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05.11.1982

Kapazitätsplanung schont Nerven und Portemonnaie

Engpässe in der Datenverarbeitung treten in vielen Fällen überraschend auf und müssen in der Regel schnellstmöglich behoben werden - so lautet die Aussage vieler Anwender. Die Gefahr der übereilten Entscheidung und damit einer Fehlinvestition frei nach dem Motto "viel hilft viel", ist latent vorhanden. Abhilfe schaffen hier Kapazitätsplanungsinstrumente, die sowohl als eigene organisatorische Lösungen entwickelt werden, als auch standardisierte Planungshilfen, die auf dem Markt angeboten werden. Für welchen Lösungsweg sich der DV-Manager auch entscheidet, wichtig ist in jedem Fall, daß man sich frühzeitig genug um die möglichen Engpässe kümmert. Denn Wartezeiten durch Performance-Probleme kosten nicht nur Nerven, sondern vor allem viel Geld. hh

Aryeh Horn,

System-Ingenieur, Unternehmensberatung Schumann GmbH, Köln

Kapazitätsplanung ist ein leistungsorientiertes Verfahren zur EDV- Steuerung. Es behandelt besonders die Probleme im Bereich der Verwaltung der Computer-Resourcen und der Prognose der zukünftigen Belastung (workload) sowie der Leistung des Systems. Mit anderen Worten: Wie kann der EDV-Leiter das Wachstum seiner Computeranlage fortlaufend unter Hinzuziehung von Datensammlungs- und Analysetechniken steuern?

Der Prozess - messen und analysieren der Belastung, des Gebrauchs und der Reaktion der verschiedenen System-Resourcen - ermöglicht es, den Durchlauf der gegenwärtigen und zukünftigen Arbeiten durch das System zu kontrollieren und den Benutzer optimal zufriedenzustellen.

Die verschiedenen Methoden unterscheiden sich durch die Komplexität und entsprechend durch die erforderlichen Investitionen in Werkzeuge, Arbeitskraft oder Zeit. Die bei der Kapazitätsplanung anwendbaren Methoden erstrecken sich von den simpelsten (Faustregeln) über solche wie Lineare Analyse (USAGE Methodologie), Queueing Models (Warteschlangen, ANCICSVS, BEST/ 1), Simulationstechniken (SNAPSHOT, BEST/ 1, Simulationssprachen) bis hin zu vollen System-Benchmarks (der weitaus komplexesten Methode).

Nachstehend wollen wir die erforderlichen Schritte, zur Durchführung des Kapazitätsplanungsprozesses grob skizzieren:

1. Einholen der Zustimmung zum Kapazitätsplanungsprojekt seitens der Unternehmensführung (TOP-Management).

2. Verdeutlichung der Organisationsstruktur im Unternehmen und ihrer Auswirkungen auf das Kapazitätsplanungsprogramm.

3. Detaillierte Darstellung der gegenwärtigen Kapazitätsplanungsfunktionen und des entsprechenden Berichtswesens.

4. Erstellung einer möglichst genauen Aufstellung über die CPU-Auslastung nach Subsystemen (Batch, TSO, IMS) sowie nach Hauptanwendungen innerhalb dieser Subsysteme.

5. Festlegen der speziellen Anforderungen der Benutzer an den Servicegrad (Antwortzeit, Durchlaufzeit).

6. Durchführung einer ersten Performance-Analyse (Leistungsanalyse) und Voraussage.

7. Definition der Parameter zur Quantifizierung der natürlichen -Auslastungssteigerung für jedes Anwendungsgebiet, direkt auf seine natürlichen Werte bezogen.

8. Definition der Parameter zur Quantifizierung neuer Anwendungen für jeden Bereich, direkt auf die unter Punkt 4 festgelegten Werte bezogen.

9. Entwicklung einer Methode für eine ständige Leistungsbewertung.

10. Festlegen von Berichtsinhalten und Auswahl der erforderlichen Instrumente zur regelmäßigen Durchführung der Schritte 4, 5, 6, 7 und 8.

Zum Schluß mochten wir betonen, daß die volle Verantwortung für die (immer wiederkehrende) Durchführung des Kapazitätsplanungsprozesses allein im EDV-Bereich liegt. Andere Fachabteilungen werden zwar um Hilfe und Beratung gebeten und ihre Unterstützung ist Grundvoraussetzung für den Erfolg des Verfahrens, jedoch wird hierdurch die Verantwortung der EDV-Abteilung nicht gemindert. Bei einer ersten Durchführung sehen wir die Unterstützung durch Spezialisten (Berater) als empfehlenswert an.

