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14.04.1978 - 

Noch immer fehlt die Software:\

Kann die Textverarbeitung ein eigenständiger Bereich bleiben?

Wenn etwas bleiben soll, muß es vorhanden sein, und in welchen Unternehmen ist denn die Textverarbeitung heute ein eigenständiger Bereich? Bei der Mehrzahl aller Unternehmen der Wirtschaft und öffentlichen Verwaltung entstehen Texte noch in gleicher Weise wie vor zwanzig und mehr Jahren: Das einzige Organisationsmittel, das einem Wandel unterzogen worden ist - die Schreibmaschine -, wird mittlerweile generell mit einem elektrischen Antrieb ausgestattet. Noch immer aber werden mehr Texte in den Stenogrammblock und in die Schreibmaschine diktiert oder in Langschrift vorgeschrieben als auf ein Diktiergerät gesprochen, auch wenn Diktiergerätehersteller ständig steigende Absatzzahlen melden. In manchen Unternehmen steht inzwischen die dritte Generation von Diktiergeräten unbenutzt in den Sehränken der Chefs und Sachbearbeiter. Das ist keine Absage an bewährte zentrale Lösungen, sondern eine realistische Einschätzung der Breitenwirkung der TV, wie wir sie immer noch erleben.

Die Frage nach der Eigenständigkeit der Textverarbeitung gehört meines Erachtens in den akademischen Fragenbereich zum Anspruch der Organisation auf Eigenständigkeit als wissenschaftliche Disziplin. Prof. Mellerowicz erklärte dazu, daß die Zielsetzung der Organisation die Rationalität und nicht die Organisation ist und weist deshalb die Organisation in den Bereich der Hilfswissenschaften, die interdisziplinär wirken sollen. Die Textverarbeitung kann also nur ein eigenständiger Bereich sein wenn damit das Sichtbarmachen der Texte gemeint ist. Das Bestimmen des Textinhaltes ist und bleibt Angelegenheit derer, die mit diesen Texten andere Aufgaben zu erfüllen haben. Überall dort wo die Rationalität administrativer Vorgänge für die Unternehmenszielsetzung von so immenser Bedeutung ist, daß die Rationalisierungsaufgaben durch ein eigenes Vorstandsressort Organisation wahrgenommen werden, dort hat auch die Textverarbeitung Anspruch darauf, ein eigener Bereich innerhalb dieses Vorstandsressorts zu sein. Es muß dem Unternehmen überlassen bleiben, ob dieser Bereich Textverarbeitung oder weitergehend Informationsverarbeitung genannt wird.

Generalisten für leitende Positionen

Bis vor etwa zwei Jahren habe ich die Meinung vertreten, daß eine multifunktionale Textverarbeitung auch dem Leiter Organisation und Datenverarbeitung unterstellt sein sollte. Ich sah darin die beste Gewähr für die rationelle Nutzung sowohl der Soft- als auch der Hardware und die Vermeidung von Kommunikationsschwierigkeiten, von Reibungsverlusten und Überschneidungen in der Ablauforganisation. Ich bin vielfach wegen dieses Standpunktes angegriffen worden weil Textverarbeiter in dem Leiter Organisation und Datenverarbeitung einen "Computerheini" sehen. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich der Verdacht, daß der Leiter Organisation und Datenverarbeitung den Computer als Mittelpunkt des Unternehmens sieht, so daß der Textverarbeiter keinen Gesprächspartner findet, weil ihn niemand und er niemanden versteht. Wo das der Fall ist, hatten und haben die Textverarbeiter mit ihrem Denken nicht unrecht, nur müßten in diesem Unternehmen den Verantwortlichen in den Vorständen oder in den Geschäftsführungen längst diese Bedenken bei allen Organisationslösungen gekommen sein. Wenn an so exponierter leitender Stelle im Unternehmen der Organisationsmittelexperte und nicht der Organisations-, Rationalisierungsexperte und Informatiker sitzt, dann steht bereits vor jeder Problemlösung fest, mit welchen Mitteln das Problem gelöst wird, koste es, was es wolle. In der leitenden Position benötigen wir den Generalisten, der weiß, daß es konkurrierende Verfahren und Mittel zur Problemlösung gibt. Er muß den Einsatz seiner Spezialisten so zu koordinieren verstehen, daß sie miteinander, nicht gegeneinander das Problem analysieren.

