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19.04.1985

Kapazitätsplanung: DV-leiter hat immer den "Schwarzen Peter"

Gibt es Probleme bei der Kapazitätsplanung, so steht am Ende immer die DV-Abteilung als Sündenbock da. Ist also eine Erweiterung der bestehenden Konfiguration im Gespräch, konstatiert Systemmanager Rolf Breitsprecher von der Nord-West-Ingenieurgesellschaft, treibt es dem DV-Leiter den kalten Schweiß auf die Stirn. Um Begriffe wie "Investitionsruine" oder "Kapazitätenengpaß" aus dem Vokabular der Datenverarbeiter zu verbannen, stellt Edgar Huber, Leiter der Abteilung Org./DV bei der Böwe Maschinenfabrik, ein Planungskonzept vor, das die Gefahr von Fehlinvestitionen und Engpässen auf ein Minimum reduzieren soll. Ein "paradiesischer Zustand" allerdings, gibt Gerhard Köstner von der Ersten Österreichischen Spar-Casse zu bedenken, stellt sich nicht von selbst ein: "Es hat eine Menge Zeit und Arbeit gekostet, um den heutigen Status zu erreichen."

Gerhard Köstner

verantwortlich für das Gebiet Kapazitätsplanung, Die Erste Österreichische Spar-Casse, Wien

Aus den oft leidvollen Erfahrungen der Vergangenheit, wenn die verfügbare Kapazität zur zeitgerechten Erledigung der geplanten Workload nicht ausreichend war, haben wir gelernt. Seit einigen Jahren ist es nicht mehr vorgekommen, daß wir im Rechenzentrum von den Anforderungen derart überrollt worden wären, so daß streßbehaftete Sofortmaßnahmen durchzuführen gewesen wären.

Dieser im Vergleich zu früher "paradiesische" Zustand hat sich nicht von selbst eingestellt, vielmehr hat es eine Menge Zeit und Arbeit gekostet, um den heutigen Status zu erreichen. Die Verfahren und Instrumente, die wir in der "Ersten Österreichischen Spar-Casse - Bank" im Bereich der Kapazitätsplanung anwenden, um die Anforderungen der DV- Benutzer zufriedenstellend, zeitgerecht und kostengünstig zu erfüllen, sind folgende:

Den Komplex Kapazitätsplanung unterteilen wir in die Bereiche Hardware-Planung und Workload- Planung. Diese beiden Teilbereiche müssen selbstverständlich in ihrer Gesamtheit betrachtet werden, sind den Einflüssen der Umwelt (beispielsweise neue DV-Anwendungen) unterworfen

und müssen laufend an die sich ändernden Umweltbedingungen angepaßt werden

Je nach der zu überdeckenden Zeitdauer unterscheiden wir zwischen kurzfristiger mittelfristiger und langfristiger Planung. Jeder Planungsprozeß durchläuft die drei Phasen Planung, Durchführung und Kontrolle

Die kurzfristigen Planungsprozesse und Entscheidungen finden im Bereich des Operating statt. Die Tätigkeit des Operating wird durch die Instrumente Pultprotokoll, Job-Ablauf und Wochenvorschau unterstützt. Unsere Produktion läuft völlig unter der Kontrolle eines von uns selbst entwickelten Ablaufsteuerungssystems, das aufgrund von Terminlogik und Jobabhängigkeiten die pro Arbeitstag durchzuführenden Jobs generiert. In der Liste Job-Ablauf sind alle heute durchzuführenden Jobs mit ihren Verknüpfungen und Abhängigkeiten in Flowchartähnlicher, grafisch übersichtlicher Form enthalten. Unsere Jobs werden automatisch vom Ablaufsteuerungssystem gestartet, wenn Vorgängerjobs und/oder vorgegebene Abhängigkeiten erfüllt sind. Zusätzlicher Peripheriebedarf (beispielsweise Bänder) sind Im Pultprotokoll vermerkt, so daß die benötigten Bänder schon vor der Anforderung durch den Job dem Bandarchiv entnommen und zeitgerecht vorbereitet werden können.

Störungen im Produktionsablauf, egal ob abnormales Jobende oder Hardware-Ausfall, werden maschinell gespeichert und vor Arbeitsende ausgedruckt, so daß am nächsten Tag in der Früh aufgrund dieser Informationen die notwendigen Maßnahmen gesetzt werden können.

Längerfristige Planungsperioden erstrecken sich meist über ein Jahr. Die Hardware-Planung wird unter Berücksichtigung der Mengensteigerungen der Produktion und der Kapazitätsanforderungen der Benutzer vorgenommen. Diese User-Anforderungen werden im Herbst eines jeden Jahres vom Rechenzentrum initiiert, worauf die User ihre Anforderungen für das nächste Kalenderjahr innerhalb einer bestimmten Frist bekanntgeben. Wir fassen alle Anforderungen zusammen und senden die vorläufigen Gesamt-Anforderungen an alle User. In der folgenden Feedback-Phase diskutieren wir mit jedem User, ob seine Anforderungen bezüglich Größenordnung und Zeitpunkt tatsächlich realistisch sind.

Die revidierten Gesamt-Anforderungen fließen dann in die Kapazitäts-Jahresplanung des Rechenzentrums. Aus den Ist - Werten und aus diesen Plan-Daten erstellen wir die Kapazitäts- und Ausprognose für das nächste Jahr, die im wesentlichen zwei Zwecken dient.