Klaus Krämer

Systemberater, Amdahl Deutschland GmbH, Frankfurt

Mit Engpässen irgendwelcher Art lebt wohl jeder DV-Anwender, selbst der größte. Nun lassen sich zweifellos mit zusätzlicher Rechnerleistung, größerem Speicher und noch umfangreicherer Peripherie die meisten dieser Engpässe beheben - nach dem Motto "viel hilft viel". Daß solche Ratschläge meist gerade vom angestammten Hauslieferanten kommen, sollte niemand wundern.

Unter dem Druck der Kosten entstehen Einsichten:

- Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist und die Benutzer nicht mehr den erwarteten DV-Service erhalten, vergeht selbst bei zügiger Abwicklung zwischen Erkennung und Behebung eines Engpasses viel Zeit. Diese Zeit verminderter Leistung kostet Geld.

- Ist der Ernstfall erst einmal eingetreten, fehlt es meist an Zeit und Ruhe, dem wirklichen

Engpaß im System gezielt zu Leibe zu rücken. Die Folge sind überhastete Entscheidungen über möglicherweise zu hohe Investitionen, die das angepeilte Ziel unter Umständen nicht einmal erreichen.

Als Konsequenz sind auch bei Anwendern, die sich selbst als "mittelgroß" einschätzen, in zunehmendem Maß Hardwareplaner zu finden, deren wichtigste Aufgabe es ist, den geforderten DV-Service mit möglichst geringen Mitteln zu gewährleisten. Diese Analytiker brauchen Daten. Sie sind durch ein breites Spektrum von Monitoren zu erhalten. Um nicht in einer unkoordinierten Flut von Meßdaten zu ersticken, brauchen sie ferner unausweichlich Hilfsmittel.

Solche Softwaretools, die mit Hilfe der Theorie vernetzter Warteschlangen auch komplexe Systeme lose gekoppelter Rechner bis in alle Einzelheiten der I/O-Konfiguration abbilden können, sind in unserem Hause entwickelt worden - nicht zuletzt, um eines der größten Rechenzentren der amerikanischen Westküste, das Amdahl Coporate Center, zugleich leistungsfähig und wirtschaftlich führen zu können.

Bernd Siegler,

Ltr. EDV-Produktion, Jacobs Service GmbH & Co. KG, Bremen

Kapazitätsplanung orientiert sich bei uns an folgenden drei wichtigen Ebenen:

- Messen, sammeln und analysieren des Ist-Zustandes. Das geschieht mit Hilfe von verschiedenen Softwaremonitoren (CMF, SMF, CONTROL/ IMS, eigene Programme) und sonstigen Aufzeichnungen.

Diverse, für unsere Installation wichtige Key-Daten werden langfristig auf Monatsbasis miteinander verglichen. Damit ist die bisherige Entwicklung exakt in die Planung einzubringen und bildet eine wichtige Basis für die Extrapolation der Bedarfsentwicklung.

- Kapazitive Bewertung der konkreten kurz- bis mittelfristigen Projektplanung anhand vorhandener Anwendererfahrungen (bei Standardsoftware) Herstellerangaben und eigener Urteilsfähigkeit.

Simulationen haben hierbei keine Verbesserung der Prognosewerte erbracht, vor allem wohl deshalb e weil die einzubringenden Parameter ebenfalls zu schätzen sind und die darin liegenden Fehlertoleranzen in der Summe zu großen Abweichungen geführt haben.

- Nicht zuletzt wird noch die allgemein in der Industrie zu beobachtende Entwicklung berücksichtigt. Hier kann man auf verschiedenste Quellen zurückgreifen. Wir haben jedenfalls beobachtet, daß in der Vergangenheit eine recht gute Übereinstimmung zwischen dieser allgemeinen Entwicklung und dem Ausbau der Kapazitäten bei Jacobs bestand.

Diese Form der Kapazitätsplanung wird im Grunde auf alle Komponenten mit unterschiedlichen Betrachtungszeiträumen angewandt. So wird für die CPUs ein Planungshorizont von vier bis fünf Jahren angesetzt und Terminals lediglich im Rahmen des Budgets (maximal eineinhalb Jahre) betrachtet.