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19.05.1978

Kann der Anwender die Normung beeinflussen?

Schlagworte wie "offene DV-Systeme" und "Kompatibilität" beschäftigen die Branche mehr denn je. Kompatibilität - die Voraussetzung zur kostenoptimalen Bereitstellung von DV-Leistung - setzt jedoch Normung voraus. So fordern zwar Hersteller und unabhängige Institute ein größeres Anwender-Engagement in Normungsfragen, die Realität sieht jedoch eher noch so aus, daß sich Marktführer wie auch die Post ihr "eigenes Süppchen" brauen - und von Anwender-Mitarbeit nichts zu merken ist. Sinnvoll kann aber gerade auf dem Gebiet der Datenfernverarbeitung nur eine enge Zusammenarbeit zwischen Anwendern, Post und Herstellern sein, bei der ein herstellerunabhängiger, fachlicher Konsens im Vorfeld der Normung gebildet wird. Die Anwender sind zu größerer Aktivität aufgerufen. Doch offensichtlich ist die User-Seite der schwächste Partner. Drei Gründe werden zumeist vorgeschoben: Uneinigkeit, wenig Eigeninitiative und auch Termindruck.

Die vier Statements zeigen, wie vielschichtig und undurchsichtig sich die anstehenden Probleme aus dem Blickwinkel der Anwender darstellen.

Günter Eizenberger,

Dezernent im Bundesbahn-Zentralamt, München

Die Deutsche Bundespost ist als großer EDV-Anwender ganz besonders daran interessiert, ihre Betriebsmittel so rationell wie möglich einzusetzen. Die sukzessive, im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten relativ lange dauernde Entwicklung von Datenfernverarbeitungs-Verfahren in den verschiedenen Einsatzbereichen unseres Unternehmens hat dazu geführt, daß unterschiedliche Systeme verschiedener Hersteller im Einsatz sind. Die aufgrund weitergehender Rationalisierungsbestrebungen zunehmende Verflechtung dieser Systeme erfordert auch bei der DB den Einsatz eines offenen Übermittlungssystems, wenn die vorhandenen Übermittlungswege auch zukünftig wirtschaftlich genutzt werden sollen. Tatsache ist, daß dieser Trend zwar überall in der Welt erkennbar ist, aber von den großen DV- Herstellern mit der Entwicklung eigener systemspezifischer Netzwerk- Architektur nicht gerade unterstützt wird. Der Datenaustausch mit anderen Anwendern wird trotz des Angebots von Anpassungssoftware um so schwieriger, je komplexer der Informationsbedarf in unserem Wirtschaftsgefüge ist. Um sich auf lange Sicht der Gefahr der allzu starken Abhängigkeit von einem Hersteller zu entziehen, bleibt meines Erachtens dem Anwender nur die Möglichkeit durch entsprechendes Engagement in nationalen Normungsgremien die Entwicklung offener Übermittlungssysteme zu forcieren und mitzugestalten. Solange jedoch die Hersteller in solchen Gremien weitgehend unter sich sind, ist ein rascher Fortschritt im Interesse der Bedürfnisse nicht zu erwarten.

Konrad Christensen,

Leiter der Organisation und Datenverarbeitung, Goetzewerke Friedrich Goetze AG, Burscheid

Kompatibilität von Hard-und Software ist als eine wesentliche Voraussetzung zur kostenoptimalen Bereitstellung von DV-Leistung seit langem eine Forderung der DVA-Betreiber. Kompatibilität wiederum setzt Normung voraus. Normung ist eine anspruchsvolle Aufgabe, sie darf nicht das heute Machbare festschreiben, sie muß insbesondere auch die Trasse für die weitere Entwicklung abstecken.

Zur Erfüllung dieses Anspruchs ist eine intensive Auseinandersetzung mit der Materie erforderlich, die von der Mehrzahl der DVA-Betreiber nicht umfassend ausgeführt werden kann. Die Hauptarbeit für die Ausarbeitung von Normen wird deshalb auch künftig von den DV-Hard- und Softwareherstellern, wenigen potenten DVA-Betreibern und Instituten, Hochschulen und Verbänden ausgeführt werden müssen. Die Praktiker sollten mehr als bisher als eine Art Prüfungsinstanz zur Mitarbeit herangezogen werden.

Wir sind nicht Mitglied in einem Normungsausschuß, wir bemühen uns jedoch durch eine intensive Zusammenarbeit mit Instituten und Verbänden den notwendigen Beitrag als Praktiker zu leisten.

Klaus Grubert,

EDV-Leiter Nobilia-Werke, Gütersloh

Ich bin in keinem Normungsausschuß, weil ich nicht darüber informiert bin, welche Ausschüsse auf welchem Gebiet tätig sind. Außerdem ist ja die Datenfernverarbeitung für ein mittelständisches Unternehmen noch Neuland. In den Fachzeitschriften oder den entsprechenden Publikationen müßte eigentlich viel mehr auf die Normung bezüglich DFV eingegangen werden. Dadurch hätte der Anwender die Möglichkeit, sich einen Überblick zu verschaffen.

Meiner Meinung nach wird der Anwender bei der Normung überhaupt nicht gefragt. Die Hersteller legen doch an erster Stelle Wert darauf, ihre Systeme an den Mann zu bringen. Wenn man einige große DV-Hersteller betrachtet: Jeder kocht sein eigenes Süppchen; von Kompatibilität kann da keine Rede sein. Und so ist es wegen der verschiedenen Schnittstellen nur schwer möglich, Datenendgeräte von anderen Herstellern an die eigene Anlage anzuschließen.

Wir haben eine 64/40 von Honeywell Bull mit Bildschirmterminals, und wir können da schlecht andere Bildschirmgeräte anschließen. Mit Honeywell Bull zu mixen, ist ohnehin sehr schwierig.

Um noch einmal auf die Normungsprobleme zurückzukommen: Die DV-Hersteller, die Post und Anwender müßten einen gemeinsamen Ausschuß gründen. Dann könnten sie miteinander an diese Probleme herangehen. Dem Anwender müßte die Möglichkeit gegeben werden, seine Probleme darzustellen. Ich bin bereit, in einem entsprechenden Ausschuß mitzuarbeiten .

Claus Murrer,

Leiter der EDV-Abteilung, Goldpfeil, Offenbach

In unserem Hause ist eine ICL-Maschine System-Ten installiert. Andere Terminals oder gar Zusatzspeicher anzuschließen, ist nahezu unmöglich. Der nötige technische Aufwand, eine Verträglichkeit herzustellen, macht diese Möglichkeit einer Systemerweiterung uninteressant. Es ist mir nicht bekannt, welche Gremien auf welchen Gebieten sich mit der Normierung befassen. In den entsprechenden Publikationen wird meines Erachtens auch zu wenig darauf eingegangen. Bezüglich der Datenfernverarbeitung ist zu sagen, daß dies für unser Haus noch Neuland ist, die Fragen der Kompatibilität auf diesem Gebiet also noch gar nicht zur Debatte standen .

Die Anwender, Hersteller und die Post müßten einen gemeinsamen Ausschuß bilden. Hierbei muß dem Anwender die Möglichkeit gegeben werden, seine Probleme darzulegen. Allerdings haben Hersteller und Post meines Erachtens kaum ein gesteigertes Interesse daran, in Fragen der Normung und Kompatibilität auf die Wünsche der Anwender einzugehen. Hier ist es unbedingt erforderlich, möglichst viele Anwender anzusprechen und zu einer gemeinsamen Aussage zu bewegen, denn bezüglich der Normung laufen die Interessen der Anwender und Hersteller sicher nicht in allen Fällen parallel.