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Förderungsprogramme sollen helfen, die Tür zu den Weltmärkten aufzustoßen:


19.03.1982 - 

Kanadische DV-Industrie plant Kommunikationsoffensive

OTTAWA/BONN - Das digitale Zeitalter hat in Kanada bereits begonnen: Durch Förderungsprogramme versucht die kanadische Regierung ihre DV- und Telekommunikationsindustrie anzukurbeln, wobei die Entwicklung der Mikroelektronik sowie der digitalen Kommunikationstechniken im Vordergrund stehen. Große Hoffnung setzen die Kanadier auf ihre Glasfaserkabel. Auf dieser Technik basiert auch das Zweiweg-Informations- und Videosystem "Telidon" mit Teleshopping, -banking, Börsenberichten und voll computerisiertem Updating der kanadischen Wetterkarte. Mit Hilfe seiner Telekommunikationsoffensive will Kanada die Tür zu den Weltmärkten aufstoßen.

In den Handelsbeziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Kanada betrug der kanadische Export von Telekommunikations- und nachrichtentechnischem Gerät nach vorläufigen Zahlen (1981) 63 Millionen kanadische Dollar, das sind 26,6 Prozent der exportierten Fertigprodukte in die Bundesrepublik. Im gleichen Zeitraum exportierte die BRD-Industrie für rund 32 Millionen Dollar, zum großen Teil Vorerzeugnisse zur Fertigung vorstehender Anlagen. Der reine Anteil am Export deutscher Computerprodukte bezifferte sich auf 6,4 Millionen Dollar. Der kanadische Direktexport von Computeranlagen in die Bundesrepublik (ohne Exporte über USA oder andere Drittländer) hatte ein Volumen von 17,5 Millionen Dollar.

Bezeichnend für den kanadischen Markt im Bereich Telekommunikation ist die steigende Inlandsproduktion bei steigendem Import und stagnierendem Export. Unter dem Eindruck einer allgemeinen Verschlechterung der Wirtschaftstätigkeiten und der Zunahme von Arbeitslosigkeit in vielen Bereichen verstärkt sich der Trend einer sich beschleunigenden Rationalisierung in der allgemeinen Wirtschaft. Am Arbeitsmarkt der Telekommunikations- und nachrichtentechnischen Industrie wirkte sich das so aus, daß Ende 1981 rund 3,6 Prozent mehr Beschäftigte in dieser Branche tätig waren als noch im 1. Quartal 1981.

Mikroelektronik im Vordergrund

Die gezielte Entwicklung für eine marktgerechte Innovation in der privaten Wirtschaft und in den staatlichen Forschungseinrichtungen des Bundes und der Provinzen bilden die Grundlagen wirtschaftlicher Expansion. Die Mikroelektronik steht dabei als Basisinnovation auch für die weitere Entwicklung im Vordergrund. Wie aus dem Jahreswirtschaftsbericht der Northern Telecom International Ltd. in Mississauga, Ontario hervorgeht, expandierte der US-Markt dieser Firma von 92 Millionen Dollar in 1975 auf über 800 Millionen Dollar im Jahr 1981. Dem Gesamtumsatz von gesamt 2,1 Milliarden Dollar standen Forschungs- und Entwicklungskosten von 6,9 Prozent gegenüber. Der größte Anteil wurde davon in den Bereich Digital Switching und Transmission investiert - einem wesentlichen Schwerpunkt in Nordamerika.

Eine dieser Northern Telecom Application (SL 10) betreibt die Deutsche Bundespost unter dem Stichwort Datex-P (Packet Switching Service).

Die Bell Canada International & Bell Northern Research, benannt nach Kanadas wohl bekanntestem Telekommunikationspionier, A.G. Bell aus Brantford, Ontario, hält derzeit 1,700 kanadische und internationale Patente, wie der Präsident der Gesellschaft, J. C. Thackeray, bei der letzten Gesellschafterversammlung mitteilte.

Bell Canada kann bei seinen Produktentwicklungen auf seine mannigfaltige Tätigkeit als Telekommunikationsanbieter zurückgreifen. So entstand unter anderem das "Trans Canada Telephone System" mit einem Network-Controllcenter in Ottawa.

Was auf dem normalen Kabelweg wegen Überlastung oder Unwirtschaftlichkeit nicht zu transportieren ist, wird mittels Satellit über Teleglobe Canada in alle Welt transferiert.

