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17.12.1993

Karrierestrategien in der Rezession (Teil 12) Bewerber muessen Stellenanzeigen richtig lesen und interpretieren

Jobsuchende neigen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten verstaendlicherweise dazu, auch auf Anzeigen zu reagieren, die nicht ihrem Profil entsprechen. Von derartigen Bewerbungen ist abzuraten. Sie bringen nach Auffassung von Bernd Andersch* nichts und verursachen hohe Kosten und Frust. Stellenanzeigen muessen richtig gelesen und interpretiert werden!

Ueblicherweise sondiert der Leser nach Positionsbezeichnungen, ob die Anzeige von Belang ist oder nicht. Es gibt aber eine Reihe von gleichen oder aehnlichen Stellen in den Betrieben, die sehr unterschiedlich tituliert werden. Wer beispielsweise eine Stelle als Anwendungsprogrammierer sucht, sollte durchaus auch die Stellenanzeigen fuer Organisationsprogrammierer, Systementwickler, DV-Organisatoren, Anwendungsentwickler, Programmierer und Software-Entwickler beachten.

Erst die weiteren Ausfuehrungen der Stellenanzeige geben Auskunft ueber die genauen Aufgabenfelder, die von dem Bewerbungskandidaten abzudecken sind. Die Aufgabenfelder und die dazu geforderten fachlichen Qualifikationen und persoenlichen Eigenschaften sollten ausschlaggebend sein, ob eine Bewerbung abgegeben wird.

Hinsichtlich der entscheidenden Anforderungen sollte der Kandidat pruefen, ob er diese erfuellt. Nur dann ist eine Bewerbung sinnvoll. Bei der Pruefung des "Beiwerkes" kann er hingegen grosszuegig verfahren. Im Bewerbungsgeschehen sollte man eben nicht alles woertlich nehmen.

Heisst es in einer Stellenanzeige "... und suchen einen Organi- sationsprogrammierer IBM/38 - IBM AS/400 mit mindestens zweijaehriger Praxis in Programmierung und Administration des Systems IBM/38. Erfahrungen mit dem System IBM AS/400 sind erwuenscht, jedoch nicht Voraussetzung. Der Bewerber sollte aber zu einer Weiterqualifizierung bereit sein. Sehr gute Kenntnisse in RPG III und Cobol sind unbedingt Voraussetzung. Hinreichende Qualifikationen in Datenbanken, Tools und Betriebssystemen setzen wir voraus ...".

Die Programmiersprachen Cobol, RPG III und Kenntnisse ueber das System IBM /38 sind offensichtliche Schluesselqualifikationen. Eine Bewerbung lohnt sich nur, wenn gute Kenntnisse in beiden Sprachen vorhanden sind und der Bewerber mit dem System IBM/38 etwas anfangen kann. Anders sieht es mit dem "Beiwerk" aus. Da heisst es "Erfahrungen mit dem System IBM AS/400 sind erwuenscht". Der Wunsch ist Hinweis, dass der Kandidat diese Qualifikationen idealerweise besitzen sollte. Ihm wird aber auch Gelegenheit geboten, sich zu qualifizieren. Warum also nicht bewerben?

Weiterhin heisst es: "Hinreichende Qualifikationen in Betriebssystemen, Tools und Datenbanken setzen wir voraus." Schon das sehr unpraezise Wort "hinreichend" signalisiert: Sehr genau sind die diesbezueglichen Vorstellungen des Anbieters nicht, weil er offensichtlich nicht viel von dieser Qualifikation benoetigt. Basiskenntnisse duerften ausreichen.

Und sollte man sich als "Frischling" bewerben, wenn "mindestens zwei Jahre Berufserfahrung" erwartet werden? Wer ueber begehrte Qualifikationen verfuegt, sollte sich auch als frisch Ausgebildeter nicht von diesem Passus beeindrucken lassen. Dies gilt aber nur fuer dort, wo das Mitarbeiterangebot mit entsprechenden Qualifikationen knapp ist.

In den meisten Anzeigen sind die erwarteten Qualifikationen bewertet. So heisst es etwa "... und suchen einen Mitarbeiter mit sehr guten Kenntnissen in ...". Wer "nur" gute Kenntnisse auf dem geforderten Fachgebiet hat, sollte sich trotzdem bewerben. In den Stellenanzeigen werden haeufig Taetigkeiten viel anspruchsvoller dargestellt als sie sind.

Der inserierende Arbeitgeber ist eine weitere wichtige Information der Stellenanzeige. Viele Kandidaten begehen den Fehler, uebereilt das inserierende Unternehmen in die verkehrte Schublade zu stecken und bevorzugen in aller Regel Grossunternehmen.

Jobsuchende vernachlaessigen haeufig mittelgrosse, kleinere und wenig bekannte Unternehmen. Typische Voruteile: Grossunternehmen bieten bessere Entwicklungsmoeglichkeiten, bessere Bezahlung, sichereren Arbeitsplatz, interessantere Aufgaben, bessere Arbeitsbedingungen und eine qualifiziertere Einarbeitung.

Bei nuechterner Betrachtung treffen diese Vorurteile nicht zu. Die beruflichen Entfaltungsmoeglichkeiten sind in weniger grossen Unternehmen haeufig besser.

Je kleiner das Unternehmen, desto uebergreifender muessen Mitarbeiter denken und arbeiten. Und das weitverbreitete Vorurteil, wer einmal in einem kleinen Unternehmen beschaeftigt war, habe bei groesseren Unternehmen keine Chance mehr, gilt allemal nicht mehr. Die angeblich schlechtere Bezahlung ist meist ebenfalls ein Maerchen. Weniger grosse Unternehmen muessen mehr tun als die Unternehmen "mit dem Stern", um qualifizierte Arbeitskraefte zu bekommen und zu halten. Fragen zum Bewerbungsgeschehen beantwortet der Autor unter der Rufnummer 052 31/355 88. Die Gespraechszeit sollte sich allerdings auf zehn Minuten beschraenken.

Client-Server-Computing und Outsourcing sorgen fuer Wirbel bei DV- Beschaeftigten. Die Rezession tut ein uebriges. Entlassungen in einer vom Erfolg verwoehnten Branche sind nichts Ungewoehnliches mehr. Damit ist es auch fuer Bewerber schwieriger geworden als fueher, einen neuen Job zu finden. Die Serie will mit praxisorientierten Tips all denen helfen, die sich in dieser schwierigen Phase im Berufs-leben neu orientieren.