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25.11.1998 - 

Euro-Umstellung/Die Aufgaben und eine Vorgehensweise für Anwender in Zeitnot

Kapselung von Währungsdaten: eine schnelle Brücke zum Euro

Von Holger Exner* Die Einführung des Euro bietet den Unternehmen eine große Chance, sich von ihren Wettbewerbern abzuheben. Wer frühzeitig den Umstieg schafft, beweist Kompetenz in seinem Markt und Entgegenkommen gegenüber seinen Kunden. Das Zusammenwirken von Fach- und IT-Abteilungen ist stärker denn je gefragt. Denn es ist nötig, unter enormem Zeitdruck Anforderungen zu erkennen und die passenden Lösungen zu entwickeln.

Die meisten DV-Projekte resultieren aus einer kommerziellen Anforderung, zumindest aus dem Ziel, anschließend Kosten zu reduzieren. Jahr-2000-Maßnahmen hingegen sind vor allem kostenintensiv.

Betriebswirtschaftliche Anforderungen forcieren die Einführung des Euro. Eine gemeinsame Währung bringt größere volkswirtschaftliche Stabilität und ein größeres Potential für ein ökonomisches Wachstum. Am 1. Januar 1999 öffnet sich der größte Währungsmarkt der Welt und bietet den Firmen große Chancen, aber auch Gefahren.

Das Geschäft muß sich aufgrund der Anforderungen dieses neuen Marktes ändern. IT-Systeme sind anzupassen, um diesen neuen Geschäftsanforderungen zu genügen. Dieser Wechsel gestaltet sich komplexer als das Jahr-2000-Problem - jedenfalls für Firmen, die durch die Einführung des Euro ihre Vorteile maximieren wollen.

Die Kosten der Jahr-2000-Umstellung bringen keine oder kaum langfristige Vorteile, sondern dienen dazu, eine gefährliche Situation zu verhindern. Die könnte sich auch ergeben, wenn IT-Anwender sich nicht rechtzeitig auf den Euro vorbereiten. Vor allem aber ist die rechtzeitige Einführung des Euro eine Investition in die Zukunft.

Die Europäische Union (EU) hat in Verordnungen und Richtlinien klar geregelt, wie die Einführung des Euro abzulaufen hat. Die IT-Abteilungen sind gefordert, alle betroffenen Anwendungen so anzupassen, daß alle Umrechnungen mit diesen Regelungen konform gehen.

Die EU-Regeln enthalten zunächst einen Zeitplan, in dem für Unternehmen vor allem drei Termine wichtig sind. Ab dem 1. Januar 1999 ist für den bargeldlosen Verkehr die Verwendung von Euro und nationalen Währungen erlaubt. Diese Doppelwährungsphase umfaßt ab dem 1. Januar 2002 auch Noten und Münzen. Ab dem 1. Juli 2002 besitzt dann nur noch der Euro Gültigkeit.

Die Doppelwährungsphase ist der einzig problematische Abschnitt, in dem für verschiedene Probleme besondere Vorschriften gelten, die im folgenden behandelt werden. Grundsätzlich gilt während dieser Zeit das Prinzip: "Jeder darf, keiner muß."

Gleichwohl geben im Prinzip immer die Kunden oder Abnehmer von Produkten und Dienstleistungen vor, welche Währung - Euro oder Mark - im Unternehmen vorherrscht. Die so definierten Verhältnisse in den Außenbeziehungen wirken umgehend in interne Rechnungsvorgänge hinein.

Eine Verordnung des Europa-Rats legt fest, wie Währungen umzurechnen sind. Dabei treten Rundungsdifferenzen auf. Zum Beispiel: Ein Unternehmen stellt eine Rechnung in Euro. Der Kunde zahlt in Mark. Der gezahlte Betrag wird vom Unternehmen in Euro umgerechnet, und es ergibt sich eine, wenn auch geringfügige, Differenz von einem Cent. Um zu verhindern, daß dem Kunden automatisch eine Mahnung zugeht, muß die Transaktion erfaßt und die Differenz zugeordnet und verbuchbar sein.

Ein weiteres Beispiel: Ein Bankkonto wird mit einer Einlage von einhundert Mark eröffnet. Die Bank arbeitet bereits ausschließlich in Euro. Wird das Konto geschlossen, so erhält man Mark 99,99 zurück. Dazu kommt es, wenn die Umrechnungsdifferenz nicht mitverwaltet wird. In diesen beiden Beispielen geht es um minimale Beträge, Großunternehmen jedoch tätigen derartige Transaktionen jeden Tag zu Tausenden. Hat ein Betrieb keine Vorsorge getroffen, legen spätestens die Wirtschaftprüfer diese Mißstände offen.

Auch der Umtausch von Devisen innerhalb der Währungsunion ist von der EU geregelt. Die Verordnung 1103/97, die bereits in allen Ländern der Währungsunion Gesetz ist, legt den Wechselkurs von Landeswährung in Euro fest. Damit entfällt das Risiko von Kursschwankungen, das sich heute im Unterschied zwischen Geld- und Briefkurs bemerkbar macht.