Nachrichten via Satellit

Durch die Technologie, teilweise erworben in der kanadischen Mitproduktion von Intelsat, plazierte Kanada als erstes Land einen kommerziellen Satelliten im Orbit. Heute betreibt Teleglobe Canada 110 ständige Satelliten-Bodenstationen mit verschiedenem Service in Kanada - die Serviceleistungen umfassen Telefon, Telex, Telegraf, Private Switched Message Service (PSMS), Radio- und Fernsehübertragung, Daten-Service, Message Service, Faksimile und Text-Kommunikation sowie Videotext (Telidon Btx). Die Zukunftsentwicklung ist dabei heute noch nicht absehbar, wie viele Hersteller aus dem Telekommunikationsbusineß übereinstimmend mit Minister Francis Fox, zuständig für Telekommunikation, feststellen.

Digitale Revolution

Spar Aerospace Ltd. aus Weston, Ontario, ist eine von vielen, meist mittelständisch orientierten Firmen auf dem Sektor "neue Technologie". Nach der erfolgreichen Produktion verschiedener Kommunikationssatelliten entwickelte die Firma für die NASA einen Weltraum-Montagearm, der samt Elektronik und Computertechnologie beim letzten Start der Columbia-Raumfähre mit Erfolg getestet wurde. Damit ist nach Angaben der Firma der Grundstein für hochintelligente, computerisierte Roboter gelegt.

Was die digitale Kommunikationstechnik vermag, beweist die Technologie der Mitel Corp. in Kanada, Ontario, die in weniger als zehn Jahren ihrer Tätigkeit einen Umsatz von 200 Millionen Dollar verzeichnen kann. Mit Produktions- und Vertriebsniederlassungen in führenden Industrieländern ist Mitel einer der Marktführer für voll-digitale Kommunikationssysteme mit dem Warenzeichen "Superswitch" und Bausteine auf CMOS- und ISO-CMOS-Basis. Aufgrund des CMOS-Know-hows fertigt die Euroril GmbH in ihrem Werk in Eching bei München im ersten Quartal 1982 die Lizenzproduktion von Mitel-Chips.

Die digitale Revolution - wie in Kanada das Computerzeitalter bezeichnet wird - hat sich zwischen 1952, (erster Kanadischer Computer) und 1971 (erster Computer auf einem einzelnen 12,3 Quadratmillimeter großen Siliziumchip) stark verändert. Die neuen Computer und Mikrocomputer mit einer integrierten Telekommunikationstechnologie werden den Austausch von Informationen über die Wirtschaft hinaus in viele private Haushalte bringen. Diese Entwicklung verlangt eine effiziente Ausnutzung bestehender Datennetze und eine Beschleunigung des Datentransportes für die Zukunft. Eine große Anzahl von Firmen bietet neue und zukunftsorientierte Technologien, wie der "Science Council of Canada" über diesen für die 80er Jahre interessanten Sektor berichtet. Bereits heute mieten zahlreiche Unternehmen Vermittlungseinrichtungen und Satellitenlinien für die interne Kommunikation - national und international. Dabei werden in verschiedenen geschlossenen Anwendegruppen Geschwindigkeiten von 9,600 Bit per Sekunde bedient.

Glasfaserkabel als Schrittmacher

Nach herkömmlichen Ermittlungen und Studien sind die vorhandenen Kapazitäten jedoch nicht ausreichend, wie das Network-Controllcenter in Ottawa beweist. Allein Teleglobe Canada vermietete 171,7 Millionen Minuten die Satellitenleitungen im Jahr 1981. In der Voraussicht einer weiter ansteigenden Nutzung solcher Entwicklungen begann bereits 1972 die Entwicklung von Glasfaserkabeln. Die kanadischen Kabelgesellschaften und Telefon-Companies starteten die ersten Feldversuche im Jahre 1976. Die längste Distanz im vollen Betrieb ist derzeit 53 Kilometer bei der ATT mit 15 Kanälen und Zweiweg-Videotransmission. Technisch ausgereift ist auch heute bereits die Glasfaser-Seekabel-Technik.

