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Persönliche und berufliche Bestätigung als wichtigste Motivation

Karriere - (k)ein Synonym für Geld

25.03.1988

An den Herausforderungen im Job reizen den Erfolgreichen die Schwierigkeiten; er löst sie nicht um der Bezahlung willen, meint Managementberater Berthold Trottnow in Stuttgart. Vor allem aber sollte eine Karriere- und Berufsplanung zunächst das eigene Naturell ins Kalkül ziehen.

"AIs er sich endlich eine Position geschaffen hatte, die es ihm ermöglichte, alles zu sagen, was er dachte, dachte er nur noch an seine Position. Wohin Karriere führen kann, bringt Gabriel Laub in seinem Buch "Denken verdirbt den Charakter" (Carl Hanser Verlag) oder: "Du hast keine Zukunft - nutze sie!"

Hinter dieser vordergründig zutiefst pessimistisch anmutenden paradoxen Aussage steckt aber doch nichts anderes als wieder die Aufforderung, aus einer vermeintlich aussichtslosen Situation Nutzen zu ziehen und etwas Sinnvolles zu machen. Mit anderen Worten: Karrierestreben ist eigentlich überall und immer vorhanden und damit letztlich Teil einer sinnvollen Lebensplanung und -einstellung. Ich behaupte sogar, es gibt keinen vernünftigen Ersatz zu erfolgreichem Wirken in Arbeit und Beruf.

Anerkennung ist wesentlicher Motivator

Eine andere Fragestellung ist die nach der Motivation, nach den Beweggründen. Unbestritten: Materielle Anreize, attraktive Vertragsbedingungen und also auch hohes Einkommen gehören zu den wichtigsten Motivatoren.

Eine Studie unseres Hauses kam allerdings zu einem recht verblüffenden Ergebnis: Für die von uns interviewten Führungskräfte des Middle- und Top-Managements gehörten zu den wichtigsten Motivationsfaktoren in allererster Linie Personal- und Fachverantwortung, eine sinnvolle herausfordernde Aufgabe, die Chance, sich zu profilieren und zu beweisen, sowie die Akzeptanz durch Umwelt und Gesellschaft. Mit anderen Worten: Vollbrachte Leistung, Anerkennung, Arbeit selbst und Verantwortung sind die wesentlichen Motivationsfaktoren; Gehälter beziehungsweise materielle Vorteile haben lediglich sekundäre Bedeutung. Ein weiteres Ergebnis dieser Untersuchung war die Tatsache, daß Löhne und Gehälter indes weiter unten auf der sozioökonomischen Skala offenbar eine wichtige Rolle spielen. Also wird die Frage "Karriere - Synonym für Geld?" differenziert zu beantworten sein. Und: Wäre der Wunsch nach Geld einziges oder auch nur bestimmendes Arbeits- und Karrieremotiv, hätte dies unter dem Aspekt der Leistungs- und Motivationstheorie eine an sich unmenschliche, logische Konsequenz: Man bräuchte Menschen lediglich schlecht bezahlen, nahe am Existenzminimum zu halten, um so das Bedürfnis nach Geld - das ja dann zur Arbeit motivieren würde - bei ihnen besonders stark zur Wirkung zu bringen.

Karriere - nur für Waisen und Junggesellen?

Eine wichtige Frage ist zweifellos auch, ob es überhaupt lohnt oder erstrebenswert ist, Karriere zu machen. Es gibt Befürworter der These, daß

alle "Karrieristen" eigentlich Waisen oder Junggesellen sein müßten, da sie nur dann den bekannten Schwierigkeiten in Familie und Privatleben aus dem Wege gehen könnten. Nur: Wer Karriere macht oder machen will, wird sich wohl selten nur deshalb davon abbringen lassen, weil die Familie, der Hausarzt, der Psychologe oder sonst wer davor warnt.

Es wäre in der Tat ein Trugschluß anzunehmen, Karriere, weil mit Streß und Aufregung verbunden, mache beispielsweise regelmäßig krank. Genügend Beispiele von Führungskräften belegen nämlich, daß sich Mangel an Streß genauso negativ auf die Gesundheit auswirken kann wie zuviel davon.

Finanzieller Anreiz nicht so wichtig

Aber zurück zum Thema: Wir wissen, daß viele Spitzenverdiener sich intensiver über ihre Selbstverwirklichung, über ihr Selbstwertgefühl als über Möglichkeiten, ihr Einkommen zu erhöhen, Gedanken machen. Dazu haben die Ergebnisse der "Herzberg-Untersuchung" bewiesen, daß der entscheidende Beweggrund für Karrierestreben neben der "vollbrachten Leistung" die "Anerkennung" durch andere ist, also der finanzielle Anreiz als Motivator allein für "Karriere" eben eine weitgehend untergeordnete Rolle spielt.

Die Erkenntnis mithin, daß materielle Faktoren nur scheinbare Motivationshilfen sind, führt zu der Empfehlung, daß Geld schlechthin nicht die Triebfeder für Lebens- und Berufsplanung sein sollte und sein darf. Um auch Studenten an Fach- und Hochschulen und Nachwuchsführungskräften in den Unternehmen die Chance zu bieten, ihre persönliche Motivationsstruktur als Basis und Voraussetzung für ihre Lebens- und Berufsplanung kennenzulernen, haben wir eine Test-Batterie entwickelt, die wir beispielsweise im Rahmen unserer Seminararbeit mit Führungskräften regelmäßig anwenden (siehe Übersicht).