Dies bedeutet aber gleichzeitig, daß künftig Devisen innerhalb der Währungsunion nicht mehr direkt gegeneinander zu tauschen sind, sondern ausschließlich über den Euro. Dieser Dreieckstausch - auch Triangulation genannt - ist in allen Anwendungen zu realisieren.

Italien, Portugal und Spanien kennen heute keine Dezimalstellen in ihren Währungen. Eine Anpassung aller Währungsfelder ist unumgänglich. Dieses Problem trifft deutsche Unternehmen glücklicherweise nicht - oder doch? International tätige Unternehmen sollten ihre Anwendungen und Datenbanken zumindest daraufhin untersuchen, um sicher zu sein, daß sie nicht doch irgendwo Pesetas, Lire oder Escudos verarbeiten. Vor der Notwendigkeit, Währungsfelder zu erweitern, stehen Großbritannien und Irland.

Bei der Umstellung sind darüber hinaus alle Systeme zu berücksichtigen, die Daten austauschen. Standards wie EDI transportieren Daten, aber sie interpretieren sie nicht. Jede einzelne Anwendung muß also wissen, ob eine übermittelte Zahl für Euro oder Mark steht. Auch im elektronischen Zahlungsverkehr sind Anpassungen nötig.

Die manuelle Umstellung ist sicher nicht die schnellste Lösung. Nur der Einsatz von Werkzeugen kann die Zeit für die Umstellung signifikant reduzieren. Zugleich erhöhen sie die Genauigkeit und Qualität der Umstellung, so daß sich auch der Aufwand für das Testen der geänderten Anwendungen erheblich verringert. Eine Verkürzung der Projektlaufzeit bedeutet gleichzeitig geringere Kosten. Oder anders ausgedrückt: Keine Tools einzusetzen kann weit höhere Kosten verursachen, als für die Werkzeuge einzusetzen wären.

Die meisten DV-Anwender sind nicht in der Lage, ihre Sy- steme über Nacht oder in einer Wochenendaktion auf den Euro umzustellen. Es nimmt eine beträchtliche Zeit in Anspruch, die Anwendungsprogramme anzupassen sowie Dateien und Datenbanken im notwendigen Umfang zu konvertieren. In manchen Fällen dauert allein die Umstellung der Datenbanken Wochen oder Monate.

Während eines Euro-Projekts sind in den meisten Fällen bestimmte Programme und Daten bereits angepaßt, während andere Programme noch unverändert laufen. In diesem Zwischenstadium ist die DV-Umgebung schwer zu administrieren, vor allem wenn Anwendungen und Daten sehr stark miteinander vermischt sind.

Eine Möglichkeit, dieses Problem zu umgehen, ist die "Kapse- lung". Daten werden mit einer intelligenten Kapsel umgeben, über die die Kommunikation mit der Umgebung erfolgt. Wenn eine bereits auf den Euro umgestellte Anwendung Daten verarbeitet, die noch als Mark abgelegt wurden, weist das Ergebnis einen Betrag in Euro aus.

Beim Zurückspeichern des Ergebnisses konvertiert die intelligente Kapsel diesen Betrag entsprechend zurück in Mark. Durch diese "intelligente Kapsel" - auch "Bridge" genannt - kann der Nutzer eine unvollständige Umstellung seiner Anwendungen und Datenbanken während der Übergangsphase zum Euro in den Griff bekommen.

Bevor der Nutzer gezwungen ist, alle Anwendungen oder Daten gleichzeitig umzustellen, kann er einfache Bridges einbauen, die ihm wenigstens in der Doppelwährungsphase aus der Patsche helfen. Dies ist eine der kostengünstigsten Methoden der DV-Umstellung auf den Euro.

Es ist allerdings wichtig, bei der Auswahl von Umstellungshilfen darauf zu achten, daß diese Tools für alle im Unternehmen eingesetzten Plattformen verfügbar sind, um die Konsistenz der Umrechnungen und Daten sicherzustellen. Methodisches Vorgehen und kompetente Beratung bei der Auswahl der Werkzeuge sind notwendige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umstellung eines Unternehmens auf den Euro.

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Im Gegensatz zu den defensiven Jahr-2000-Projekten geht es bei der Umstellung anläßlich der Euro-Einführung um die Erschließung geschäftlicher Handlungsmöglichkeiten im neuen Rahmen der europäischen Währungsunion. Sie kann mehr Aufwand erfordern als das Problem 2000. Dieser Beitrag erläutert kurz die Minimalanforderungen gemäß den Umstellungsvorschriften und erläutert eine Vorgehensweise, wie sich selbst unter Zeitdruck die EU-Richt- linien umsetzen lassen.

*Holger Exner ist Marketing-Manager der Viasoft GmbH in München.