In Manitoba ist die Verkabelung 150 Haushalten mit einem Gesamtaufwand von 6,1 Millionen Dollar in Glasfasertechnik begonnen worden, um den Telefonservice, FM-Radioprogramme und Multikanal TV mittels Glasfaser zu übertragen. Das System dürfte wohl für das nächste Jahrzehnt zukunftsweisend sein, da auch das Zweiweg-Informations- und Videosystem "Telidon" mit Teleshopping, Telebanking, Börsenberichten, Berichten für die Landwirtschaft mit voll computerisiertem Updating (jede Viertelstunde), der Wetterkarte etc. integriert ist. Das durch das bundeseigene Forschungszentrum für Kommunikation im Jahre 1978 vorgestellte alpha-geometrische System ist derzeit in 52 Versionen in Kanada sowie bei AT & T und weiteren Informationsanbietern der USA in Erprobung. "Telidon" unterscheidet sich optisch von den europäischen Entwicklungen durch eine hochauflösende Grafik bei gleichzeitiger Kompatibilität zu dem europäischen CEPT-Standard. Telidon hat vier hauptsächliche Komponenten: ein TV-Set, leicht modifizierbar als Display-Monitor oder Mikrocomputer, eine elektronische Bedieneinheit (numerisch oder alphanumerisch), ein Telekommunikationsnetz- und einen Zentralcomputer. Mit einem Keyboard-Terminal können unabhängig von den zentralen Datenbanken Text und grafische Informationen an Geschäftspartner übermittelt werden. Durch die hohe Speicherkapazität von 8 x 64 KB wird das Fernsehgerät zum voll ausgebauten Mikrocomputer im Online- und Offline-Verfahren. Der Datenverbund und die Übertragung in einer Kombination verschiedener Trägermedien ist bereits realisiert. Um zum Beispiel eine Zeitschrift die in Toronto erscheint, mit dem gleichen Inhalt am nächsten Tag in Vancouver erscheinen zu lassen, bedient man sich des Lichtsatzes via Satellit.

Über 1100 Firmen, Hersteller von Hard- und Software, listete die Zeitschrift "Canadian Datasystems" allein für die Sektoren Computer und Datentechnik. In einer auf Profit und freie Marktwirtschaft ausgerichteten Wirtschaftsordnung ist Kanada ein Tor zu den Weltmärkten, wie die Statistik beweist. Ob Analog- oder Hybridrechner, Groß-, Mikro- oder Minicomputer, Multiplexer, Faksimile-Anlagen, Line-Printer oder Data-Displays für grafische und alphanumerische Verfahren, Disk-Einrichtungen oder Interface-Systeme, die Produktpalette ist nahezu komplett. Dennoch wird die Entwicklungspolitik auf allen Sektoren wesentlich verstärkt fortgesetzt, beispielsweise wurden durch das "Enterprise Development Program" (EDP) der kanadischen Bundesregierung allein im Dezember 1981 14,5 Millionen Dollar für 59 Projekte bewilligt, die für die Zukunftsinnovation und die Mikroelektronikentwicklung verwendet werden. Außer dem vorgenannten EDP-Programm werden durch die Bundes- und Provinzregierungen eine Vielzahl weiterer Programme zur Unterstützung der Industrie zur Verfügung gestellt.

Da diese Programme teilweise auch von ausländischen Unternehmen beansprucht werden können, ist die Anzahl der Auslandsinvestoren in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen. Ausländische Investitionen und Übernahmen von kanadischen Firmen bedürfen der Genehmigung durch die Bundesregierung. Genehmigungen werden durch die FIRA (Foreign Investment Review Agency) übernommen, beeinflussen jedoch nicht nennenswert die Investitionsfreudigkeit der Unternehmen, da die Vorteile steuerlicher und wirtschaftlicher Art durch den größten Markt der Welt, die USA, unmittelbar vor der Türe beginnen.

24 Millionen Kanadier auf fast 10 Millionen Quadratkilometer verdoppelten von 1965 bis 1980 das reale Bruttosozialprodukt, da in Kanadas Wirtschaft sich die Wesenszüge eines hochindustrialisierten Landes mit jenen des Rohstofflieferanten vereinen.

Deutsche Produktionsstätten

Bereits 1970 erkannte die AEG-Telefunken AG die Bedeutung, in Kanada eine Produktionsstätte einzurichten. AEG übernahm die beiden Produktionsstätten der Bayley Engineering Ltd. in Ajax, Toronto, und baute die Kapazitäten zielstrebig aus. 1980 wurde die Produktion um eine dritte Fabrikation in Granby, Quebec, erweitert.

