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27.09.2005

Kapituliert Palm vor Windows?

PDA-Pionier Palm setzt beim neuen Smartphone auf Windows als Betriebssystem.

Palm, bislang Microsofts Erzrivale auf dem Gebiet der PDAs und Smartphones, scheint seine Strategie zu ändern. Auf einer Pressekonferenz in San Francisco kündigte der Handheld-Hersteller eine strategische Allianz mit Microsoft an: Palm nimmt "Windows Mobile 5.0" als Betriebssystem für eine erweiterte Reihe seiner "Treo"-Smartphones in Lizenz. Erstes Gerät dieser Reihe ist der "Treo 700", der ab 2006 zuerst über den Mobilfunker Verizon vermarktet werden soll. Genauere technische Details zum Treo wollen die Partner erst zu seiner Markteinführung veröffentlichen. Sicher ist bislang nur, dass es sich um ein CDMA-basierendes Telefon handeln wird. Mit Hilfe der EV-DO-Technologie soll es auf Transferraten von 400 bis 700 kbit/s kommen.

Hier lesen Sie …

• welches Smartphone PDA-Hersteller Palm mit Windows Mobile auf den Markt bringt;

• wie Palm-CEO Colligan die Entscheidung begründet;

• wie die Branche über die Konsequenzen dieser Partnerschaft spekuliert.

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de/go/

*75231: Windows Mobile 5.0;

*81037: Access schluckt Palmsource;

*81587: Palm-Gewinn sinkt trotz Treo-Erfolgen.

Unklar ist auch noch, wie weit Palms Bekenntnis in Richtung Windows Mobile geht. Die Antworten von Ed Colligan, President und CEO von Palm, auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Bill Gates und Verizon-Chef Denny Strigl erinnerten hier stark an Radio Eriwan: Einerseits sei die Partnerschaft, so der Palm-CEO, nur additiv zu sehen, anderseits lobte er Windows Mobile, weil es etliche Aufgaben besser bewältige als "Palm OS". Zudem eröffne Windows Mobile neue Märkte für Palm.

Entsprechend wild wird in der Branche nun über die Zukunft Palms spekuliert: Während die einen in der Vorstellung des Windows-Smartphone einen strategischen Richtungswechsel sehen, glauben andere, dass Palm mit dem Gerät lediglich Geschäftskunden entgegenkomme, die ein mobiles Endgerät wollten, das sich nahtlos in ihre vorhandene Microsoft-Infrastruktur integrieren lässt. Für beide Thesen sprechen verschiedene Fakten. So verlor Palm auf dem Markt immer mehr Marktanteile gegenüber Windows-basierenden Pocket PCs. Mehr als die Hälfte der kleinen Computer ist heute mit dem Microsoft-Betriebssystem ausgestattet. Ferner schrumpft der Markt der reinen PDAs, während die Smartphones sich steigender Beliebtheit erfreuen. Marktführer ist hierzulande beispielsweise T-Mobile mit seinen Windows-Smartphones, gefolgt von Nokia mit der Symbian-Plattform. Palms Treo belegte im Juli 2005 in Deutschland lediglich Platz 5 mit einem Marktanteil von acht Prozent.

Unklar ist zudem, ob Palm in Zukunft überhaupt noch verlässlich auf das eigene Betriebssystem "Palm OS" bauen kann. Die Softwareentwicklung war nämlich vor zwei Jahren in das Tochterunternehmen Palmsource ausgegliedert worden. Und diese Sparte war erst Anfang September für rund 325 Millionen Dollar an das japanische Unternehmen Access verkauft worden. Das Unternehmen machte sich vor allem einen Namen als Entwickler von Browsern für mobile Endgeräte, einer Java-Portierung auf diese Geräte sowie verschiedener Protokoll-Stacks und Browser-basierender Software.

Abwehrfront gegen RIM?

Gegen einen strategischen Wechsel Palms auf Windows Mobile spricht allerdings, dass die Company zuletzt weniger als Technikschmiede reüssierte als vom Nimbus lebte, Microsoft im Kampf David gegen Goliath die Stirn zu bieten. Groß geworden war die Company als eine Ausgründung des Netzwerkherstellers 3Com zu Zeiten der New Economy. Damals waren die Palms nach der erfolglosen Ära des Apple-Organizers "Newton" das Synonym für PDAs, während Microsofts erste Gehversuche in diesem Marktsegment noch belächelt wurden. Mit dem Wechsel zur Microsoft-Plattform wäre Palm nur noch ein PDA-Gerätehersteller unter vielen und stünde in direkter Konkurrenz zu Branchenriesen wie Dell oder Hewlett-Packard.

Andere bringen wiederum eine dritte These zur Begründung der unerwarteten Freundschaft zwischen Microsoft und Palm ins Spiel: Beide Unternehmen würden mit dem Schulterschluß lediglich auf den Erfolg des Blackberry von RIM im Bereich des Mobile Messaging reagieren. Deshalb sei die Partnerschaft als Abwehrfront gegen den erfolgreichen E-Mail-Push-Anbieter aus Kanada zu sehen. (hi)