Estens zur Überprüfung ob die geplante Hardware-Konfiguration ausreichend ist, beziehungsweise wann Hardware-Bestellungen und Installationen vorzunehmen sind, um die geplante Workload bewältigen zu können.

Zweitens als Basis für die Verrechnungspreise für EDV-Leistungen; wir kalkulieren

unsere Preise kostendeckend auf der Grundlage des prognostizierten Verbrauchs des

nächsten Jahres. Je intensiver eine Hardware-Komponente genutzt werden kann, um so niedriger ist klarerweise der Preis für eine Verbrauchseinheit.

Im laufenden Betrieb sind unsere Rechenzentrums-Verträge ein wichtiges Steuerungs- und Kontroll-Instrument. Der Rechenzentrums-vertrag ist eine schriftliche Vereinbarung zwischen einem DV-Benutzer und dem Rechenzentrum. Hier wird dem User eine definierte Leistung garantiert, andererseits ist ein Rahmen für den Ressourcenverbrauch vorgegeben.

So darf zum Beispiel ein Timesharing- User im Verlauf einer Session bestimmte Grenzen bezüglich Memory oder Massenspeicher nicht überschreiten. Diese Limits werden durch selbstentwickelte Software kontrolliert und geben die Gewähr, einer großen Anzahl von DV-Benutzern einen gleichmäßigen, zufriedenstellenden Servicegrad zu ermöglichen.

Rolf Breitsprecher

Systemmanager, Nord-West-Ingenieurgesellschaft, Hannover

Immer wenn eine Kapazitätserweiterung der bestehenden Konfiguration im Gespräch ist, steht dem DV-Leiter der kalte Schweiß auf der Stirn. Wie oft stellte sich in der Vergangenheit heraus, daß die neuen Aufgaben am Ende doch nicht die Höhe der Investitionen gerechtfertigten. In den wenigsten Fällen war es das Verschulden des DV-Leiters. Vielmehr war es Fehleinschätzung und mangelnde Voraussicht der Fachabteilungen, durch die wertvolles Kapital gebunden wurde. Am Ende steht aber immer die DV-Abteilung als Sündenbock da.

Um das zu verhindern, sollte man zuerst den neuen Aufgabenkatalog sorgfältig durcharbeiten und eventuelle dubiose Forderungen von vornherein streichen. Bei der anschließenden Auswahl der Hardware ist auf eine wachstumsfähige Erweiterung zu achten, damit sie stufenweise an die tatsächlichen Aufgaben angepaßt werden kann.

Kurzfristige Engpässe sollten nie dazu verleiten, über eine Kapazitätserweiterung nachzudenken. Es empfiehlt sich, vorerst die Möglichkeit zu prüfen, durch Kooperationsverträge mit anderen Unternehmen diese Spitzenbelastungen auf deren Rechenanlagen auszulagern. Wie sich gezeigt hat, findet man dafür ein offenes Ohr, denn andere Rechenzentren haben die gleichen Probleme.

Edgar Huber

Leiter Org./DV Böwe Maschinenfabrik GmbH Augsburg

Sollen Begriffe wie "Investitionsruine oder "Kapazitätsengpaß" nicht zum Vokabular der Org./DV-Abteilung gehören, ist es ratsam sich an bestimmte Grundsätze zu halten. Dazu gehört beispielsweise die Schaffung eines Rahmenplans für die Entwicklung von Organisation und Informationstechnologie. Für die einzelnen Funktionen innerhalb dieses Rahmenplans sind wiederum Zielanforderungen zu definieren. Unerläßlich ist es, das gesamte Konzept zu strukturieren. Daraus lassen sich dann einzelne Projekte mit klar umrissener Aufgabenstellung, definierten Schnittstellen und präziser Zielsetzung ableiten.

Um effektiv arbeiten zu können, empfiehlt es sich, für jeden dieser Teilbereiche, eine Reihe von Analysen durchzuführen. So gibt der Aufwandsplan beispielsweise Aufschluß über die Anzahl der Mannmonate je beteiligter Funktion für die Realisierung des Projekts. Der Finanzplan zeigt, welche finanziellen Mittel erforderlich sind und wie sich Investitionsvolumen sowie Auswirkungen auf die Budgets darstellen. Unter Berücksichtigung des Aufwands und der verfügbaren Mannkapazität stellt der Terminplan die Realisierungsstrecke des Projekts dar. Und schließlich empfiehlt sich eine Kosten / Nutzen- Betrachtung.

Die erarbeitete Planung darf kein einmaliger Vorgang sein. Es muß sich dabei vielmehr um einen ständigen Prozeß handeln. Der erstellte Rahmenplan ist folglich dauernd zu aktualisieren und den geänderten Gegebenheiten anzupassen.

In regelmäßigen Zeitabständen sollte die bestehende Planung mit den einzelnen Funktionen im Unternehmen abgestimmt werden. So ist es möglich, sich rechtzeitig auf diese Aktivitäten einzustellen beziehungsweise individuelle Vorstellungen bei der Planung zu berücksichtigen .

Auf Basis einer solchen Planung läßt sich dann für die Hardwarekonzeption des Rechenzentrums die Belastungsplanung für die Zentraleinheit beziehungsweise Plattenkapazität ableiten. Für die Systementwicklung kann die erforderliche Kapazität bestimmt werden, die Anpassung ist rechtzeitig durchführbar. Die Gefahr einer Fehlinvestition oder eines Kapazitätenengpasses geht somit auf ein Minimum zurück.