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25.11.1983 - 

Linzer Tagung zum Thema "Neue Technologien":

Kammer fordert verstärkte Mitbestimmung

WIEN (apa) - George Orwell scheint mit seinen Visionen vom alles überwachenden "großen Bruder" immer mehr recht zu behalten: Die Bundesrepublik Deutschland - und ähnlich auch Länder wie Österreich - zeige in den letzten Jahren deutliche Tendenzen in Richtung "Computerstaat", erklärte der Düsseldorfer Wissenschaftler Dr. Ulrich Briefs bei einer Enquete der oberösterreichischen Arbeiterkammer zum Thema "Neue Technologien" in Linz.

Briefs: Orwell hat recht behalten, da wir heute in der unmittelbaren Gefahr leben, daß sich ein alles umfassend kontrollierender und überwachender Computerstaat entwikkelt. Im Teilbereich der Arbeitswelt kommt es dementsprechend zum Computerbetrieb mit weitreichenden Kontrollsystemen."

Nur in einem Punkt durfte George Orwell mit seinem utopischen Roman "1984" geirrt haben: Die Entwicklung zur umfassenden Überwachung des Staatsbürgers durch weitgespannte und verzweigte Computernetze werde erst in den 90er Jahren voll zum Tragen kommen, "denn bis dahin wird es dauern, daß alle Verantwortlichen im Staat und in den Betrieben die neuen Technologien voll beherrschen", sagte Briefs.

Bei der Enquete in der Linzer Arbeiterkammer wurden auch Zahler über die tatsächlichen beziehungsweise möglichen Auswirkungen einer weiteren Technologie-Entwicklung präsentiert. Ulrich Briefs dazu: "Allein durch die Computertechnik wurden in den letzten Jahren in der Bundesrepublik Deutschland 800000 Arbeitsplätze zerstört, aber nur eine viel geringere Zahl dadurch neu geschaffen. Es sei zu befürchten, daß - zeitverzögert - auch in Österreich eine ähnliche Entwicklung eintreten werde.

Ferner wurde eine Studie der Akademie der Wissenschaften zitiert, der zufolge in Österreich rund 900000 Arbeitsplätze in irgendeiner Form von der Mikroelektronik betroffen seien, davon 270000 im Bürobereich und 600000 in der Fertigung.

Der Präsident der oberösterreichischen Arbeiterkammer, Fritz Freyschlag, verwies darauf, daß vor allem im Handel sowie bei Banken und Versicherungen weitreichende Beschäftigungsfolgen durch die neuen Technologien zu befürchten seien. "Die Einführung des Bildschirmtextes birgt die Gefahr, daß, wie manche Experten meinen, bis zu 60 Prozent des Personals abgebaut werden."

Die Arbeiterkammer fordert in diesem Zusammenhang eine verstärkte Mitbestimmung der Arbeitnehmer und ihrer Interessenvertretungen bei der Einführung und Anwendung neuer Technologien.