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Kagermanns Gang nach Canossa

04.07.2007

Das dürfte Henning Kagermann sehr schwer gefallen sein. Als der SAP-Chef am Dienstag dieser Woche einräumen musste, die SAP-Tochter TomorrowNow habe neben Downloads im Kundenauftrag auch unautorisiert Bug Fixes und Support-Dokumente von Oracles Website heruntergeladen (siehe Seite 1), klangen ihm sicher noch die eigenen sehr selbstbewussten Worte vom Juni im Ohr. Damals bestritt er alle Vorwürfe. Es seien keine Rechte von Oracle verletzt worden und man werde die eigenen Rechte unnachgiebig verteidigen. Eine außergerichtliche Einigung mit Erzfeind Ellison komme nicht in Frage: "Warum sollten wir?", fragte er lapidar. Kagermann könnte inzwischen zu der Einsicht gelangt sein, dass er diese Frage öffentlich besser erst hätte stellen sollen, wenn er im Besitz aller nötigen Informationen gewesen wäre. Die klare Aussage deutet allerdings darauf hin, dass er zumindest zum damaligen Zeitpunkt sicher war, alles Nötige zu wissen. Offensichtlich fand man die Belege für die beklagten Praktiken erst vor kurzem, wahrscheinlich während der Vorbereitung zur Klageerwiederung, die bekanntermaßen für Anfang der Woche avisiert war. Kagermann muss sich aufgrund der "Funde" ziemlich ohnmächtig gefühlt und die Flucht nach vorn angeordnet haben – also einräumen, was die andere Seite ohnehin beweisen kann.

Der Hinweis darauf, dass die abgesaugten Informationen – der Firewall sei Dank – weder SAP America noch SAP Corp. zu Gesicht bekommen haben, ist als der verzweifelte Versuch zu sehen, den Schaden zu begrenzen. Vielleicht gelingt das in der juristischen Auseinandersetzung sogar. Fraglich ist nämlich in der Tat, ob ein Dienstleister illegal handelt, wenn er im Auftrag seines Kunden Bug Fixes, Support-Dokumente oder sogar Support-Tools nutzt, die zum Beispiel das Einspielen von Patches erleichtern. Sollte Tomorrow-Now allerdings solche Werkzeuge verwendet haben, um Oracle-Kunden, die nicht über entsprechende Lizenzen verfügen, preiswerten Support anzubieten, liegt der Fall natürlich anders. Den Image-Schaden kann SAP ohnedies nur schwerlich begrenzen.

Sollte die Walldorfer-Chefetage wirklich erst kurz vor der Klageerwiederung von den Vorfällen bei Tomorrow-Now erfahren haben, fehlt es im Konzern an Transparenz und Durchschlagskraft der vorhandenen Compliance-Regeln. Noch schlimmer wäre allerdings, wenn herauskäme, dass Tomorrow-Now tatsächlich systematisch (und vielleicht schon vor der Übernahmen durch die SAP) an Oracles Costumer Connection Site gesaugt hat, um seinen Kunden ein unschlagbares Support-Angebot machen zu können.

Fest steht allerdings schon jetzt, dass SAP falsch gehandelt hat – Kunden merken sich so etwas.

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