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19.11.1993

Karriereplanung und Bewerbungsstrategien in der Rezession (Teil 10) Gute Leistung muss im Zeugnis entsprechende Wuerdigung finden

Wer gekuendigt hat, erhaelt ein Arbeitszeugnis. Der Arbeitnehmer tut gut daran, Satz fuer Satz auf den Wahrheitsgehalt hin zu ueberpruefen. Trifft eine Aussage nicht zu, sollte er Einspruch erheben. Vielfach finden sich im Zeugnis Formulierungen, die sich nicht korrekt deuten lassen. Ferner stehen Einsteller, die nicht die Sprache der Zeugnisse beherrschen, nach Bernd Anderschs* Auffassung oftmals vor Interpretationsraetseln.

Der ausscheidende Mitarbeiter, der dem Arbeitgeber gleich selbst einen Zeugnisentwurf vorlegen moechte, ist meist unsicher, wenn es um Zeugnisinhalte und passende Formulierungen geht. Schliesslich nehmen Zeugnisse fuer das weitere Bewerbungs- und Karrieregeschehen eine Schluesselrolle ein.

Zu pruefen sind insbesondere die beurteilenden Aussagen zum Leistungs- und Sozialverhalten. Bei der Beurteilung der Arbeitsleistung finden sich Aussagen zur Arbeitsbereitschaft, der Arbeitsbefaehigung, der Arbeitsweise, des Arbeitserfolges, der Fuehrungsleistung und der allgemeinen Zufriedenheit.

Haeufig werden nicht alle Komponenten einzeln im Zeugnis aufgefuehrt, sondern eine zusammenfassende Beurteilung ausgesprochen. Hier die ueblichen Formulierungen und die Interpretation der Leistungsbeurteilungen.

Personalchefs achten auf Sozialverhalten

Als "sehr gut" sind erbrachte Leistungen und die Erfuellung uebertragener Aufgaben bewertet, wenn sich die Aussagen finden:

... stets zu unserer vollsten Zufriedenheit, stets sehr gut, fanden jederzeit und in jeder Hinsicht unsere vollste Anerkennung, stets ausserordentlich zufrieden, stets zu unserer absoluten Zufriedenheit, entsprach jederzeit voll und ganz den hohen Anforderungen, stets in hoechstem Masse zufrieden, stets zu unserer absoluten Zufriedenheit.

In guten Bewertungen finden sich Wendungen wie: ... stets zu unserer vollen Zufriedenheit, zu unserer vollsten Zufriedenheit, voll und ganz zufrieden, fanden stets volle Anerkennung, jederzeit voll entsprochen, stets in hohem Masse zufrieden, groesste Zufriedenheit, sehr zufrieden.

Bei dem nicht mehr aufzuhaltenden Trend zu flacheren Unternehmensstrukturen gewinnt die Beurteilung des Sozialverhaltens eine immer groessere Bedeutung. Hier wird das Verhalten des Arbeitnehmers, insbesondere gegenueber Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kollegen bewertet. Folgende Worte weisen auf ein diesbezuegliches "Sehr gut" hin: ... stets vorbildlich, stets einwandfrei, stets sehr geschaetzt und beliebt, stets sehr gut, jederzeit vorbildlich, hatte stets ein sehr gutes Verhaeltnis, stets geschaetzt und beliebt, stets geschaetzt und anerkannt, konstruktiv, kooperativ.

Gute Beurteilungen des Sozialverhaltens lauten: ... vorbildlich, einwandfrei, sehr geschaetzt und beliebt, stets gut, stets ein gutes Verhaeltnis, stets anerkannt und beliebt, unterstuetzte die Zusammenarbeit, angesehener Mitarbeiter mit vorbildlichem Verhalten.

Aber auch die Aussage, wie stark das Ausscheiden eines Arbeitnehmers bedauert wird, spricht Baende. Eine diesbezuegliche positive Aussage verstaerkt vorhergehende Bewertungen des Arbeitnehmers. Eine sehr gute Wuerdigung lautet: Wir bedauern sehr, eine so exzellente Fach- und Fuehrungskraft zu verlieren. Fuer die stets vorbildliche Leitung unseres Bereiches XY sind wir Frau/Herrn... zu grossem Dank verpflichtet. Sie/er hat einen entscheidenden Beitrag zur Unternehmensentwicklung geleistet. Oder eine kuerzere Formulierung: Wir danken fuer stets sehr gute Leistungen und bedauern das Ausscheiden sehr.

Jedes Wort in der Beurteilung ist wichtig

Eine Auflistung aller moeglichen Varianten fuer sehr gute und gute Bedauernsformeln kann an dieser Stelle aus Platzgruenden nicht vorgenommen werden. Aus gleichem Grunde wird auch das wichtige Thema der guenstigen und unguenstigen Kuendigungsformulierungen (Beendigungsklauseln) ausgespart.

Im Arbeitszeugnis kommt es insbesondere bei der Beurteilung von Arbeitsleistung und Sozialverhalten auf jedes der oben aufgefuehrten Worte an. Fehlt ein Wort in einer der Beurteilungen, kann eine in der Umgangssprache positive Formulierung in der Zeugnissprache durchaus nur noch eine befriedigende oder ausreichende Beurteilung darstellen. Heisst es lapidar: Seine Leistungen waren gut, so ist das eine befriedigende Note.

Dass in der Rezession gute Arbeitszeugnisse ein entscheidendes "Verkaufsargument" fuer den Bewerber sind, ist zweifellos richtig. Wer ein Arbeitszeugnis erhaelt oder selbst einen Zeugnisentwurf schreibt, sollte daher eine kritische Ueberpruefung vornehmen. Wie einzelne Aussagen in solchen Dokumenten bewertet werden, nehmen Arnulf Weuster und Brigitte Scheer in ihrem Buch "Arbeitszeugnisse in Textbausteinen" umfassend unter die Lupe. In sehr uebersichtlicher Form finden sich 1900 Zeugnisformulierungen und ihre Auslegung. Das Buch kostet 36 Mark. Weuster gilt zur Zeit als der "Papst" fuer diese Materie in Deutschland.

In dem Buch finden sich Beurteilungen fuer tarifliche und aussertarifliche Angestellte sowie gewerbliche Arbeitnehmer und Auszubildende. Im Vergleich zu diesem Buch ist vom Gebrauch von Informationshilfen per Diskette, wie "Das Arbeitszeugnis" von Data Becker fuer 29,80 Mark, fuer eine intensive "Zeugnisforschung" abzuraten.

Wem als CW-Leser weitere Fragen zum Thema Zeugnisformulierungen und -erstellung bleiben, kann sich gerne direkt mit dem Autor der Serie unter der Rufnummer 052 31/355 88 in Verbindung setzen.

Client-Server-Computing und Outsourcing sorgen fuer Wirbel bei DV- Beschaeftigten. Die Rezession tut ein uebriges. Entlassungen in einer vom Erfolg verwoehnten Branche sind nichts Ungewoehnliches mehr. Damit ist es auch fuer Bewerber schwieriger geworden als fueher, einen neuen Job zu finden. Die Serie will mit praxisorientierten Tips all denen helfen, die sich in dieser schwierigen Phase im Berufs-leben neue orientieren.

*Bernd Andersch hat in Fach- und Fuehrungsfunktionen Org./DV gearbeitet und ist heute selbstaendiger Karriere- und Unternehmensberater sowie Management-Trainer in Detmold.