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07.02.1992 - 

Informatikerinnen bleiben weiterhin in der Minderheit

Karriereförderung hört oft bei Kinderhort und Teilzeitarbeit auf

MÜNCHEN (hk) - Falsch verstandene Karriereförderung der Unternehmen führt auch heute noch dazu, daß es in der Datenverarbeitung - aber nicht nur dort - kaum Frauen in Führungspositionen gebe, so die Auffassung von Monika Pollwein auf der gut besuchten Veranstaltung der Gesellschaft für Informatik (G1) und des Münchner Computer-Frauen-Netzwerkes an der TU München zum Thema "Frauen - Chancen in der Informatik".

Viele Unternehmen meinten, so das GI-Präsidiumsmitglied, daß das Thema Frauenförderung mit der Einrichtung eines Betriebskindergartens, der Verlängerung des Erziehungsurlaubs und des Anbietens von Teilzeitarbeit für sie erledigt sei.

Vielmehr müßten die Betriebe auch Karrierepläne für Frauen entwickeln - differenziert für diejenigen, die bewußt auf Kinder verzichten und für solche, die Nachwuchs wollen. Zudem müßte der Berufseinstieg für Hochqualifizierte nach einer Berufspause erleichtert werden. Ziel müsse sein, "Erwerbstätigkeit und familiäre Interessen in Einklang zu bringen", zum Beispiel durch die Schaffung von mehr qualifizierten Teilzeitjobs und KinderbetreuungssteIlen.

Susanne Daniels-Herold, Informatikerin und berufstätige Mutter von zwei Kindern, ist überrascht, wie wenig Teilzeitjobs in der DV angeboten werden. Gerade in diesem Beruf, so ihre Annahme, in dem die technischen Möglichkeiten so fortgeschritten sind, hätte sie von den Unternehmen mehr Aufgeschlossenheit und Flexibilität erwartet.

Obwohl zum Thema Beruf und Familie viel gesagt und geschrieben werde, und auch den Betrieben unterstellt werden dürfe, daß sie etwas tun, deuten die Zahlen auf eine andere Realität hin.

Von den 74 Prozent der verheirateten Männer in der DV haben laut IAB 49 Prozent Kinder, während von den DV-Frauen (62 Prozent verheiratet) nur fünf Prozent auch Mütter sind. Kein Wunder, so das Resümee von Frau Pollwein, daß eine Führungsposition oft Kinderlosigkeit bedeute.

Bei Siemens sei - trotz aufwendig angesetzter Frauenprogramme - der Frauenanteil in den letzten zehn Jahren von 32 auf 28 Prozent zurückgegangen, und in der Wissenschaft gehöre die Informatik-Professorin noch immer zu einer Rarität. Obwohl der öffentliche Dienst noch. immer zu den frauenfreundlichsten Arbeitgebern zähle hätten 62 Prozent der Männer und nur 44 Prozent der Frauen einen Hochschulvertrag als Grundlage für ihre Promotion.

Barbara Paecht, promovierte Informatikerin und angehende Professorin, möchte sich nicht als Exotin bezeichnen, wünscht sich aber doch ab und zu einen weiblichen Gesprächspartner. Im Laufe der Jahre, die sie an der Universität beschäftigt ist, habe sie immer wieder festgestellt, daß Frauen eine andere Beziehung zur Informatik haben als die männlichen Kollegen. "Während bei den Männern", so ihre Erfahrung, "der Rechner oft im Mittelpunkt steht", gehen die Frauen eher analytisch und pragmatisch vor: "Unsere Stärken liegen auch in der Theorie, etwa im Software-Engineering."

Auch das Informatikstudium werde mehr zur Männerdomäne. Betrug der Frauenanteil laut Angaben des Statistischen Bundesamtes im Studienjahr 19781 79 noch 18,8 Prozent, so lag er 88/89 bei nur noch 14,5.

Neueste Zahlen würden diesen Trend bestätigen, meint Frau Pollwein. Eine schlüssige Begründung für die Studierzurückhaltung des weiblichen Geschlechts kann auch die Münchner Informatikerin nicht nennen. Interessant sei allerdings, daß sich gerade aus Mädchenschulen überdurchschnittlich viele Informatikerinnen rekrutierten.

Anders sehe es in der außeruniversitären DV-Ausbildung aus. Hier dominierten die Frauen: 64 Prozent der Abschlüsse an Berufsakademien würden von Frauen absolviert.

Was das Gehalt angeht, liefere eine Kienbaum-Studie folgende Aussage: Im Durchschnitt verdienen Frauen für die gleiche Tätigkeit immer noch weniger als Männer. Bemerkenswert sei die Gehaltsdifferenz. die geringer wird, je weniger Frauen in einem Bereich tätig sind (siehe Grafik).

Für den Berufseinstieg sei vor allem die praktische Erfahrung , wichtig meint Rosemarie Zenk. Die Geschäftsführerin eines Münchner Netzwerkunternehmens brachte es nach eigener Aussage an der Fachhochschule auf 13 Semester. Dabei habe sie bereits während des Studiums viel gearbeitet, was ihr letztlich zugute kam: Bei Studienabschluß lag der Arbeitsvertrag vor.

So gut auch die Chancen für Frauen in der Informatik seien. letztlich müsse sich eine "Sie", so Frau Pollwein, doch bemühen, mehr um ihr Recht zu kämpfen als ein "Er" und die Karriere genauer planen. Als Konsequenz aus ihren Erfahrungen gründete die DV-Spezialistin gemeinsam mit anderen Informatikerinnen 1990 das Münchner Computer-Frauen-Netzwerk, das sich zum Ziel gesetzt hat, durch Informationsaustausch, Kontakte und Veranstaltungen, die eigenen Chancen aktiv zu nutzen.