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02.09.2005

Karriere als lebenslanges Projekt

Mit einer klugen und flexiblen Strategie gelingt es IT-Experten, egal welchen Alters, sich in der schnell- lebigen Branche zu behaupten. Wir haben drei Lebensläufe in der IT herausgepickt.

Rebekka Oeters zählte Mathematik schon immer zu ihren Lieblingsfächern. Die Leidenschaft für Grammatik, Logik und Analyse führte sie zu einem Informatikstudium an der Technischen Universität in Berlin: "Mein Vater ist Informatiker, deshalb wusste ich, was mich erwartet." Gestalten und Analysieren waren auch ihre Motivation, sich für Softwaretechnik als Schwerpunkt im Hauptstudium zu entscheiden. Als studentische Mitarbeiterin am Institut für Softwaretechnik und als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fraunhofer-Institut für Software und Systemtechnik lernte sie neben den fachlichen Aspekten auch die von Arbeitgebern gern gesehenen Soft Skills, die sie etwa brauchte, um zusammen im Team Projekte zu entwickeln und umzusetzen. Auch Zeitdruck spielte plötzlich eine Rolle.

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de/go/

*79201: Es gibt nur wenige erfahrene Projekt-Manager;

*80161: Bewerbungstipps für Profis;

*78080: Chancen und Risiken eines Jobwechsels.

Hier lesen Sie …

• wie sich die Karriereplanung im Lauf der Zeit verändert;

• weshalb das Alter nicht allein über die beruflichen Aussichten entscheidet;

• dass sich für engagierte IT-Experten immer wieder neue Chancen ergeben.

Individuelle Schulung

Während des Hauptstudiums vertiefte sich die angehende Informatikerin immer mehr in die Softwareentwicklung. Mit dem Besuch der Sommerakademie "Informatica Feminale", die jedes Jahr an der Universität Bremen und an der Fachhochschule Furtwangen ausgerichtet wird, knüpfte Oeters Kontakte zu anderen Informatikerinnen und lotete Berufsperspektiven aus. Den entscheidenden Impuls für die Jobsuche bekam sie schließlich in Furtwangen: Ein Vortrag einer Mitarbeiterin des Münchner Softwarehauses sd&m hatte die heute 25-Jährige begeistert. "Ich habe nur eine Bewerbung geschrieben, denn ich wollte auf jeden Fall zu sd&m. Mir gefiel, dass das Unternehmen im Projektgeschäft Methoden anwendet, die ich im Studium erlernt hatte", begründet sie ihre Entscheidung. Seit Mai 2004 arbeitet Oeters in München für sd&m und stieg gleich in ein laufendes Projekt ein. "Zwar gibt es Zeit- und Leistungsdruck, doch die Aufgaben sind klar verteilt." Ein individuelles Weiterbildungskonzept hilft über mögliche Hürden hinweg.

Mit 25 Jahren stehen ihr für die weitere Karriereplanung alle Wege offen: "Softwareentwicklung macht mir sehr viel Spaß. Auch in der Projektarbeit beim Kunden kann ich noch viel lernen und Erfahrungen sammeln", erzählt sie, und fügt hinzu: "Ich kann mir gut vorstellen, neben der Arbeit für sd&m zu promovieren oder für eine Zeit lang ins Ausland zu gehen."

CIO mit 36 Jahren

Seit März hat Jürgen Burger die Position des CIO beim Osnabrücker Logistikunternehmen Hellmann Worldwide Logistics inne. In Deutschland gehören rund 100 IT-Mitarbeiter zu seinem Team, weltweit sind es zirka 150.

Zielstrebig und selbstbewusst plante Burger seine Karriere. Kluge Tipps und Ratschläge von Experten spielten in seinen Überlegungen kaum eine Rolle. Nach dem Abitur absolvierte er eine Ausbildung zum Bankkaufmann in Waldkirch im Breisgau und studierte anschließend an der Fachhochschule Furtwangen Wirtschaftsinformatik.

Anschließend entschied er sich für das Beratungsunternehmen Andersen Consulting, das heute Accenture heißt. Dort arbeitete der Wirtschaftsinformatiker zunächst in Logistikprojekten mit. "Ich wollte unbedingt wieder im Bankenumfeld tätig sein. Doch als ich dann ein solches Projekt hatte, war es plötzlich nicht mehr so interessant", erzählt Burger. Inzwischen faszinieren ihn Logistik und IT weit mehr. In zehn Jahren als Berater hatte er in zahlreichen Projekten bei führenden Logistikern seine Branchen- und Fachkenntnisse erweitert. Bei Accenture war er vom Junior-Berater bis zum Senior-Manager peu à peu die Karriereleiter empor gestiegen. Doch wie gelang der Sprung vom Berater zum CIO? "Ich habe aktiv daran gearbeitet, mit meiner Kompetenz bekannt zu werden. Zu meiner Karriereplanung gehörte es, inhaltlich schlüssige IT- und Logistikkonzepte zu entwerfen und auf Kongressen zu sprechen, um mir in der Branche einen Namen zu machen." Zahlreiche Unternehmen, Headhunter und andere Beratungshäuser wurden auf ihn aufmerksam und traten mit attraktiven Jobangeboten an ihn heran.