Haben Sie bei der Beantwortung dieser Fragen mindestens eine Summe von 60 Punkten erreicht, verfügen Sie in aller Regel über einige wesentliche stabilisierende Elemente in Ihrer Persönlichkeitsstruktur, die als psychologisches Rüstzeug für die Bewältigung von Führungsaufgaben unerläßlich sind. Liegen Sie andererseits weit unter diesem Wert, ist Skepsis angebracht, ob Sie Ihre Berufs- und Karriereplanung an übermäßig ehrgeizigen Zielsetzungen ausrichten sollten.

Ich möchte dazu McGregors* "Theorie X" zitieren, die folgende Thesen vertritt:

þDer Durchschnittsmensch hat eine angeborene Abneigung gegen die Arbeit und versucht diese zu vermeiden, wo immer er kann.

þDeswegen müssen die meisten Menschen gezwungen, kontrolliert, angeleitet und notfalls mit Sanktionen bedroht werden, um die für das Erreichen des Betriebszieles erforderlichen Anstrengungen zu unternehmen.

þDer Durchschnittsmensch bevorzugt es, Anweisungen zu erhalten, will Verantwortung vermeiden und hat relativ wenig Ambitionen: "Sicherheit" ist für ihn der wichtigste Gesichtspunkt.

Durch Planung systematischer Erfolg

Vielleicht kommt Ihnen die eine oder andere Aussage, wenn Sie an einen gegenwärtigen oder früheren Chef denken, ganz vernünftig vor: Sollten Sie sich aber, um an unseren Test anzuschließen, auch nach längerem Überlegen mit dem Kern dieser Thesen uneingeschränkt identifizieren ist gleichermaßen davon abzuraten beruflich Führungsaufgaben anstreben zu wollen. Da dann Geld und Sicherheit Ihre wesentlichen Triebfedern wären, sollten Sie Ihre Trägheit für sich arbeiten lassen.

Läßt sich "Karriere" im Sinne einer beruflichen Erfolgsstrategie nun wirklich planen? Es ist einleuchtend daß im Laufe eines Berufslebens, das einige Jahrzehnte währt, viele Entscheidungen, Einflüsse und Weichenstellungen oftmals von Zufallsfaktoren abhängig sind. Diese Einsicht kann jedoch eines nicht ersetzen: Planung. Wie in vielen anderen Bereichen des Wirtschaftslebens ist "Planung" unabdingbare Voraussetzung für das Erreichen von Zielen, auch von Karrierezielen.

Dr. Lothar J. Seiwert, Professor für Personalwesen an einer Fachhochschule und "Zeitmanagement-Papst" unter den deutschen Führungstrainern, meint dazu in seinem Erfolgsbuch "Mehr Zeit für das Wesentliche" *: "Zufällige Erfolge sind gut, aber selten. Geplante Erfolge sind besser, da häufiger und beeinflußbar. "

Wir wollen nicht verkennen, daß sich Pläne naturgemäß nicht immer erfüllen können. Planung führt aber erfahrungsgemäß häufiger und systematischer zum Erfolg. Oder können Sie sich ernsthaft vorstellen, beruflichen Erfolg anstreben zu können, ohne sich im klaren darüber zu sein, wohin Sie wollen, also ohne das Ziel zu kennen und ohne zu wissen welchem Ziel Sie das, was Sie gegenwärtig tun, näherbringt? Nochmals Professor Seiwert: "Zielsetzung bedeutet, sein Tun und Handeln bewußt auf bestimmte Leitlinien und Orientierungen hin auszurichten.

Für unser Selbst-Management und eine bewußte Lebensführung ist es fundamental und wichtig zu wissen, wo wir hin wollen und wo wir nicht hinwollen (Selbstbestimmung), um nicht dort anzukommen, wo andere uns hin haben wollen (Fremdbestimmung)."

*mi-Verlag, Landsberg, 1985

Bitte überlegen Sie, mit welcher Intensität Sie die nachfolgenden Motivationsfaktoren zu besonderen Leistungen anspornen würden, und zwar unabhängig von der momentanen Position. Bewerten Sie dies mit den Zahlen von 1 (unbedeutend) bis 7 (sehr stark).

Bewertung 1 bis 7

1. Die Gelegenheit, beim Setzen von Zielen mitzubestimmen.

2. Die Sicherheit, meine jetzige Stellung nicht zu verlieren.

3. Die Gelegenheit der persönlichen Weiterentwicklung und Entfaltung.

4. Die Gelegenheit, zwischenmenschliche Beziehungen zu entwickeln.

5. Das Gefühl persönlicher Erfüllung bei meiner Aufgabe.

6. Die Gelegenheit, unabhängig zu denken und zu handeln.

7. Ein angemessenes Gehalt.

8. Das Gefühl, in der Lage zu sein, meine eigenen Fähigkeiten zu verwirklichen.

9. Die Autorität, die mit meiner Position beziehungsweise Aufgabe verbunden ist.

10. Die Anerkennung, die man meiner Position beziehungsweise Aufgabe innerhalb des Unternehmens entgegenbringt.

Summe:XX

Auszug aus dem Motivationsstruktur-Test nach Trottnow