Vor etwa einem Jahr hat sich die Firma mit dem Wirtschaftsministerium in Ottawa über die künftige Entwicklung und Ausbau der Geschäftstätigkeit verständigt, die auf den weiteren Ausbau gerichtet sind.

Die Umsatzsteigerungen dieser Firma beliefen sich nach Angaben von Torsten Walther, Präsident der AEG-Tochter, 1980 auf 84 Prozent und 1981 auf rund 100 Prozent.

Aber nicht nur deutsche Firmen arrangieren sich erfolgreich in Kanada, sondern auch kanadische Firmen in der Bundesrepublik. Als Beispiel sei hier die Firma CAE Industries Ltd., Toronto, mit einem Fertigungsbetrieb in Stolberg bei Aachen angeführt.

Die Firma stellt vorwiegend digitalcomputerunterstützte Flugsimulatoren her. Zu den Geschäftspartnern gehören die NASA ebenso wie die meisten Verkehrsfluggesellschaften der Welt einschließlich der Lufthansa und der deutschen Luftwaffe.

Zusammen in Drittländern

Ein weiteres Tätigkeitsfeld umfaßt computergestützte Ausbildungssysteme für Techniker und Operators sowie Automatisierungsanlagen im Bereich Telekommunikation, zum Beispiel bei computergesteuerten Telex-Verkehrssystemen und Kopplern zwischen Fernschreibverbindungen und Computer oder/und Textverarbeitungsanlagen (FTZ-Zulassung vorhanden). Aus der Tätigkeit im Luft- und Raumfahrtsektor sind auch spezielle mikroprozessorgestützte Datenspeicher und Datenverteilungsanlagen mit entsprechender Software entstanden. Eine Applikation wird bei einem der größten Verleger in der BRD dazu benutzt werden, 30 Bildschirmarbeitsplätze mit vorsortierten Informationen zu versorgen; eingehende dpa-Mitteilungen werden automatisch den entsprechenden Fachgruppen zugeordnet und können dort druckreif aufgearbeitet werden, ohne erneut den Text zu setzen. Aus der Flugsicherung und den Erkenntnissen aus computergesteuerten Pipeline-Systemen ergaben sich Nuklear-Reaktorsteuerungen und Simulationsanlagen, die jede Störung im Reaktorsicherheitsbereich mit einer zukunftsweisenden Computertechnologie beherrschen lernen.

Nicht zuletzt durch den Einsatz dieser Technologie und aus den Erkenntnissen von Harrisburg ist die Diskussion über die Reaktorsicherheit politisch wie technisch durch diese Entwicklung überschaubarer und transparenter geworden.

Auch gemeinschaftlich haben deutsche und kanadische Firmen in Drittländern beachtliche Erfolge erzielt. Die Modernisierung der österreichischen Postanlagen wurde 1981 Northern Telecom und Siemens zugesprochen.

Außer den privatwirtschaftlichen Aktivitäten ist die Zusammenarbeit aufgrund des Abkommens über wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit zwischen der BRD und Kanada vom 16. 04. 1971 und das Rahmenabkommen über handelspolitische und wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Gemeinschaft und Kanada vom 01. 10. 1976 ein wirksames Instrument für den Austausch von Technologie.

Angeführt sei hier unter anderem der Technologietransfer des computergestützten kanadischen Energiemobils, das zur Analysierung von Energieverschwendung und Energieeinsparung in der Industrie eingesetzt wird. Die auf deutsche Verhältnisse abzustimmende Software wurden in diesen Tagen mit den in der BRD vorliegenden Erkenntnissen durch den TÜV Rheinland in Köln fertiggestellt.

Ferner wurde in der Kommision für wirtschaftlich-technische Zusammenarbeit bei der letzten Sitzung in Bonn am 29. 05. und 01. 06. 1981 vereinbart, den Austausch im Bereich Telekommunikation und Glasfasertechnologie besonders zu fördern.

Fördernd, beratend und informierend in allen Fragen der Wirtschafts- und Forschungsbeziehungen der Bundesrepublik Deutschland und Kanada sind die ständigen Vertretungen Kanadas in der BRD und in Europa tätig.

*Karl Heinz Hueber ist Handelsreferent der Kanadischen Bootschaft in Bonn.

Informationen: Kanadische Botschaft, Friedrich-Wilhelm-Str. 18, 5300 Bonn 1, Telefon: 02 28/23 10 61.