Doch Burger war wählerisch, denn er hatte konkrete Vorstellungen, wie der nächste Karriereschritt aussehen sollte: "Ich wollte eine Position, in der ich die strategische Ausrichtung beeinflussen kann." Angebote von Beratungsunternehmen und Offerten, dort gleich als Partner einzusteigen, erschienen dem Wirtschaftsinformatiker weniger reizvoll, denn diese Möglichkeit hätte sich für ihn in nächster Zeit auch bei Accenture eröffnet. Burger analysierte selbst die wichtigen Logistikunternehmen nach Größe, Aufgaben und Entscheidungsstrukturen mit Blick auf einen Wechsel: "Mit 35 habe ich angefangen, die Ohren offen zu halten." Die Entscheidung für Hellmann fiel ihm leicht; im dem eigentümergeführten Unternehmen berichtet Burger als CIO direkt an die beiden Inhaber Jost und Klaus Hellmann. "Es gab nur zwei intensive Vorstellungsgespräche, dann waren wir uns einig", schildert er die schnelle Entscheidungsfindung.

Offen für Veränderungen

Auch in seiner neuen Aufgabe reist Burger viel. Das Unternehmen verfügt über 134 Standorte und betreibt weltweit mehrere Rechenzentren. Mit seinen 37 Jahren gehört Burger noch zu den Youngstern im Führungskreis, denn seine Kollegen im Management sind rund zehn Jahre älter. "Die Firmenkultur ist sehr offen, und die Veränderungsbereitschaft ist groß. Diese Stimmung erleichtert es mir, Neues anzustoßen", berichtet er von seinen ersten 100 Tagen und fügt hinzu: "Jetzt habe ich die wertvolle Erfahrung als Berater und den Vorteil, dass ein interner Mitarbeiter Veränderungen einfacher bewirken kann als ein Externer."

Seine neue Aufgabe ging er unorthodox an. Der junge CIO meldete sich sozusagen inkognito morgens bei der Warenausgabe und begleitete einen Fahrer auf seiner Tour. "Zunächst musste ich Päckchen schleppen", erzählt er schmunzelnd. Während des Tages nahm der Fahrer bezüglich der IT kein Blatt vor den Mund und sagte deutlich, was ihn störte, ohne zu wissen, wer neben ihm saß. "Mir war es wichtig, zu erfahren, wie die Arbeitsschritte sind, wie die Stimmung im Unternehmen ist und wo die Probleme liegen. Das hätte ich vermutlich in einem förmlichen Gespräch nie so klar und kritisch erfahren."

Tipps für Quereinsteiger

Er hat noch einige Tipps für Young Professionals parat, die ihre Karriere planen: "Es ist wichtig, die eigenen Stärken und Schwächen zu kennen, etwa ob man gerne technisch orientiert arbeitet oder lieber organisiert und kommunikative Fähigkeiten besitzt." Dabei sollten sich Informatiker nicht allein auf ihre Neigungen verlassen, sondern die ganze Bandbreite austesten: "Der erste Job ist eine gute Möglichkeit, das herauszufinden und sich nicht zu früh völlig festzulegen." Ebenso wichtig seien Netzwerke, um sich mit Kollegen fachlich auszutauschen.

Neuanfang mit 55

"Mit 15 Jahren wollte ich Astronaut werden", erzählt der heute 55-jährige Adalbert Kellner über seine frühen Berufspläne. Zunächst verfolgte er zielstrebig diese Absicht und studierte Maschinenbau an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH). Im Hauptstudium spezialisierte er sich auf Luft- und Raumfahrttechnik und promovierte anschließend am dortigen Institut. Der Weg zu den Sternen rückte allerdings in die Ferne, denn nach der Promotion setzte Kellner zunächst seine akademische Laufbahn fort. In einem internationalen Forschungsprojekt an der RWTH Aachen mit Industriepartnern, dem Massachusettts Institute of Technology und der University of Miami lernte er viel über Projektarbeit in einem internationalen Team. DV und Software waren damals nur Hilfsmittel.

Lebensziele verändern sich

Als eine weitere berufliche Entscheidung anstand, ignorierte der Raumfahrtexperte abermals ferne Galaxien ebenso wie eine mögliche Karriere im Flugzeugbau und entschloss sich 1984 zum Wechsel in die damals noch junge IT-Branche. Bei der 1969 gegründeten Gesellschaft für Elektronische Informationsverarbeitung mbH (GEI) in Aachen begann die IT-Karriere von Kellner: "Leute mit Projekterfahrung wurden gesucht, weil Kunden zunehmend ganzheitliche Systemverantwortung von ihren Lieferanten forderten." Bereits fünf Jahre später war er Niederlassungsleiter mit einem Team von 38 Mitarbeitern, einige Jahre später waren es 270 Mitarbeiter, und Kellner stieg in die Geschäftsführung auf.