Je mehr die Hardware-Hersteller ihre Anlagen sowohl für die Textverarbeitung als auch für die Datenverarbeitung einsetzbar machen, desto geringer wird der Anspruch der Textverarbeitung nach eigenständiger Bereichseinheit. Ich denke hier keineswegs an die Computer im großen Rechenzentrum, die für die Belange der Textverarbeitung bei den meisten Unternehmen gar nicht in Frage kommen, sondern ich denke an jene Anlagen die sich unter dem Begriff mittlere Datentechnik seit vielen Jahren einen Namen gemacht haben. Heute wäre fast jede dieser Anlagen für die Textverarbeitung einsetzbar. Es mangelt weder am Hauptspeicher noch an der Peripherie wie Drucker, Platten, Bänder, auch nicht an dezentralen, in den Fachabteilungen einzusetzenden Ein- und Ausgabenterminals mit komfortablen Bildschirmen. Es fehlt ausschließlich an der erforderlichen Betriebs- und Anwendungssoftware. Hier wird es wirklich allerhöchste Zeit, daß für die Entwicklung dieser Software bei den Herstellern eigene Zuständigkeiten geschaffen werden.

Textbearbeitung als Mengenproblem bedeutungslos machen

Zur Zeit erleben wir leider vielfach, was wir vor 10 Jahren in der Datenverarbeitung bei den im Schnellverfahren ausgebildeten Systemanalytikern und Programmierern erlebten, die einem sagten: "Selbstverständlich reorganisieren und programmieren wir Ihnen Ihre Debitorenbuchhaltung wenn Sie mit unseren Anlagen Textbe- und Textverarbeitung betreiben, aber unser Experte dafür ist leider noch nicht vorhanden." Der Trend bei der Textverarbeitung geht hardwareseitig eindeutig auch in die Richtung zentraler Systeme mit dezentralen Zukunftsmöglichkeiten. Schließlich hat die mittlere Datentechnik ja auch vor dreizehn oder vierzehn Jahren mit dem guten alten Magnetkontencomputer begonnen. Nur werden wir in der Textverarbeitung nicht so lange brauchen, weil die Technik bereits vorhanden ist. Es kommt jetzt nur darauf an, sie in der Anwendung sinnvoll zu nutzen. Wir sollten uns nicht mehr mit dem Pro und Kontra zentraler Schreibdienste und ihrer sinnvollen Zuordnung beschäftigen, sondern uns daran machen, den Anteil der Textverarbeitung so zu steigern, daß die Textbearbeitung als Mengenproblem bedeutungslos wird. Welche Maschinen für das einzelne Unternehmen in Frage kommen ist das Ergebnis einer normalen Untersuchung durch die zuständige Organisationsabteilung in Abstimmung mit den Fachabteilungen. Wie jede andere erfordert auch diese Untersuchung die Berücksichtigung der Kompatibilität des neuen Organisationsmittels mit bereits vorhandenen. Die spätere Nutzung der Mittel ist Angelegenheit der Fachabteilungen.

Die organisatorische und technische Betreuung der Mittel ist Aufgabe der Organisationsabteilungen in Zusammenarbeit mit den Herstellern und der Fachabteilung. Das zentralistische Gebaren der Datenverarbeitung in der Vergangenheit sah primär das Ergebnis der zentralen Hardware. Durch die Entwicklung der Datenübertragung hat dieser Zentralismus ein Ende gefunden. Heute ist die Fachabteilung wieder Herr ihrer Daten. Warum sollte das bei der Textverarbeitung anders sein?

*Rudolf Nechutniss ist Leiter Organisation und Datenverarbeitung der Voith-Werke, Heidenheim.