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12.12.1997 - 

Warten auf Front-Office und Lieferketten-Management

Kagermann: SAP bleibt dem integrierten Ansatz treu

CW: Prozesse, bei denen die Kundenpflege und -betreuung im Mittelpunkt stehen, lassen sich mit Enterprise-Resource-Planning-(ERP-) Systemen heutiger Bauart nicht optimal unterstützen. SAP-Mitbewerber Baan scheint das erkannt zu haben und hat sich durch den Kauf von Aurum, Matrix und Beologic im Bereich Front-Office und Sales-Force-Automation (SFA) verstärkt. Auch Oracle hat in dem Sektor dazugekauft beziehungsweise durch Kooperationen den Funktionsumfang der "Oracle Applications" ergänzt. Hat die SAP hier den Zug verpaßt?

Kagermann: Die SAP hat jetzt ein erstes Paket für die Kundenbetreuung vorgestellt. Die Komponente R/3 IS-U/CCS (Industry Solution - Utilities/Customer Care and Service) ist eine eigene, eng mit R/3 integrierte Front-Office-Lösung zur Kundenpflege für Energieversorgungsunternehmen (EVU).

CW: Die Entwicklung dieses Pakets hat rund drei Jahre gedauert. Customer Care ist aber nicht nur für EVUs interessant. Wenn SAP auch für andere Branchen Produkte entwickeln will, müssen sich potentielle Kunden dann auf eine lange Wartezeit einstellen?

Kagermann: SAP hat nicht vor, alle Front-Office-Lösungen selbst zu entwickeln. Das werden wir von Branche zu Branche differenziert betrachten. Es wird also Bereiche geben, denen wir eigene Front-Office-Produkte anbieten werden. Dort, wo wir glauben, daß die Entwicklung zu lange dauern wird, erscheint die Integration von Produkten anderer Hersteller sinnvoll. Grundsätzlich drängen uns aber Kunden aus allen Industriezweigen, solche Systeme selbst herausbringen.

CW: Konkret, für welche Branchen planen Sie eigene Lösungen?

Kagermann: Zunächst einmal in den Segmenten, in denen wir mit unserem ERP-Paket stark vertreten sind. Beispielsweise für Kunden, die unsere Vertriebslösung "Sales and Distribution" (SD) im Einsatz haben, wäre es denkbar, ein Front-Office-Paket zu entwickeln. Dagegen liegt bei den Financial Services noch ein weiter Weg vor uns. Da werden wir zunächst einmal unsere Aufgaben im Bereich Back Office erledigen müssen.

CW: Warum kooperieren Sie nicht mit Anbietern wie Siebel oder Scopus? Damit würden Sie Ihren Kunden schon kurzfristiger eine mögliche Lösung an die Hand geben.

Kagermann: Viele unserer Mitbewerber sind Partnerschaften eingegangen oder haben Komponenten hinzugekauft. Sie versuchen damit einen Best-of-breed-Ansatz, um sich bei fehlenden Funktionen ad hoc zu verstärken. Mit dieser Vorgehensweise hat man natürlich schnell eine Lösung im Angebot, sie aber noch lange nicht integriert. Was Baan durch die Akquisitionen bietet oder was Oracle im Bereich Consumer Packaged Goods vorstellt, ist eine zusammengekaufte Familie von Produkten verschiedener Hersteller. Damit erhalten Kunden eine lose Kopplung, mit der die Effizienz, die durch Integration von Funktionen entstehen kann, überhaupt nicht erreichbar ist.

CW: Die Produkte lassen sich aber über Schnittstellen verbinden. SAP verknüpft seine "entkoppelten" Komponenten doch auch über BAPIs. Wo ist da der Unterschied?

Kagermann: Ja, man kann natürlich schnell mal eine Schnittstelle zwischen den Paketen unterschiedlicher Hersteller entwickeln, aber ob dann das grundlegende Geschäftsmodell der beiden Pakete, also die Semantik, übereinstimmt, ist fraglich. Wenn Sie ein Finanzpaket und ein PPS-Paket verschiedener Hersteller verbinden wollen und Basisbegriffe wie Buchungskreise nicht in beiden Systemen abbildbar sind, wie soll dann eine Integration hergestellt werden?

Als Anbieter hat man grundsätzlich zwei Möglichkeiten, mit Komponenten auf den Markt zu gehen: Erstens lassen sich Bausteine zusammenkaufen und dann über standardisierte Schnittstellen verbinden - was aber nur in den wenigsten Fällen funktionieren wird. Die zweite Art ist, die zuvor integrierte Anwendung zu zerlegen und über einen breiten Kommunikationskanal wieder eng zu koppeln. Das ist die Strategie der SAP.

CW: Neben den Front-Office- Anwendungen haben Sie auch im Bereich Lieferketten-Management (Supply Chain Management = SCM) bislang kein Produkt. Die Kooperation mit den SCM-Spezialisten i2 und Manugistics wurde aufgeweicht, weil SAP für den Sommer nächsten Jahres mit R/3 4.0 eine eigene Lösung angekündigt hat.

Kagermann: Auch das geht wie im Front-Office-Bereich vom Markt aus. Anwender merken, daß es nicht einfach ist, die Produkte mehrer Hersteller zu kombinieren. Sie fordern eine Komplettlösung. Noch vor zwei Jahren wollten Unternehmen nicht integriert planen. Planungs- und Ausführungssysteme sollten strikt getrennt sein. Heute sind die Rechner stark genug für integrierte Systeme, jetzt verlangen die Kunden danach. Aber wir sind auch immer so offen, um die Produkte von Drittanbietern wie i2 und Manugistics über BAPIs anbinden zu können. Es soll die Option geben, zwischen einem integrierten und einem Best-of-breed-System zu wählen.