Seit 1990 gehörte GEI zum Debis Systemhaus, 2000 wurde beides an T-Systems verkauft. Zu diesem Zeitpunkt war Kellner Vorsitzender der Geschäftsführung. 2004 verließ er nach 20 Jahren das Unternehmen, zwei Jahre vor Ablauf seines Vertrages. "Perspektiven für 55-Jährige sind begrenzt", kommentiert Kellner lakonisch. Im Rahmen der Umstrukturierung wurde GEI als eigenständige Einheit aufgelöst und dem ehemaligen Geschäftsführer eine andere Position angeboten. Doch nach vielen Jahren in einer eigenverantwortlichen Stellung gab es in dem fusionierten Unternehmen kaum neue Herausforderungen für ihn. Die Lebensplanung des dreifachen Familienvaters sah vor, die über lange Jahre üblichen 60- bis 70-Stunden-Wochen auf ein vernünftiges 40-Stunden-Pensum zu reduzieren: "Ich hatte immer einen Neuanfang als selbständiger Berater im Hinterkopf; ich wollte mein umfangreiches Wissen weitergeben und einen Gang zurückschalten." Versäumtes wollte er ebenfalls nachholen. "Die Erziehungs- und Familienarbeit für unsere drei Töchter hat hauptsächlich meine Frau übernommen, obwohl auch sie immer berufstätig war", gibt Kellner unumwunden zu. "Allerdings war es für die Familie eine Umstellung, als ich plötzlich Zeit für sie hatte."

Kellner gönnte sich eine sechsmonatige Auszeit, bevor er im Oktober 2004 den Weg in die Selbständigkeit wagte. Mit seinem dichten Kontaktnetz und einem reichen Erfahrungsschatz fühlte sich der Mittfünfziger gut auf den Neuanfang vorbereitet. "Zunächst lief es sehr schleppend, das hat mich überrascht, denn erst ab Februar 2005 hatte ich die ersten Projekte", berichtet er über die anfängliche Durststrecke. Gleichzeitig ergab sich eine weitere Chance: Bernhard Hirth, ein ehemaliger GEI-Kollege, hatte sich bereits 1995 selbständig gemacht und das Beraternetzwerk Projekt-Management und Beratung für Organisation und IT-Projekte (pth Projektteam Hirth) ins Leben gerufen. Dort arbeiten überwiegend berufserfahrene Berater jenseits der magischen Altersgrenze von 40 Jahren. Im April stieg Kellner dort ein und teilt sich mit Hirth die Geschäftsführungsaufgaben. Beide beraten selbst und akquirieren neue Aufträge, die sie an die rund 50 Berater im Netzwerk weitergeben.

Das Geschäftsmodell ist ebenso einfach wie erfolgreich: Die im Netzwerk tätigen Berater binden sich über Rahmenverträge an pth und erhalten von dort Aufträge. Im Gegenzug müssen sie sich nicht um die Akquise kümmern. Neben Projektarbeit und -Management coachen die ergrauten Berater als eine Art väterliche Mentoren junge Projektleiter im Unternehmen und während eines laufenden Projekts. "Eine junge Führungskraft kann von der Erfahrung eines Außenstehenden profitieren, Konflikte innerhalb des Teams lassen sich leichter entschärfen", schildert Kellner Erfahrungswerte.

Firmenwechsel im Alter schwierig

Das Alter spielt weiterhin eine wichtige Rolle in der Besetzungspolitik und Karriereplanung der IT-Branche. "Wer innerhalb einer Firma seinen Weg geht, für den ist das Alter weniger wichtig, doch wer sich mit 50 Jahren erstmals extern für eine Führungsaufgabe bewirbt, für den wird der Wechsel schwierig", so Kellner: "Als Geschäftsführer habe ich auch 35-Jährige zu Abteilungsleitern gemacht und keine 50-Jährigen; das würde ich heute noch genauso tun, denn für einen 50-Jährigen ist die Perspektive, den nächsten Karriereschritt zu gehen, einfach zu kurz."

Kellner hat den Neuanfang als Berater geschafft. "Wer mit 50 auf eine vergleichbare Position in einem anderen Unternehmen wechseln möchte, egal ob als Projektleiter oder Geschäftsführer, hat es immer schwer. Mir kam zugute, dass ich schon immer sehr selbständig gearbeitet habe. Wer sich als Führungskraft zu sehr auf sein Sekretariat verlässt und weder eine Powerpoint-Präsentation selbständig erstellen noch sich selbst organisieren kann, der legt sich einen großen Stein in den Weg."