritts schlechthin gemeint, die überhaupt den Anreiz zur Entwicklung neuer Ideen geben. Hier ist gemeint, daß Kunden nicht die Besonderheiten der auf den Durchschnittsfall zugeschnittenen Tarifstruktur ausnutzen, um in ausgewählten Fällen Drittverkehr zu sammeln und in Konkurrenz zur Post zu übertragen und ihr damit Überschüsse für die anderen Fälle zu entziehen.

Die DBP ihrerseits ist bestrebt, ihre Tarife gegen solche Versuche "unempfindlich" zu machen, um weitgehend von Verboten wegzukommen. Dies ist auch ein Grund für die Einführung nutzungszeitabhängiger Tarife auch auf festen Verbindungen.

Die rationelle Aufgabenabwicklung steht wieder in einem Zusammenhang mit den betrieblichen Bedingungen. Die Forderung nach Standardisierung und Typisierung enthält sowohl betriebliche als auch wirtschaftliche Aspekte.

Hiermit kommen wir auch zu den Wirtschaftlichkeitsaspekten, die über den engeren Bereich der Post hinausgehen und die Wirtschaftlichkeit beim Anwender und beim Produzenten und somit schließlich die Dimension der Volkswirtschaft betreffen. Auch hier hat die Bundespost Verpflichtungen, die ihr ausdrücklich vom Gesetzgeber auferlegt worden sind und die manchmal nicht ganz leicht zu erfüllen sind. Die Tatsache, daß hier zum Teil widersprüchliche Forderungen zu erfüllen sind, macht diesen Bereich besonders schwierig zu bearbeiten. Hier liegt der wesentliche Bereich für Meinungsverschiedenheiten.

Konkrete Einzelaussagen

Die Frage, wie weit die DBP mit Forderungen in bezug auf interne Funktionen einer an ein öffentliches Netz angeschlossenen Anlage gehen soll, ist ein schwieriges Thema. Bei vielen internen Funktionen sind Rückwirkungen nach außen offenkundig; dann ist die Situation klar. Aber es taucht auch die Frage auf, wie weit die DBP die Interessen ihrer Kunden insgesamt wahrnehmen muß. Hier gehen die Meinungen zum Teil weit auseinander. Wo der eine die Post als Anwalt des Kunden fordert, sieht der andere den ungebetenen Vormund.

In verschiedenen Gesprächen sind schon eine Reihe von Forderungen für die K-Anlage genannt worden, denen sich die DBP ohne Vorbehalte anschließen kann. Aber sie können nicht von der DBP erfüllt werden, sondern sie müssen von den Produzenten solcher Anlagen und zum Teil auch von den Anwendern selbst erfüllt werden. Es ist zum Beispiel gesagt worden, eine K-Anlage müsse wirtschaftlicher sein, als eine herkömmliche Nebenstellenanlage. Die Forderung wird von der DBP natürlich akzeptiert; aber erfüllt werden muß sie zum Teil vom Anwender selbst. Denn die Auswahl der Anlage und die Gestaltung der Anwendung ist seine Sache. Der andere Teil ist vom Produzenten beizusteuern. Seine Konzeption bestimmt die Entwicklungs- und Produktionskosten. Hier stellt sich für ihn auch die Frage, wie weit er individualisierte oder standardisierte Anlagen baut und vertreibt. Darauf nehmen aber wieder die Kunden Einfluß und bestimmen so die Wirtschaftlichkeit auch noch indirekt mit.

Bei einigen bisherigen Gesprächen wurden Einzelergebnisse erzielt, die bei den Regelungen Berücksichtigung finden werden; diese möchte ich hier einfach aufzählen. Dabei sollen die grundsätzlichen Forderungen von vorher nicht mehr wiederholt werden.

Die DBP wird Einzelprojekte, die nach vorläufigen Regelungen realisiert wurden, auch nach Einführung einer endgültigen, gegebenenfalls abweichenden Regelung weiter genehmigen, wenn dem keine großen betrieblichen Schwierigkeiten im Weg stehen.

Die DBP wird Interessenten die Erkenntnisse aus Einzelprojekten allgemein zugänglich machen.

Die K-Anlage ist im Prinzip ein funktional definiertes Gebilde, jedoch können nicht zwei tatsächlich getrennte Anlagen, die nichts miteinander zu tun haben, als eine K-Anlage deklariert werden.

Es wird unterschiedliche Arten von K-Anlagen geben.

Datenverarbeitung in K-Anlagen über die Steuerung des Kommunikationsprozesses hinaus soll nicht von vornherein ausgeschlossen sein. Dabei ist Zwischenspeicherung als zur Kommunikation gehörend zu betrachten. Jedoch würden sich bei einer Kombination erhebliche Probleme ergeben, weil Forderungen für den Kommunikationsteil Auswirkungen auf den DV-Teil haben. Durch die Komplexität steigen die Probleme nicht linear, sondern progressiv an. Es erscheint deshalb unter Berücksichtigung der Preisentwicklung im Hardware- und Softwarebereich fraglich, ob die Kombination wirklich Vorteile bringen kann.

Ich habe versucht, mit diesem Beitrag die aktuelle Situation etwas zu verdeutlichen. Es handelt sich dabei um einen Diskussionsbeitrag und nicht um fertige Ergebnisse. Ich hoffe, daß ich damit Anstöße für neue Erkenntnisse gegeben habe.

*Dipl.-Ing. Meinhard Adelmann ist Ministerialrat im Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen.

Obiger Aufsatz wurde als Vortrag gehalten auf dem Telecom-Kongreß 81, hat aber nach Aussagen seines Autors nichts an Aktualität eingebüßt.